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Verhinderte First Lady Anne Sinclair - nun will sie mit der Online-Zeitung Huffington Post Frankreich erobern
Gepostet am 25.01.2012 von Tanja Kuchenbecker
Von Tanja Kuchenbecker, Paris
Es war sicherlich der am meisten mediatisierte Online-Auftritt, den es je gab. Die US-Online-Zeitung Huffington-Post will nun auch Frankreich erobern. Und dazu hatte sich die größte Online-Zeitung weltweit, die angibt, im Monat in den USA 37 Millionen Leser zu haben, eine ganz besondere Medienstrategie ausgedacht. Sie setzte die verhinderte First Lady Anne Sinclair, Frau des skandalumwitterten Dominique Strauss-Kahn, der über eine Sexaffäre in New York stolperte, als Zugpferd ein. Vor einem Jahr hatte sich der französische Sozialist noch Hoffnungen darauf gemacht, in diesem Jahr Nicolas Sarkozy als Frankreichs Präsident abzulösen. Doch dann kam der Fall und der Spießrutenlauf für seine Frau.

Anne Sinclair bei dem Launch von „Le Huffington Post“ in Paris.
Anne Sinclair (63), ehemalige TV-Starjournalistin und Multi-Millionärin, war monatelang auf die Rolle der betrogenen Ehefrau reduziert. Sie stand zu ihrem Mann, egal was so alles ans Licht kam, niemand verstand wirklich warum. „Wie hält eine Frau das aus“, fragten sich alle nur. „Man beißt auf die Zähne. Man ballt die Fäuste und dann nutzt man sie.“ Das ist Annes Strategie. Genug der geballten Fäuste: Nun ist die Frau, die schon Präsident François Mitterrand und Madonna interviewte, wieder wer. Sie strahlte und wirkte in Paris bei der Vorstellung der „Huffington Post“ um Jahre jünger.
Über 200 Journalisten drängten sich um sie, als sie die Strategie erklärte: „Wir wollen seriös und unterhaltsam sein.“ Die „Huffington Post“ will Politik und Wirtschaft mit Modetrends, Oscarverleihungen und Kultur verbinden und dazu in Frankreich ganz französisch sein. Die mächtige Online-Zeitung will auch nach Deutschland, Italien und Spanien expandieren, wo sich schon einige vor ihr fürchten. Ob die das Modell Anne in Deutschland wiederholen? Wen könnte man da nehmen? Vielleicht die Frau von Karl-Theodor zu Guttenberg? Stephanie zu Guttenberg hat ja schon einige TV-Erfahrung. Oder Christian Wulffs Frau Bettina? Doch dazu müsste der wohl erstmal abtreten.

Huffington-Post Gründerin Arianna Huffington zusammen mit Anne Sinclair.
Und was trägt man eigentlich zu so einem Auftritt, wenn es um alles geht? Um Comeback, Eigenwerbung und Imagepflege. Was ist das beste Power-Outfit, der Look der Macht? Nun, Anne Sinclair machte es vor. Wie bei den Anhörungen vor Gericht, zu denen sie ihren Mann begleitete, setzte sie auf klassisches Understatement. Dunkler Anzug mit perfektem Schnitt, weißes Top, Haare dezent gestylt, Make-up nicht auffällig. Ein wenig langweilig, ziemlich unauffällig, ganz die Business-Frau eben. Nur in Frankreich erlauben sich die Frauen – egal welchen Alters – dazu auch noch einen tiefen Ausschnitt. „Sie sei nicht die Hippste“, gab Sinclair sogar selbst zu. Aber dafür hat sie ja junge Facebook- und Twitter-Anhänger in der Redaktion unter sich. Die werden das mit den Trends für die HuffPo schon richten.
Ob Sinclair auf Karl Lagerfeld gehört hat? Der proklamiert bei seinen bombastischen Chanel-Schauen immer etwas, das unglaublich schlicht klingt: „Mit einer weißen Bluse und einem schwarzen Rock oder Blazer ist man immer richtig angezogen.“ Schade, kein Neonlook, kein Petticoat? Dabei hatte ich mir das doch nach den Haute Couture Schauen, die gerade in Paris laufen, schon auf meiner aktuellen „To shop“-Liste notiert.
Tanja Kuchenbecker berichtet aus Paris über Politik bis Prêt-à- porter, unter anderem für das Handelsblatt, den Axel Springer Verlag und N24 und ist Buchautorin von Le Fettnapf: Wie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen