Artikel

Modekultur über den Dächern von Paris

Gepostet am 14.02.2011 von Tanja Kuchenbecker

Von Tanja Kuchenbecker, Paris

Wer heute als Modehaus etwas auf sich hält, setzt auf Kultursponsoring. Das ist mitunter sehr plakativ wie am Musée d´Orsay in Paris, verdeckt von einem Poster für Parfüm von Yves Saint Laurent, oder an der alten Oper Garnier, wo Ralph Lauren wirbt. Louis Vuitton schmückt dagegen schon seit Jahren seine Taschen mit Künstlerdrucken.

Louis Vuitton TascheTasche von Louis Vuitton

Zum Aussuchen: Kultursponsoring auf Taschen. Taschen von Stephen Sprouse aus der W'Coll SS2009

Doch LVMH-Chef Bernard Arnault will mehr. Im Parc de Boulogne bei Paris plant die Stiftung des Luxuskonzerns eine Glaswolke als Kulturzentrum, entworfen von Stararchitekt Frank Gehry. Nicht allen gefällt die Idee, Umweltschützer wollen lieber Natur als Kunst und verzögern das Projekt.

Glaswolke als Kulturzentrum, entworfen von Frank Gehry

Die Wolke im Bois de Boulogne, Kunstprojekt von LVMH, Foto: Didier Ghislain, 2006

Deshalb begnüge ich mich erstmal mit dem Ausstellungsraum von Louis Vuitton auf den Champs-Elysées. Heute hat da die Ausstellung „Somewhere Else“ (11.2. bis 8.5.2011) eröffnet und ich habe mich vorab umgeschaut.

Vorbei am Schaufenster mit der Zebradekoration und den bunten Taschen gelange ich über einen Nebeneingang zur Kulturshow.

Louis Vuitton Schaufenster Deko in Paris

 

Zebradekoration im Fenster von Louis Vuitton in Paris

Ein Designaufzug (17 Sekunden), ganz schwarz ausgekleidet mit Stoff, führt im Stockdunkeln in den 7. Stock. Vorsicht: Der ist nichts für zarte Gemüter. Man fühlt sich in der Totenstille wie im Sarg, grusel, grusel, glücklicherweise klingelte das Telefon meiner Mitfahrerin. Das vertraute Geräusch beruhigt, man sollte es kaum glauben.

Oben ist dann alles offen, hell und ein echtes Pariserlebnis, man blickt auf Eiffelturm, Notre Dame und Sacre Coeur und muss dafür nicht einmal stundenlang anstehen wie am Eiffelturm. Schrill ist die derzeitige Ausstellung des Luxushauses. Igluartige Zelte mit Handschuhen und Stoffresten tapeziert stehen auf der weißen Terrasse. Buchstaben aus Eis tropfen in einen riesigen Spiegel auf dem Boden. Ein Künstler träumt davon, eine weiße Marmorbrücke mitten in der Mongolei aufzustellen. Naturkatastrophen und Reisen um die Welt in der Zeit der Globalisierung sind Thema der 15 internationalen Künstler.

Ausstellung des Luxushauses Louis Vuitton in Paris

"Marcs Dinner" im Ausstellungsraum von Louis Vuitton auf den Champs-Elysées. Foto: Ambroise Tezenas

Mitten in die Welt des Roadmovies mit Fotos von Würstchenscheiben und Abendessen in Westernatmosphäre führt der Amerikaner Marc Horowitz (34) mit einer skurrilen Geschichte, die als Scherz begann. Er arbeitete für den Katalog des Einrichtungshauses Crate & Barrel als seine "National Dinner Tour" den Anfang nahm. Single Marc langweilte sich ganz furchtbar, als er den x-ten-Schrank fotografierte, deshalb schrieb er zum Spaß seine eigene Telefonnummer in eine Ecke des Schrankfotos und versprach ein "Dinner mit Marc".

In dem Einrichtungshaus bekam niemand den Gag mit, erst als die Kataloge gedruckt und schon raus waren, flog es auf. Marc fiel in Ungnade, Zeit darüber nachzudenken hatte er aber eigentlich gar nicht. Denn das Telefon klingelte Sturm, in einem Jahr über 19.000 Mal. Und so machte sich Mark auf Dinnerreise durch die USA, ein Jahr lang. Fazit: 180 Essen, zehn Kilo an Gewicht zugenommen. Er schrieb darüber ein Blog: i need to stop soon

Filmagenten in Hollywood wurden auf ihn aufmerksam. Die Zeitschrift "People" wählte ihn zu einem der 50 begehrtesten Junggesellen. So leicht ist es ein Star zu werden…

Eintritt frei für Marcs Reise samt Eiffelturm und Notre Dame.

Montag bis Samstag von 12 bis 19 Uhr, Sonntag von 11 bis 19 Uhr, 60 rue Bassano, 75008 Paris, Metro George V.

Tanja KuchenbeckerTanja Kuchenbecker berichtet aus Paris über Politik bis Prêt-à- porter, unter anderem für das Handelsblatt, den Axel Springer Verlag und N24, und ist Buchautorin ("Le Fettnapf - wie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen").

 

1 Kommentar

  • Lisa
    15.02.2011 um 03:34 Uhr
    WOW - ein wahnsinnig schöner, informativer und interessanter Artikel. Freue mich auf weitere Paris-Berichte :)

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