Artikel
Es ist nicht alles gold, das glänzt
Gepostet am 06.02.2012 von Julia Basagic
Ein Kopfschütteln, ein Verdrehen der Augen, Seufzen und angewidertes Abwenden. Warum nur? Was ist aus den guten alten Zeiten geworden? Wieso wird denn SOWAS verkauft? Und noch schlimmer – gekauft? Für mich waren diese Gedanken lange Zeit ein alterspezifisches Phänomen. Wenn man einfach nicht mehr bereits für Veränderungen ist. Aber naja, manchmal denke auch ich mir das nun auch. Das alterspezifische Phänomen hat auch bei mir zugeschlagen. Wenn Kleidungsstücke aus Möbelstoffen oder Straßenschuhe wohl eher als Schneeschuhe durchgehen würden, bin ich ziemlich ungläubig, ob ich das wohl auch tragen würde, wenn ich noch minderjährig, in der Schule und auf der Suche nach meiner Individualität wäre.

Goldig glänzend beeindruckt es nicht jeden: das Lamé-Shirt.
Eine fürchterliche Entwicklung also. Vor allem weil ich erst kürzlich auf der anderen Seite der Unverständnis war. Als ich mir nämlich endlich mein Goldmarie-Shirt gekauft hatte. Ein Shirt, das in seinem früheren Leben wohl geschätzte 7820 gold glänzende Bonbonverpackungen war. Golden glitzern tut es immer noch und knistern tut es auch noch – mit Stoff hat es also genauso wenig zutun wie Bonbons mit Diät. Aber dass so ein süßer, glänzender, güldener Traum von Oberbekleidung auch nur einen leichten Anschein von Anwiderung hervorrufen kann, das hätte ich mir selbst in meinen dunkelsten Vorstellungen nicht erwartet
„Was ist denn das?“, murmelt eine Dame in den so genannten besten Jahren (ich hoffe doch, dass man immer die besten Jahre hat, egal wie alt man ist). Sie greift danach, zieht es aus dem Gewirr an Kleiderstücken hervor. Knüllt eine Stoffecke in ihrer Hand zusammen und schüttelt ungläubig den Kopf. „Das ist ja ein Staniolpapier. Wer zieht denn sowas an?“. Angewidert lässt sie das Teil zurück auf den Kleiderhaufen fallen, sieht nochmals kurz darauf, als erwarte sie, es würde sich das Shirt doch noch in ein Seidenoberteil mit floralem Muster verwandeln, wendet sich ab und schreitet in meine Richtung. Ich stehe vor ihr, schmunzle sie amüsiert an und warte. Die ältere Dame wirft einen kurzen Blick auf mein Lamé-Shirt und schon war sie dahin. Hat wohl ihre Antwort eher bekommen, als erwartet.
Die Mädels mit den Möbelstoff-Klamotten und den Schneeschuhen an den Füßen amüsieren sich wohl mindestens genauso über meine Blicke.
Julia Basagic aus Wien in Österreich ist Bloggerin von fanfarella und Online-Redakteurin. Für styleranking schreibt Julia die Montagskolumne "Hello Monday", in der es unter anderem um Shopping und hier insbesondere um das Verhältnis von Mann und Frau geht…