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Hilfe, ich habe eine Sommer-Orangeritis
Gepostet am 05.06.2011 von Yavi
Von Yavi Bartula, Beijing
Mein Name ist Yavi und ich habe ein Problem. Ich bin süchtig. Nach Orange. Ich kann mir nicht erklären, was passiert ist. Farben kamen mir nie in die (Einkaufs-) Tüte. Meine (Klamotten-) Welt war schwarz, grau, weiß und manchmal ein bisschen dunkelblau. Alles war gut. Doch dann zog ich vor drei Monaten nach China, das nun wirklich mehr als bunt ist. Und plötzlich gehören Farben nicht nur zu meinem alltäglichen Umfeld, sondern auch in meinen Kleiderschrank.

Nachdem ich meine ersten Erfahrungen mit Farben gemacht habe und eine grüne Hose, eine rote Brille und eine blaue Tasche kaufte, fühlte ich mich plötzlich immer stärker zu einer bestimmten Farbe hingezogen: Orange! Ich wäre zuvor nie auf die Idee gekommen, dass mir ausgerechnet diese den Kopf verdreht und sich zudem auch einfach mal einnistet. Aber das ist ok, es ist ja schließlich Sommer. Und ich will nicht unbedingt als schwarzes Schaf auf einer schönen Blumenwiese wüten.

Also sammele ich jetzt nach und nach Kleidung und Accessoires und Tüten und Nahrungsmittel und Kosmetik in Orange und kann einfach nicht aufhören! Den Anfang machte eigentlich ein Schal von Zara, den ich zuhause wegen der schönen Blaus da drin gekauft hatte. Das Orange ist mir nicht mal aufgefallen. Doch dann fing der Prozess allmählich an, als ich zunächst für meine Reisen einen Backpack kaufte. Zufällig enthielt er orangenen Stoff und zufällig gefiel mir das. Es war so… erfrischend!

Und dann ging es recht schnell weiter. Schon auf meinem ersten Kurztrip in die Shanxi Provinz erspähte ich für 2€ einen grauen Hut mit orangenen Nähten (hier ein noch zartes Symptom der Krankheit), dann einen Ring für umgerechnet 3€ und ein Lederarmband (für ca. 2€, das aber mittlerweile leider unauffindbar ist).

Auf dem zweiten Trip nach Seoul, Korea, kaufte ich türkis-orangene Ohrringe (Preis vergessen). Zurück in Beijing wuchs die Obsession bei einem simplen Shirt im H&M-Style (ca. 10€), einem schmalen Ledergürtel (20€) und einem schimmernden Nagellack (10€) und gipfelte einfach mal in einer wunderschönen Ledertasche bei einem Local Designer im Univiertel Wudaokou (deswegen für stolze 80€) und einer Beduinenhose mit orangenen Streifen aus tollem, leicht fallenden, sanften Stoff (gleicher Designer, 20€, da reduziert). Der Wahn hatte sich komplett entfaltet. Meine Sensoren schlagen seit geraumer Zeit augenblicklich Alarm, sobald sie diese Farbe wittern. Ja, ich brauche Hilfe.


Ich muss nun aufpassen, dass ich nicht bald wie eine OBI-Verkäuferin aussehe. Bei meinem (noch) gesunden Verstand trage ich die Farbe aber jedoch nicht flächendeckend, sondern dezent. Am liebsten kombiniere ich sie mit Terrakotta-Farben, also natürlichen Braun- oder Grüntönen, vor allem Khaki oder Taupe. Doch auch mit Weiß oder Grau gefällt sie mir. Oder mit Blau. Und Beige. Und Schwarz. Und... ok, schon gut. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, mich in punkto Mode wieder für Farben zu interessieren. China ist einflussreicher, als ich dachte. Und wenn ich mal in der psychologischen Wissenskiste krame und lese, dass Orange für gute Stimmung, Kommunikationsfreude, Lust, Freude, Jugend und Reife steht (danke, Wikipedia), wird mir alles klar.

Ich hoffe nun aber trotzdem, dass sich meine Fühler bald auch nach weiteren Farben ausstrecken, damit in den sommerlichen Monaten zum einen ein bisschen Schwung in die (Klamotten-) Bude kommt (ja, ich habe Lust!!), ich zum anderen nicht mit einer Müllfrau verwechselt werde und endlich auch mal wieder anderes Obst esse (ja, ich bin reif!!)… denn zurzeit verehre und verschlinge ich ausschließlich Papayas.

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1 Kommentar
Patrizia Paul
06.06.2011 um 10:04 Uhrhaha das kenne, mir gehts genauso!! Ich glaub das ist ansteckend...