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Immer noch Berlin, aber eine andere Welt: Allee der Kosmonauten
Gepostet am 19.01.2012 von Katrin Völkner
Von Katrin Völkner, Berlin
Wieviele Menschen mögen hier leben? 5.000, 10.000 oder gar 20.000? Das fragte ich mich, als ich am Ziel meines Ausflugs angelangt war: Berlin-Marzahn, Haltestelle Springpfuhl. Mein Vorhaben war es ursprünglich gewesen, ein, zwei Plattenbauten künstlerisch mit der Kamera einzufangen. Doch was mich dann im Osten der Hauptstadt erwartete, waren viel mehr als ein paar Gebäude aus DDR-Zeiten. Auf der Allee der Kosmonauten (kurz AdK) eröffnete sich mir der Blick auf eine schiere Masse von Wolkenkratzern. Vereinzelt begegnen sie mir in Berlin zwar immer wieder, aber wie hier auf wenigen Kilometern angehäuft, wirkten sie auf mich beeindruckend und irritierend zugleich.

Was erwartet mich wohl, wenn ich bis zur Haltestelle Springpfuhl in Marzahn fahre? Die Antwort ereilte mich am vergangenen Wochenende. Alle Fotos: Katrin Völkner
In den 70er-Jahren wurde mit Hilfe des Plattenbausystems WBS 70 ein Großteil der Wohnhäuser hochgezogen. Über elf Stockwerke oder mehr. Die Wohnungen waren bei den einen verschrien, bei den anderen gefragt. Damals wie heute. Was sie zu bieten haben? In den meisten Fällen viel Raum, eine Badewanne, einen langen Balkon, eine Küche mit Fenster und, und, und,... Im Internet werden der weite Ausblick und die moderne Ausstattung angepriesen. Zwischen den Blöcken locken Grünanlagen und Spielplätze. Viele Wohnungen sind saniert und drei Mal so teuer wie vor 30 Jahren. Auch wenn die Vergangenheit nicht in rosiger Erinnerung geblieben ist – der Berliner liebt die Platte.

Platte an Platte, Balkon an Balkon: Entlang der Allee der Kosmonauten nennen Tausende von Menschen eine Wohnung im DDR-Bau ihr Zuhause.
Nach meinem Ausflug auf die AdK, die sich durch die Stadtteile Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf zieht, konnte ich mich mit dem Baustil des DDR-Regimes noch immer nicht anfreunden. Trotzdem muss ich zugeben: Plattenbauten haben was. Sie drängen sich dem fotografischen Auge mit ihrer ganz eigenen Architektur regelrecht auf. Genauso wie ich mich im Altbau wohlfühle, andere in Mansardenwohnungen oder zu Lofts umgebauten Fabrikgebäuden, so ist es bei zahlreichen Menschen die Platte, denke ich bei mir, als ich in die Straßenbahn nach Hause, zurück Richtung Nordwesten einsteige.

Wolkenkratzer und Natur, Einsamkeit und Menschenmassen, gepflegte Straßen und Autos, die reif für den Schrottplatz sind: Marzahn ist ein Stadtteil der Kontraste.

Wohnung anzubieten: Zahlreiche Wohnungen in der Platte werden heute, frisch saniert, für einen Batzen Geld vermietet.

Endstation Paradies: Neben einer Passage gibt es nur vereinzelte Imbissbuden und das Blumen-Paradies. Verkauft wird hier allem Anschein nach nichts mehr.

Am Ende des Tages hat selbst Marzahn romantische Szenerien zu bieten, wie zum Beispiel diesen Sonnenuntergang.

Mein Fazit, als ich wieder in die Bahn steige: Wer das typische Berlin der Plattenbauten kennenlernen will, sollte nach Marzahn fahren. Wer es eher beschaulich oder szenig mag, bleibt lieber daheim.
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