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Autolib - der Run auf die Leihautos in Paris

Gepostet am 20.12.2011 von Tanja Kuchenbecker

Von Tanja Kuchenbecker, Paris

Am Sonntag gegen neun Uhr morgens hatte ich endlich mal Glück. Ich fand einen der neuen Autolib-Wagen an dem Stand in der Nähe meiner Wohnung. Sonst war dort immer gähnende Leere. Autolib, die Autovariante der vor fünf Jahren eingeführten Leihfahrräder Velib in Paris, ist ein großer Erfolg. Seit zwei Wochen gibt es die Elektroautos zum Leihen und schon jetzt zählt Autolib 6000 Abonnenten. Bei bisher gerade mal 250 Autos in ganz Paris ist das kein Wunder, dass ich immer vor dem leeren Verleihpunkt stand. Deshalb bin ich am Sonntag mal extra früh aufgestanden.

Autolib in Paris

Autolib - die neue Autofreiheit von Paris. Fotos (2): styleranking

Autolib in Paris

So sind die Elektroautos angekettet.

Im kommenden Jahr soll aber alles besser werden: 3000 Autos sollen bis 2012 in und um Paris fahren. In nur 15 Minuten kann man sich einen Elektrowagen leihen und damit durch Paris fahren  - und das auch als Tourist. Nur zehn Euro plus sieben Euro die halbe Stunde kostet der Service. Abstellen kann man den Wagen dann an jeder anderen Autolib-Haltestelle, wo noch Platz ist. Eigentlich ein gutes Konzept.

Eigentlich, sage ich, denn ich frage mich schon jetzt, wie die Paristouristen wohl mit dem Autofahren an der Seine klarkommen. Nur zu lebhaft erinnere ich mich an meine ersten Angstfahrten durch Paris.

Gestartet war ich an einem Sonntag, um mal zu üben. Habe mir Place de la Bastille, la Concorde und schließlich den runden Platz um den Triumphbogen vorgenommen. Das ist die Auszeichnung für den Parisfahrer, denn da fährt jeder wie er Lust hat. Rechts vor links, nie was davon gehört. Diese Regel gilt übrigens in ganz Paris nicht, wie auch noch so einige andere. Bei Rot über die Ampel? Immer zu, wenn´s kein Polizist sieht. Das verstopft die Kreuzung? Ist doch egal, Hauptsache man selbst kommt schneller weiter. Auf den Busspuren fahren, den Fahrradwegen parken oder einfach irgendwo auf einer Straße halten, um mal schnell zum Bäcker rauszuspringen? Hupen, schreien, fluchen auf die anderen Autofahrer? Auch mal in verkehrter Richtung durch die Einbahnstraße fahren? In Paris gehört das alles zum guten Ton.

Wer sich also Autolib ausleiht, kann sich auf so Einiges vorbereiten. Einschließlich der Fußgänger, die einfach immer bei Rot über die Ampel laufen. Leise sind die Elektroautos noch dazu. Kein Wunder, dass einige Tage nach der Einführung schon eine Fußgängerin angefahren wurde.

Tanja Kuchenbecker Tanja Kuchenbecker berichtet aus Paris über Politik bis Prêt-à- porter, unter anderem für das Handelsblatt, den Axel Springer Verlag und N24 und ist Buchautorin von Le Fettnapf: Wie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen

 

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