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Im lockeren Frankreich wird's plötzlich ganz streng

Gepostet am 07.02.2012 von Tanja Kuchenbecker

Tanja Kuchenbecker/Paris

Paris ist ein riesiger Aschenbecher. Ich habe noch in keiner Stadt so viele Zigarettenkippen herumliegen sehen. Seit der Einführung des Anti-Rauchergesetzes 2008 häufen sie sich auf den Straßen. Doch im sonst so lockeren Frankreich wird es plötzlich ganz streng. Im Land der Gitanes und Gauloises wird Jagd auf weggeworfene Zigarettenkippen gemacht. Wer eine Kippe auf die Straße schmeißt, muss zumindest in Paris ab diesem Sommer mit einer Geldstrafe von 35 Euro rechnen.

Das Rauchverbot in öffentlichen Räumen betrifft auch Büros, Restaurants und Bars, deshalb rauchen alle jetzt draußen. Viele Bistros haben einen großen Aschenbecher draußen stehen, doch achtlos fliegen die ausgerauchten Zigaretten trotzdem überall auf dem Boden herum. Tagelang, wochenlang, bis die Stadtreinigung irgendwann mal kommt.

Ein Bistro in Paris

Zigaretten vor einer Bar in Paris, hier hat bei der Eiseskälte schon lange niemand gesessen, die Zigarettenkippen liegen trotzdem noch da.
Fotos (2): styleranking

Die Stadt sammelt im Jahr 315 Tonnen Kippen auf, was bedeutet, dass 350 Millionen Zigarettenstummel weggeschmissen werden. Bis zum Sommer sollen über 10.000 Aschenbecher in Paris aufgestellt werden, dann beginnen die Geldstrafen. Ich bin mal gespannt, wie das gehen soll. Soll sich dann ein Aufpasser vor die Büros und Cafés stellen? Den Leuten, die Kippen wegschmeißen, hinterherlaufen? Nun, ich glaube nicht, dass sich etwas ändern wird.

Die Franzosen sind überhaupt Meister im Gesetze machen, die nie eingehalten werden. Ständig werden neue verabschiedet, da kann einfach niemand den Überblick behalten.  Ein Gesetz ist ohnehin dazu da, nicht beachtet zu werden. Das ist jedenfalls die Einstellung vieler Franzosen. Mogeln scheint so was wie ein Volkssport zu sein, auch die Behörden drücken öfter mal ein Auge zu.

Zigaretten vor einem Pariser Bistro

Zoom auf die Kippen.

Dafür gibt es sogar eine Bezeichnung in Frankreich: „System D“, das D steht dabei für „débrouiller“, was soviel heißt wie „sich zu helfen wissen“. Auf Busspuren fahren, falsch parken, ein Strafticket von einem Freund bei der Polizei aus dem Computer löschen lassen, billig an Designerkleidung kommen, eine falsche Adresse für die bessere Schule angeben – wenn´s darum geht, Regeln zu umgehen und Vorteile zu haben, kann man von den Franzosen noch einiges lernen. Die Anti-Raucher-Strafe ist dagegen Kinderkram und dürfte sie kaum schrecken.

Tanja Kuchenbecker Tanja Kuchenbecker berichtet aus Paris über Politik bis Prêt-à- porter, unter anderem für das Handelsblatt, den Axel Springer Verlag und N24 und ist Buchautorin von Le Fettnapf: Wie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen

 

1 Kommentar

  • Jens
    08.02.2012 um 02:02 Uhr
    Was man sich immer wieder mit dem Verhalten von Rauchern rumärgern muss. Dieses Drogenzeug gehört endlich komplett verboten, dann ist Ruhe.

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