Artikel

798 Art District - Das Neue China

Gepostet am 22.05.2011 von Yavi

Von Yavi Bartula, Beijing

Im Nordosten von Beijing befindet sich ein ungewöhnlicher Ort. Ungewöhnlich, wenn man sich China aus einer klischeehaften Perspektive vorstellt. Wenn man aber nicht vergisst, dass sich China in einem rasanten Tempo verändert, moderner, offener und globaler wird, dann ist dieser besondere Ort nur eine logische Folge dieser Prozesse.

dashanzi art district 798 china-blog peking-kolumne beijing

Die Rede ist von dem Dashanzi Art District, welches vor allem seit 2002 eine künstlerische Oase im Soho-Stil darstellt. Seit also fast 10 Jahren vollzieht sich dort sukzessiv eine Morphose von einem Fabrik- und Wohngelände hin zu einem Ziel für kunstliebende Besucher, die einen urbanen, leicht heruntergekommenen, wirren aber spannenden Ort mit internationalem Flair bevorzugen. Die Idee entstand schon vor vielen Jahren. Deutsche Architekten kreierten im Auftrag chinesischer Avantgardisten in den 50ern ein Viertel für Künste, Künstler und Kultur. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des "Neuen Chinas" sollten in dem so genannten 798 Space Raum finden.

dashanzi art district 798 china-blog peking-kolumne beijing

dashanzi art district 798 china-blog peking-kolumne beijing

Dort kann man sich stundenlang aufhalten, ohne dass Langeweile aufkommt. Man kann Galerien besuchen, in Cafés oder Restaurants sitzen, einkaufen, Straßenmusik hören oder selbst machen, sich zeichnen lassen oder einfach nichts tun. Wofür auch immer man sich entscheidet, man wird die Besonderheit des Ortes spüren und verstehen, wie kreativ und frei denkend die Chinesen eigentlich sind (dazu empfehle ich sehr das Spiegel-Interview mit Schriftsteller Christian Schmidt.)
Innerhalb des Areals halten sich Menschen aller Art auf. Junge Alternative, Künstler, Musiker, Verkäufer, Jugendliche, Ältere, Businessmen, Cliquen, Touristen, Paare, Foto- und Kamerateams (wie immer und überall in China). Die Mischung ist wirr, was eine konkrete Systematisierung der Besucher erschwert. Unwichtig. Denn das macht die Sache spannend und das Viertel charakteristisch.

 dashanzi art district 798 china-blog peking-kolumne beijing

dashanzi art district 798 china-blog peking-kolumne beijing

Was diesen Art District auch auszeichnet, sind die vielen Galerien, die im gesamten Viertel verstreut sind und oft in kontrastreichen Gebäuden untergebracht sind. Die Mischung aus industrieller und sozialistischer Architektur verschmilzt vereinzelt mit Backsteinen, Holz oder kaltem Beton. Perfekte Rahmen für Kunst und Design. Geht man hinein, erwartet einen moderne Kunst überwiegend aus Asien, vereinzelt auch internationale Aussteller, Das größte Museum im 798 ist das UCCA und stellte bis gestern Peter Lindberghs Fotografien unter dem Titel „Unknown“ aus. Sie zeigen die Entwicklungen der Supermodel-Branche, für die Größen  wie Naomi Campbell impulstragend waren.

dashanzi art district 798 china-blog peking-kolumne beijing

 dashanzi art district 798 china-blog peking-kolumne beijing

Die Moderne wird in der wachsenden Kulturmetropole Peking immer moderner, aber die Chinesen verzichten ungern auf ihre jahrtausendalten Traditionen und Schätze. Deshalb gehen Modern Design und Ancient Culture sowohl bei Kunst als auch bei Verkaufswaren oft Hand in Hand. Das ist vor allem in den vielen Shops erkennbar. Man findet ein paar antike Accessoires und Dekoartikel, traditionelle Möbel und handgemachte Lederwaren, historische Bücher und alte Magazine. Gleich nebenan werden jedoch sehr originelle, zeitgenössische Artikel angeboten. Kreativität, Sex, Kontraste, Mut, Ideen, Funktionalität und Kitsch verschmelzen schnell miteinander, wenn es darum geht, Nützliches zu Kunst zu machen. So dienen zwei bunte Comicfiguren aus Plastik in einer eindeutigen Sexstellung als Stifthalter, wild designte Getränkedosen als T-Shirt Aufbewahrungsboxen.

dashanzi art district 798 china-blog peking-kolumne beijing

dashanzi art district 798 china-blog peking-kolumne beijing

Doch eigentlich ist der Ort allein schon Kunst genug. Die minimalistisch gestalteten oder extrem aufwendig dekorierten Schaufenster der Shops, das industrielle Design der Straßen in Kombination mit artistischen Verzierungen der Lokalitäten, Graffitis an Backsteinwänden im Kontrast mit der grauen Tristesse sozialistischer Bauten, zwischen denen hohe, grüne Bäume ein Fünkchen Hoffnung vermitteln. Das ist das neue Peking.

dashanzi art district 798 china-blog peking-kolumne beijing

dashanzi art district 798 china-blog peking-kolumne beijing

Ein vielfältiger Ort, der sich für Events aller Art anbietet. So findet dort regelmäßig ein Kunstmarkt statt, Lesungen werden angeboten, Konzerte veranstaltet. Dieses Wochenende zum Beispiel strömen viele Menschen ins 798 Space, um Chinas größtes Electronic Music Festival, das „Intro“, inmitten dieser einzigartigen Umgebung zu erleben. Ich werde nächste Woche berichten, wenn ich mich von dem gestrigen Festival-Besuch erholt habe :)

dashanzi art district 798 china-blog peking-kolumne beijing

dashanzi art district 798 china-blog peking-kolumne beijing


 

 

3 Kommentare

  • hannah M.
    19.07.2011 um 14:21 Uhr
    Wow! Deutschland könnte sich doch ein Beispiel nehmen. Die Art-Landschaft könnte ich mir auch prima in Hamburg vorstellen, da ist in dem Bereich sowieso schon viel los ...
    Auf jeden Fall schöne Idee und ich denke, dass man sich dort so richtig wohlfühlen und kreativ werden kann. Falls ich mal einen Asienurlaub einplanen sollte, behalte ich mir die Ortschaft im Hinterkopf.
    Danke für den tollen Beitrag!
    Viele Grüße Hannah
  • Beautyshop
    23.10.2011 um 11:48 Uhr
    Hätte ich nicht gedacht, dass die Chinesen soviel Sinn für Kunst und Galerien haben, auch wenn einiges recht kitschig ist. Danke an Yavi für den interessanten Beitrag.
  • Sabine
    01.11.2011 um 09:39 Uhr
    Die Kunst von chinesischen Jungen sind wunderbar, bei 798 gibt es immer etwas Interessantes.

Neuer Kommentar

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Anzeige

Specials

Style-Voting

Welcher Look gefällt dir besser?



Fashion Videos

Anzeige

dressed.by

Styleranking auf Facebook

Anzeige