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Vergiss Shoppingmalls, geh zum Markt!
Gepostet am 15.05.2011 von Yavi
Von Yavi Bartula, Beijing
Trödelmärkte – von den einen verpönt, von anderen heiß begehrt und verehrt. Bekannt für eine wirre Ansammlung unterschiedlichster Waren locken sie Schnäppchenjäger an und schrecken Shoppingmüde ab. Das ist wahrscheinlich auf der ganzen Welt so. Die Kluft zwischen den beiden Zielgruppen wird in chinesischen Sphären aber noch größer – denn was einen hier erwartet, erfordert noch mehr Kampfbereitschaft, Toleranz, Aufmerksamkeit und Verhandlungsfreude. Liebe es, oder ... nein, liebe es einfach!

Openair-Shopping macht trotz meist schlechter Luft großen Spaß
Die Shoppingkultur ist schon sehr alt und hatte ihre Geburtsstunde irgendwann (so genau kann ich mich nicht mehr erinnern) auf der Straße. Wie wenn sich China zurückbesinnen oder an alten Traditionen festhalten wollte, bietet es vor allem auf seinen Straßen eine Vielfalt an Einkaufsständen an.
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Autos als Verkaufsflächen, Getränke in Fusionsbeuteln To Go...
Hier gibt’s alles, was man nicht braucht. Es sei denn, man braucht etwas Unbrauchbares. Oder ein Tier in Klein oder Groß, einen Mundschutz mit Spongebob vorne drauf, ein Mao-Kartenset oder eine Tüte Maden. Und wer planlos hingeht (das sollte er besser, denn Taktik und Strategie haben hier keinen Sinn), der findet garantiert etwas, das ihn fesselt. Auch ich konnte bereits an vielen Schmuckstücken nicht vorbeigehen, ohne sie zu kaufen. Ein Fable für Neues, Verrücktes oder Unbekanntes treibt nicht nur mich an, sondern auch unzählige Einheimische und ein paar Ausländer.

Antiquitäten verleihen chinesischen Märkten einen besonderen historischen Zauber
Die Neugierde trifft vor allem auf China-Neulinge zu, die es nicht gewohnt sind, zwischen einem Second Hand Shop und einem Instrumentengeschäft ein Frettchen oder farbkonservierte Getränke in Blutkonserven zu kaufen, über Goldfische und Joghurt in Tonkrügen zu stolpern, chinesische Ratgeber zwischen Hello Kitty Handtüchern zu finden oder zwischen einer handgemachten Ledertasche und einer Fake-LV zu wählen. Faszinierende Kontraste, soweit das Auge reicht.
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Hello Kitty und anderer Kitsch gehört zu China genauso wie die Große Mauer
Wer jetzt das Bild eines lauten, erschlagenden Basars vor Augen hat, muss das leider revidieren. Denn auch zu meinem Erstaunen wird hier weder das neueste Angebot geschrien noch die Kunden an die Stände heran gezerrt. Hier verhält es sich familiär, gemütlich und respektvoll. Wer möchte, darf schauen, anfassen oder probieren. Ist das nicht eigentlich der beste Kundenfang? Da könnten viele (Trödelmarkt-) Kulturen noch von den Chinesen lernen.

Schmuck gibt es en masse - meistens handgemacht
Und deshalb ist ein Tag auf ausgewählten Straßen Pekings Lifestyle pur, ein Lebensgefühl und ein Gut, das Bedürfnisse kostenlos befriedigt. Lass dich auf die Menschenströme und auf die Stilströmungen ein, lass dich von beiden unvoeingenommen treiben und scheue dich nicht, auch mal gegen den Strom zu schwimmen. Nimm zwischendurch ein Bad in der Geruchswelt verschiedenster Speisen oder kühle dich mit einem Iced Coffee ab, geh nach Sonnenuntergang in ein traditionelles Restaurant, auf einen Cocktail in eine hippe Bar oder auf einen Wein in ein artistisches Atelier. Du findest, was du brauchst - und wahrscheinlich noch mehr. Würde dir ein gigantisches Einkaufszentrum gleiches geben?


Ob Fischchen oder luftgetrocknete Hühner - die Tierpalette ist stets reich
Deswegen meine Empfehlung: Shoppingmalls meiden und den authentischen Charakter des Einkaufstempels Peking Openair suchen. Das ist die einzige Möglichkeit, Geld auszugeben und reich zurückzukommen.
