Shopping wie Gott in Frankreich - Volkssport Soldes
Gepostet am 15.01.2013 von Tanja Kuchenbecker
Von Tanja Kuchenbecker, Paris
Seit Tagen gibt es in Paris eigentlich nur ein Thema. Wenn ich Freundinnen treffe, ist die erste Frage: „Und, warst du schon in den Soldes?“ Es gibt eigentlich niemand, der die Frage mit „Nein“ beantwortet. Dann wird ausführlich darüber geredet, was man alles in den „Soldes“, dem französischen Schlussverkauf, ergattert hat. Weil sich dieses Jahr die Krise besonders bemerkbar macht, haben die Leute besonders viel gekauft. Denn alles ist spottbillig, es gab gleich in den ersten Tagen des immerhin fünfwöchigen Schlussverkaufs (9.1. bis 12.2.) in Frankreich Preisnachlässe von bis zu 60 Prozent. Ein Shoppingparadies also.

Schaufenster werben mit den Soldes. Fotos: styleranking
Die Soldes sind für die Franzosen so etwas wie ein Volkssport und ein riesengroßes Fest, über das mit ebensoviel Begeisterung diskutiert wird wie über das Weihnachtsmenü. Die Soldes sind auch ein Medienereignis mit Sonderseiten und Beilagen in Zeitungen und Magazinen. Manchmal hat man das Gefühl, dass die Franzosen nur während der Soldes ihre Kleidung kaufen. Und nicht nur die Kleidung. Schlussverkauf gibt es nicht nur für Textilien oder Sportartikel, sondern auch für Möbel, Fahrräder oder Haushaltsgeräte. Viele Weihnachtsgeschenke kommen deshalb auch erst verspätet im Januar.
Und nicht nur die günstigen Marken machen mit, auch Luxusgeschäfte wie Hermès oder Dior und die großen Kaufhäuser Printemps und Galeries Lafayette. Nicht selten wird die Eröffnung der Soldes auch mit Champagner begossen. Es gibt kaum ein Schaufenster, in dem das magische Wort „Soldes“ derzeit nicht zu sehen ist.

Pariser Shoppingmeile Rue de Rivoli während der Soldes.
Damit die Soldes auch die Touristen vom Eiffelturm oder Louvre weglocken, hat das Fremdenverkehrsamt sogar verschiedene Shoppingrouten ausgearbeitet, das geht vom Luxusrundgang bis zu Geheimtipps.
Am Shopping kommt man in Paris also absolut nicht vorbei. Am letzten Samstag (ausgerechnet Samstag) musste ich mich deshalb mit meiner zwölfjährigen Tochter durch die Massen in den Läden quälen. Eigentlich wollte ich gar nichts kaufen. Die Reihen von Wintermänteln und dicken Strickpullis langweilten mich schon nach einigen Minuten. Aber wenn man dann schon mal da ist... Schließlich zog ich doch mit vollen Tüten nach Hause. Und konnte die Schlussverkaufsfrage meiner Freunde mit einem strahlenden „Oui“ beantworten.
Tanja Kuchenbecker berichtet aus Paris über Politik bis Prêt-à-porter, unter anderem für das Handelsblatt, den Axel Springer Verlag und N24 und ist Buchautorin von Le Fettnapf: Wie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen.
5 Kommentare
Claudia Grande
15.01.2013 um 17:47 UhrHallo Tanja,
danke für den Artikel. Kannst Du mir sagen, wann in Paris mit dem Sommerschlussverkauf zu rechnen ist? Ich muss nämlich demnächst meinen Jahresurlaub einreichen :-)
Mano
17.01.2013 um 16:03 UhrKomme leider, zumindest vorläufig, nicht nach Paris. Muss mich wohl mit dem WSV in Deutschland begnügen. Aber ja, vielleicht kann Ich in Zukunft ja noch einige ausgefallene Schnäppchen in Paris schlagen.
Sonja
17.01.2013 um 20:42 UhrNa da musst du ja schon wirklich viel einkaufen wenn du in Paris bist, damit sich das mit dem Flugpreis noch lohnt.
19.01.2013 um 10:55 UhrAlso ich würde jetzt auch gerne in Paris sein :D
60 Prozent auf paar Kleidungsstücke hört sich sehr verlockend an :)
Schauen ob sich ein Wochenenedtrip einrichten läasst *haha*
22.01.2013 um 16:02 UhrSoldes in diesem Sommer sind vom 27. Juni bis 31. Juli. Schon mal vormerken. Möglichst nicht zu spät kommen, alle stürmen in der ersten Woche in die Läden.
















