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Abenteuer Anzug shoppen
Gepostet am 13.02.2012 von Julia Basagic
Es heißt ja, dass Shoeshopping mit Frauen eine Odyssey sei. Eigentlich, dass egal-was-shoppen mit einer Frau nervenaufreibend und beziehungsschädigend sein kann. Ausgenommen vielleicht Dessoushopping. Aber ich glaube, das stellen sich Männer in grauer Theorie auch aufregender vor, als es in der Realität dann ist. Umkleidekabinenlicht ist einfach nicht so sexy. Leider. Ich habe nun erleben können, wie Mann sich in etwa fühlt, wenn er Frau begleitet.
Denn letzte Woche hatte ich das Vergnügen, meine bessere Hälfte beim Anzug auswählen zu unterstützen. Oder auch zu beaufsichtigen. Wie man es sehen will. Immerhin soll der Anzug ja nicht nur ihm, sondern auch mir gefallen, bin ich der Meinung. Soll dieser doch beim nächsten Ballbesuch getragen werden. Und dann kann es schon mal vorkommen, dass zwei Meinungen aufeinander prallen.

Foto: flickr
Überraschend preisbewusst geht der Herr an das Projekt. Casual gekleidet, mit einem Kapuzenpulli und einer ausgewaschenen Jeans, bekommt er vom Verkäufer automatisch die Billigvariante in die Hand gedrückt. Ich bin etwas stutzig und streiche leicht angewidert über das Kunstgewebe. Naja, also so ein Plastikanzug soll neben meinem Ballkleid glänzen? Glänzen tut er ja eigentlich, aber das erledigt die Kunstfaser. Er ist ziemlich begeistert vom Preis. Zum Glück kann er seinen Knackarsch in der zu weiten Hose nicht finden. Dass diese gar nicht so weit ist, wie er findet, erwähne ich natürlich nicht.
„Ist der schwarz?“, fragt er mich. „Nö, ganz klar nachtblau.“ Er sieht mich ungläubig an und legt einen zweiten Anzug daneben, der auch nachtblau ist. „Und der?“. „Ich dachte, du willst einen schwarzen Anzug kaufen?“ „Ja die sind doch beide schwarz!“ Ein Verkäufer kommt hinzu und erklärt mir, dass beide Anzüge schwarz sind. Ja schon klar, ich bin still. Aber was kann ich dafür, wenn der männliche Wortschatz bei Farben nicht alle Nuancen wie beispielsweise Papayarot, Mintgrün oder Cerise abdeckt...
Dann wird das Preislimit in 50-Euro-Schritten nach oben geschraubt und nachdem alle Hausmarken durchprobiert waren, kommen die „richtigen“ Marken dran. Aber eigentlich wartet er eh nur auf eine, nachdem Strellson aus oben angeführter Farbdiskuskussion ausgeschieden ist. Ich nenne es das Hugo-Boss-Faszinosum. Als hätte man die Männer im Jungenalter mal kurz auf die Seite genommen und einer von Hugo Boss finanzierten Gehirnwäsche unterzogen. Denn es scheint die Erfüllung eines jeden Mannes zu sein, eine Komplettaustattung von Hugo Boss im Kleiderschrank zu haben. Selbst wenn der Anzug gar nicht mal so gut aussieht, wie ein billigerer, sobald Hugo Boss drinsteht, tauchen Herzerln in den Augen auf und die Kreditkarte wird wesentlich leichter gezogen, als letztens beim Ikea-Großeinkauf für unser neues, wunderschönes weißes Schlafzimmer mit Himmelbett.
Nachdem ich brav seine Jacke gehalten, das Einkaufssackerl mit den David Beckham-Unterhosen getragen und meinen Senf zu den gefühlten 86 Anzügen abgegeben hatte, habe ich beschlossen, das Ende des Shoppingtages auf jemanden zu schieben, der sich nicht wehren kann: „Komm Schatz, der Hund muss raus und gefüttert werden, lass uns das jetzt abbrechen, es soll einfach nicht sein.“
Julia Basagic aus Wien in Österreich ist Bloggerin von fanfarella und Online-Redakteurin. Für styleranking schreibt Julia die Montagskolumne "Hello Monday", in der es unter anderem um Shopping und hier insbesondere um das Verhältnis von Mann und Frau geht…
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