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Overdressed oder Outfit-Fail?
Gepostet am 01.08.2011 von Julia Basagic
Eigentlich habe ich kein Problem damit, overdressed zu sein. Also so lange ich nicht ein Ballkleid beim Kinobesuch trage. Keine Lust auf Nachosauce auf meinem Perlen bestickten Kleid. Aber es gibt einen Unterschied zwischen overdressed und gänzlich unpassend gekleidet.
Dieser Outfit-Fail ist mir am Wochenende bei einem Event im Vestibül des Wiener Burgtheaters passiert. Man möge meinen, dass man in Räumlichkeiten des Burgtheaters mit Heels und einem Kleidchen schwer gänzlich unpassend gekleidet sein kann – aber da wurde ich eines besseren belehrt. Denn das Vestibül war vollgestopft mit jungen Leuten, die wohl gerade von der Vorlesung an der Uni gekommen wären, wenn nicht gerade Ferien sind. Getränke gab es in Plastikbechern, Platz war Mangelware und sobald man nicht in Bewegung war, wurde man von allen Seiten angerempelt und die Leute stiegen auf meine hübschen Schuhe.
Ich bin einfach aus dem Alter draußen, in dem ich es prickelnd finde, einen Becher Bier übern Kopf geschüttet zu bekommen, aber von der Musik, die mit dem angekündigten Soul und Funk leider gar nichts zutun hatte, wurde ich unfreiwillig in die 90er Jahre meiner Jugend katapultiert. Geremixed mit Electro Beats, die mich sentimental an die Originalversion von 20 Fingers „Short short Man“ träumen lässt: Schulskikurs, geschwänzter Religionsunterricht und das erste Mal mit einem Jungen tanzen.

Während ich mir also in meinen 12 Zentimeter-Heels die Beine in den Bauch stehe und mich nicht traue irgendwo meine Vintage-Tasche meiner Oma zu stellen, aus Angst sie würde in einer Alkoholpfütze landen, erntete ich verschiedenste Blicke. Da gab es den amüsierten Blick, der es köstlich fand mich so dermaßen deplatziert zu sehen und der es mir auch ansah, dass ich mich deplatziert fühlte. Er ging meist mit einem Hinweis an dessen besten Freund und Freundin einher: „Schau dir mal die an, ob die sich verirrt hat?“ Nein nicht verirrt, nur nicht wissend, dass es keinerlei Dresscode gibt.
Dann gab es noch den abschätzigen Blick, der mich als oberflächliche, materialistische Tussi abstempelt, die es wagt in seine Sphären vorzudringen. „Gott was für eine Tussi, sollte die nicht in einer dieser Mainstream-Diskos auf ihren Heels wackeln?“ Ja, ich stimme dir zu. Total. Solltest du nicht einen Job suchen?
Oder der Blick, den man eigentlich einem Alien zuwerfen würde. Gefolgt von einer Totalmusterung von Kopf wie Frisur, bist Fuß wie Schuhe. Dann nochmals Schuhe, dann Kleid, dann nochmals Schuhe, dann Beine und dann Schuhe. „Wie geht das bitte? In solchen Schuhen gehen?“ Ja wenn ich gewusst hätte, dass mir hier ständig auf die Füße gestiegen wird und es keine Barhocker zum präsentieren der Schuhe gibt, dann hätte ich wohl auch meine Sneakers angezogen. Wobei, die sind gold, das ginge auch nicht. Aber dann hätte ich mir eben welche gekauft, basta.
Und dann hatte ich noch das Vergnügen mit dem Blick der Verbündeten. Denn vereinzelt gab es Leute, die sich auch nicht so zurechtfanden in dem Gedränge. Er hatte etwas verzweifelndes an sich. „Oh mein Gott, da drinnen hat es 100 Grad, alle sind betrunken und man wird ständig mit Bier angeschüttet!!“ beschwert sich jemand hinter mir. Ich lächelte ihm mitfühlend zu.
Mein Gesprächspartner versteht hingegen die Welt nicht mehr: „Aber hallo, du musst damit rechnen mit Bier angeschüttet zu werden, ansonsten gehst du am besten nicht mehr aus und bleibst alleine daheim.“ Verführerische Alternative, und schon stöckelte ich durch die Menge nach draußen zum Taxistand. Das nächste Mal krame ich dann jene Kleidung aus meinem Schrank, die ich über Jahre hinweg immer fürs Ausmalen aufbewahrt habe und dann will ich verdammt noch mal mit Bier angeschüttet werden, in flachen Schuhen wild zu Electro tanzen und mich verschwitzt durch die Menge schieben. Soll ja total cool sein sowas.
Julia Basagic aus Wien in Österreich ist Bloggerin von fanfarella und Online-Redakteurin. Für styleranking schreibt Julia die Montagskolumne "Hello Monday", in der es unter anderem um Shopping und hier insbesondere um das Verhältnis von Mann und Frau geht…
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3 Kommentare

01.08.2011 um 20:12 UhrWie immer klasse geschrieben!!! Ich liebe deine Kolumne. Das Beste am Montag! :)
Fanfarella
02.08.2011 um 14:40 Uhrdanke dir vielmals, das freut mich :)))
04.08.2011 um 01:00 UhrAlso - wenn du schon darüber schreibst, solltest du auch bei der Wahrheit bleiben. Ich hab zu dir gesagt, dass einem klar sein sollte, dass es ein Impulstanz-Fest ist wo Gudrun von Laxenburg spielt - Musik wo das Publikum richtig los tanzen! Das Vestibül ist nicht sehr groß und es wird kein Eintritt verlangt. Also kann man auch hierbei damit rechnen, dass es voll wird. So sollte es einen nicht wundern, falls man in solch einer Location, wo sehr viel getanzt und getrunken wird, mal angeschüttet wird. Nicht angenehm - kann jedoch passieren.
Zu deiner Schuh-Frage:
Ich glaube nicht wirklich, dass sich Tänzer fragen: "Wie kann man bloß in 12cm Heels gehen". Das ist das was du empfunden hast, und auch ausgestrahlt hast.
Zu der goldenen Sneaker-Geschichte.
In gewissen Tanzszenen ist es völlig normal, freakige Sneakers zu tragen. Also auch hier ist es eher das, was du den Leuten entgegengebracht hast.
Und es ist ja klar, dass man sofort auf das: ?Such dir einen Job-Tema? greift, nur weil man irgendwo war, wo eher künstlerische Berufe vertreten waren.
Tipp an dich:
Probier das nächste Mal nicht in einer Ecke zu stehen und die Leute angewidert anzustarren. Hierbei kann ich nur sagen: Aktion und Reaktion!