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Ausflug in Berlins Unterwelt
Gepostet am 09.02.2012 von Katrin Völkner
Von Katrin Völkner, Berlin
So gut wie jeder, der schonmal in Berlin war, hat den Fernsehturm oder das Brandenburger Tor gesehen. Nicht ganz so bekannt, dafür aber absolut lohnenswert ist ein Ausflug in die Unterwelt der Hauptstadt. Verschiedene Touren eröffnen einem die Gelegenheit, Geisterbahnhöfe, alten Schalthallen und Bunker kennenzulernen. Mein Eindruck: Schaurig schön und ideal, um ein Stück Geschichte zu entdecken.

Am Moritzplatz startet die Führung durch Berlins Unterwelten, die ich mir ausgeguckt habe. Neben alten U-Bahn-Schächten gibt es zum Beispiel diese nie fertig gestellte Schalterhalle zu entdecken. Alle Fotos: Katrin Völkner
Ich entscheide mich für die Führung entlang der Strecke D, los geht es am Moritzplatz. Dunkel ist es unter der Erde, die Wände sind am Anfang noch mit Infotafeln versehen, geben sich dann aber nackt aus kühlem Beton. Hier und da lassen Öffnungen in der Wand den Blick auf nie fertig gestellte U-Bahn-Schächte frei. Sie wurden nicht beendet, da die Linie der heutigen U8 schlussendlich in eine andere Richtung als vorgesehen weitergeleitet wurde. Am meisten fasziniert mich eine alte Schalterhalle mit lauter Beschlägen an der Wand und einem Spruch: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Tatsächlich stammt der Schriftzug aus neuerer Zeit, als ein Theater die Unterwelt eine Zeitlang zu seine Spielstätte auserkoren hatte.

Mit Hilfe von flourezierender Farbe fanden sich jene Menschen zurecht, die unter der Erde Zuflucht vor den Bombenangriffen auf Berlin suchten.
Weiter geht es durch schmale, dunkle Gänge. Das Wasser steigt an und ich bin froh, dass ich vorher Gummistiefel bekommen habe. Im Krieg bot dieser schaurige Ort Zuflucht, zum Teil tagelang. Während oben die Bomben fielen, drängten sich hier unten Menschen jeden Alters. Doch die Zahl, die hier unterkommen konnte, war begrenzt. Denn irgendwann wäre nicht mehr genug Sauerstoff für alle geblieben.
Die schrecklichen Ereignisse der Kriegsjahre flackern vor meinen Augen auf. Kurz darauf finde ich mich gedanklich in den 20er-Jahren wieder, als die Planungsarbeiten der Linie unter Kreuzberg ihren Höhepunkt erreicht hatten. Und dann sehe ich Licht und bin heilfroh, die Treppe hochzuklettern und den Ausgang aus der Unterwelt zu nehmen. Plötzlich bin ich wieder im Hier und Jetzt. Im heutigen, friedlichen Berlin mit einem ausgebauten U-Bahn-Netz und vielen Plätzen, die es außerdem noch zu entdecken gilt.