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Spätzünder oder Trendfucker?
Gepostet am 30.01.2012 von Julia Basagic
Wenn es um diesen ganzen neuen heißen Scheiß geht, dann kann ich mich nicht gerade rühmen, eine der ersten zu sein, die sofort losstürmt, um ihre Individualität mit ein paar Geldscheinen gegen einen Mantel oder ein Paar Schuhe einzutauschen. Soll jetzt nicht heißen, dass ich ach so anders und ach so toller bin als ihr - sondern einfach, dass ich in der Regel doppelt so lange brauche, bis ich mich dazu durchringe, mit auf den Wagen zu springen. Man kann also nicht behaupten, dass an mir eine innovative Einkäuferin im Jobleben verloren gegangen ist.
Eigentlich würde man meinen, dass wenn man sich nicht jedem Trend beugt, man einfach ausgedrückt kein Trendfucker ist. Man ergibt sich nicht so schnell einem Modediktat der Massenbekleidungsindustrie. Auch nicht jener, der auf gar nicht Masse und scheinbar super-individuell und alternativ macht. Sollen doch die anderen ihre Moustache-Phase durchleben und mit Holzklötzen an den Füßen von einem Streetstyle-Foto zum nächsten stelzen. Demnach habe ich eigentlich eh großes Glück, denn ab einem gewissen Zeitpunkt gibt es auch Shirts mit Totenkopfprint nicht mehr en masse zu kaufen.

Die Glanzzeiten der schimmernden Michelin-Männchen-Mäntel sind vorbei, vielleicht folgt nächsten Winter trendgemäß ein Parka - wenn es dann nicht schon zu spät ist dafür. Foto: styleranking
Aber es gibt Hypes, denen kann man sich manchmal nur schwer entziehen. Sie erscheinen einem so logisch und so erstrebenswert - ab einem gewissen Werbebudget der Marken. Apple beispielsweise. Jahre habe ich mich gegen Apple-Produkte gewehrt, da hat bereits meine gesamte Umgebung darauf geschworen. Oder MAC Cosmetics. Sektenähnliche Bekehrungsversuche meiner Freundinnen halfen nicht, mich davon zu überzeugen, dass MAC tatsächlich gerechtfertigt von ihnen verehrt wird. Oder der Hype um die glänzenden Moncler-Jacken, der nun endlich am abklingen ist und auch mir langsam aus dem Hals hängt. Stattdessen ergebe ich mich nächstes Jahr wohl einer Woolrich-Jacke – wieder einmal etwas spät. Aber mal sehen, ob ich mich dem doch noch etwas wiedersetzen kann.
Die letzte Spätzünderaktion von mir, auf die ich wirklich vollkommen hätte verzichten können, liegt schon einige Jahre hinter mir. Zu einem Zeitpunkt in den 90er Jahren, als bereits eingeschworene Fans diese Teile zur Altkleidersammlung brachten, habe ich mich endlich überwunden, mein Erspartes zusammenzukratzen und gegen ein Paar Plateau-Buffalo-Schuhe eingetauscht. Das Gute daran: Ich war so spät dran mit diesem Kauf, dass ich diese Schuhgrässlichkeit lediglich ein halbes Jahr lang trug. Manchmal ist es also auch richtig gut ein Spätzünder zu sein, oder dass man erst gar nicht zündet.
Julia Basagic aus Wien in Österreich ist Bloggerin von fanfarella und Online-Redakteurin. Für styleranking schreibt Julia die Montagskolumne "Hello Monday", in der es unter anderem um Shopping und hier insbesondere um das Verhältnis von Mann und Frau geht…
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