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Der Unaussprechliche
Gepostet am 18.07.2011 von Julia Basagic
Woran merkt man, dass man erwachsen ist? Wenn teurer Wein für einen mehr als 4 Euro die Flasche kostet. Oder wenn man von Gleichaltrigen gesiezt wird. Oder wenn man zum Geburtstag 30 Kerzen auf der Torte auspustet.
Der 30er war bisher immer ein Grenzgeburtstag, der bei mir in Gedanken mit dem Start von Botoxparties und knielangen Röcken einherging, aber je näher ich diesem Tag komme, umso weniger Schrecken birgt er für mich. Ja, ich überlege sogar mich an die in 5 Jahren (na gut, es sind 2) auf mich wartende Feier zu erinnern und nicht wie geplant ins Nirvana zu betrinken.
Eigentlich ist es ab dem 30er gar nicht mal so übel. Mit 30 ist man nachweislich am attraktivsten. Weil man nämlich weiß, was einem steht und was nicht. Im besten Fall greift man dann nicht mehr zum Haartod Nr. 1, dem Blondierungsspray (ja, auch ich habe daraus gelernt) und tut seinen – nennen wir sie kräftigen – Oberschenkeln nicht mehr die unvorteilhaften Stoffhosen an, die sich beim Sitzen ausbeulen und einen noch ähm kräfter aussehen lassen. Zu grünen Augen verwenden wir keine blauen Lidschatten mehr, und mein gelblicher Teint beisst sich einfach mit den blauen Rottönen. Keilabsätze mit Größe 40 sehen einfach nicht mehr sexy aus und auch der Kurzhaarschnitt mit einem runden Riesenschädl geht nunmal auch nicht. Und ja, auch das habe ich ausprobiert. Es braucht seine Zeit, bis man realisiert, dass für manche Styles, mögen sie noch so überzeugend von Kate Moss & Co propagiert werden, der eigene Körper einfach nicht gemacht ist.

Ab 30 hat man normalerweise mehr Budget für Schuhe, als mit 20. Noch ein Vorteil am älter werden! Foto: Kyle Brazil.
Aber das sind ja alles nur Äußerlichkeiten! Gehen wir an die wirklich inhaltlichen Themen ran, beispielsweise an den Inhalt der Geldbörse. Wirklich spitze ist nämlich, dass man in der Regel mit 30 mehr verdient, als mit 20! Vorausgesetzt man war mit 20 keine knackige Gogo-Tänzerin in Nobelclubs und findet mit 30 nur noch in abgefrackten Großraumdiskos ein Engagement. Das bedeutet, dass ich mit 30 bestimmt ein vielfaches an Schuhen und Taschen besitzen werde. Und vor allem auch den Platz haben werde, sie zu verstauen, zu bestaunen und dann zum wiederholten Male anzuprobieren und dann für zu schade zu befinden, sie auch auf der Straße zu tragen. Das Kreditkartenlimit wird höher sein, der Überziehungsrahmen am Konto auch und der Typ der die Einkauftüten trägt, kann einem auch das ein odere andere hübsche Teil schenken, weil der nicht mehr sein Dasein beim Pflichtheer oder in überfüllten Hörsälen dahinfristet. Und man kann sich die Getränke wirklich selbst bezahlen und tun nicht nur so, das Taxi soundso und wenn man auf Urlaub fährt, dann tut man das – ganz ohne das Sparschwein zu plündern.
Apropos Typ. Was habe ich in meiner Jugend ins Klo gegriffen bei den Männern! Wie wir alle. Und wir sind natürlich auch nicht davor geschützt, nur weil wir älter sind. Aber es passiert uns hoffentlich nicht mehr so blauäugig. Bereits jetzt war es mir bei den meisten Männern von vornherein klar, wohin das führen wird. Und ja, es gab da auch welche, bei denen ich von Anfang an sagte, dass ich mir an denen die Finger verbrennen werde. Und wie ich sie mir verbrannt habe! Wie klug in der Partnerwahl muss dann wohl erst mit 30 sein?
Ok, jetzt habe ich mir den 30er lange genug schön geredet. Werde mir den Text noch ein paar Mal durchlesen und vielleicht glaube ich dann auch, was ich da geschrieben habe.
Julia Basagic aus Wien in Österreich ist Bloggerin von fanfarella und Online-Redakteurin. Für styleranking schreibt Julia die Montagskolumne "Hello Monday", in der es unter anderem um Shopping und hier insbesondere um das Verhältnis von Mann und Frau geht…