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Der Dessous-Tick Lingerie ist in Frankreich ein hochernstes Thema
Gepostet am 20.09.2011 von Tanja Kuchenbecker
Von Tanja Kuchenbecker, Paris
Wir Deutschen haben hier in Frankreich den Ruf, ganz besonders ernsthaft und genau zu sein. Da hilft kein Scherz, auch kein ständiges Zuspätkommen, das Klischee wird man nicht los. Dabei sehen die Franzosen manche Dinge auch total ernst. Nehmen wir mal das Thema Lingerie, eigentlich ja ganz frivol und deshalb eher heiter. Aber nein, da verstehen die Franzosen überhaupt keinen Spaß. Ja, Frankreich ist echt ein Land für Dessous-Fetischisten.
Da gibt es ganz genaue Vorschriften, so als müsste man darüber eine Examensarbeit schreiben. Die wichtigste Regel: Es muss etwas hermachen. Sportliche Unterwäsche ist nur etwas für den Sport, so bequem sie auch sein mag. Nie würde eine Französin Lingerie tragen, die nicht zusammenpasst, man weiss ja nicht, was einem am Tag so alles passieren kann. Beinbruch oder so. Keine Französin langt morgens verschlafen in den Schrank und zieht zwei alte Teile in beige und grau raus. Für die Auswahl lässt sie sich Zeit, da kommt sie lieber zu spät zur Arbeit. Billigmarken gehören auch grundsätzlich nicht unter Designerröcke, alles eine Stilfrage.
Die Französinnen geben fast doppelt soviel im Jahr für Unterwäsche aus wie die Deutschen, so die offiziellen Zahlen vom französischen Unterwäscheverband. Kein Wunder: An jeder Ecke hängt hier eine Unterwäschenwerbung und jede Straße hat seine Dessous-Boutique, davon scheint es fast so viele zu geben wie Bäckereien. Und wenn ich am Wochenende auf den Markt gehe, stehen die schon wieder Schlange vor den Unterwäscheständen. Ein Tipp: Neben ganzen Ferkeln und Hühnerbeinen findet man tatsächlich oft die großen Marken. Also wühlen.

Dessous-Schnäppchen vom Markt
Ich war auch mal auf einer Lingeriemesse, da wurde mir auf Tausenden von Quadratmetern richtig schwindelig. Dessous zu kaufen finde ich fast noch schlimmer als Jeans anzuprobieren. Ja, wenn es Tausend Quadratmeter Schuhe gewesen wären, da hätte ich mit mir reden lassen. Doch meine französischen Kollegen wühlten sich durch und notierten tapfer die Trends. Ich sah nur Spitzen und Spitzen und Strapse und noch mehr Strapse. Gut, dass es Leute gibt, die davon mehr verstehen. Denen will ich das gern überlassen.
Trotzdem hier noch paar Tipps der schönsten Lingerie-Boutiquen im Boudoir-Stil. Da fühlt man sich wie im Bonbonladen. Also da wäre erstmal Fifi Chachnils Boutique. Baby Dolls, Strapse und noch so allerhand andere Lingerie hängt da und zieht Frauen wie Madonna, Vanessa Paradis und Kate Moss an.

Fifi Chachnil - Frou-Frou für Frauen versteckt in einem vornehmen Hof
Paar Häuser weiter hängen auf der vornehmen Rue Saint Honoré die Erotik-Bustiers von Chantal Thomass im Schaufenster.

Erotik-Lingerie von Chantal Thomass in der Nobel-Shoppinggasse
Ihr könnt auch zu Sabbia Rosa gehen, der Lingerie-Göttin von Paris. Mit den Pastelltönen ist ihr Shop so lecker wie die Makronen von Konditor Ladurée. Sabbia Rosa alias Monette Moati ist schon Oma, trägt aber zarte Spitzenhemden. Sie kennt sich mit der weiblichen Psyche offenbar bestens aus. "Schöne Unterwäsche bringt Selbstvertrauen." Aber ob man dafür gleich 250 oder 300 Euro pro Teil ausgeben muss? Wie gesagt, ich gehe ja lieber Schuhe kaufen.
Fifi Chachnil
231, rue Saint-Honoré, 75001 Paris
Sabbia Rosa
73, rue des Saints-Peres, 75006 Paris
Chantal Thomass
211, rue Saint-Honoré, 75001 Paris
Tanja Kuchenbecker berichtet aus Paris über Politik bis Prêt-à- porter, unter anderem für das Handelsblatt, den Axel Springer Verlag und N24 und ist Buchautorin von Le Fettnapf: Wie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen
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