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Wir schlemmen uns ins neue Jahr

Gepostet am 27.12.2011 von Tanja Kuchenbecker

Tanja Kuchenbecker/Paris

Dieses Jahr Weihnachten und Silvester bin ich nicht in Deutschland, sondern in Paris. Deshalb wartet in diesen Tagen um Weihnachten und Neujahr so allerhand Getier auf meiner Terrasse.

Flusskrebse krabbeln da und warten auf die Brühe. Die Austern müssen noch geöffnet werden. Ja, in Frankreich geht es ziemlich barbarisch zu. Froschschenkel werden zwar immer weniger gegessen, aber dafür viel anderes Zeug, was manch einem Nichtfranzosen den Appetit verderben würde. Der Markt ist jeden zweiten Tag hier geöffnet, auch während der Festtage, so dass man sich immer wieder Nachschub holen kann.

Ein überladener Stand mit Meeresfrüchten

Der überladene Stand mit Meeresfrüchten. Fotos (2): styleranking

Ich bin ein großer Fan von Meeresfrüchten, kann mich an Hummern, Austern, Seeigeln und Langusten nie wirklich satt essen, weshalb ich es während der Festtage besonders spannend auf den Märkten finde. Da laden die Stände noch viel mehr und viel besser auf.

Federvieh

Das liebe Federvieh.

Es hängen ganze Spanferkel oder Federvieh oft noch mit Kopf und Federn an den Ständen. Abgefackelt und gerupft wird frisch vor den Kunden. Manch einem mag das Vieh im Plastikmantel im Supermarkt besser gefallen, weil es weniger Tier ist, doch der Einkauf in Paris ist einfach viel spannender und sinnlicher.

Überhaupt wird eigentlich in diesen Tagen nur hier gegessen und das noch viel mehr als in Deutschland. Man kann sagen, das ist der eigentliche Sinn der beiden Feste. Weihnachten geht man viel weniger in die Kirche, die Mitternachtsmesse würde man auch gar nicht schaffen, weil man dann noch beim Hauptgang sitzt.

Zeit für das beschauliche Singen und Blockflötenspielen der lieben Kleinen bleibt auch kaum, ich habe mal meine deutsche und französische Familie hier zusammengeführt, das war ganz schön kurios. Denn die Franzosen wollten sich fast über die hübschen Weihnachtslieder kaputtlachen, die wir das so mühsam über die Jahrzehnte einstudiert hatten. Schade, denn eigentlich singe ich gern mal, gern laut und auch falsch. Und Weihnachten ist meine einzige Gelegenheit. Das Singen wird hier übrigens durch Tanzen um den Tannenbaum - vorzugsweise bunt glitzernd wie eine Diskokugel dekoriert - zu später Stunde nach dem Mahl ersetzt.

Nun und zu Silvester geht es weiter. Kaum jemand hat bisher gefragt, was ich anziehen werde. Die Mode ist in diesen Tagen des auslaufenden Jahres in der Modestadt Paris höchstens noch das Thema Nummer zwei. Auch Silvester dreht sich alles ums Schlemmen. Dieses Jahr bin ich zu einem Partybuffet bei Franzosen eingeladen, da soll jede Familie mindestens drei feinste Speisen mitbringen, stand auf der Einladung. Und wie ich sie kenne, lässt sich keiner lumpen.

Würstchen und Kartoffelsalat wären da so fehl am Platze wie Froschschenkel in Deutschland. Vielleicht bring ich das doch mal mit als deutsches Souvenir. Das Silvesterknallen oder Bleigießen werden wir wohl bei so viel Nahrungsangebot gar nicht schaffen. Aber das fehlt hier auch kaum jemand, außer an der Bastille und auf den Champs-Elysées wird kaum geknallt. Ich lege jetzt erstmal schon paar Flaschen Champagner auf Eis, Rosé vorzugsweise, denn der ist mal wieder im Trend. Also, dann „Bonne Année“, ich melde mich 2012 wieder, wenn ich beim „Großen Fressen“ nicht geplatzt bin.

Tanja Kuchenbecker Tanja Kuchenbecker berichtet aus Paris über Politik bis Prêt-à- porter, unter anderem für das Handelsblatt, den Axel Springer Verlag und N24 und ist Buchautorin von Le Fettnapf: Wie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen

 

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