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Der kleine Kulturschock
Gepostet am 02.01.2012 von guest
Von Victoria Nguyen, Seoul
Liebe Leute, ein frohes neues Jahr wünsche ich. Den letzten Monat von 2011 bin ich spurlos verschwunden. Dafür entschuldige ich mich aufrichtig bei euch. Der Grund war allerdings schlicht: Ich bin gen Heimat geflogen und habe in meinen Winterferien großteils unter euch geweilt.
Ja, ihr habt richtig gelesen. Ich war wieder auf einen Sprung zurück in Deutschland. Sattgegessen an Yogurette, Leberkäse und Vollkornbrot ging es mir dort außerordentlich gut. Eine Kuriosität jedoch? Der kleine Kulturschock, den ich in meiner alten Heimatstadt München erlebt habe. Da habe ich mich so einwandfrei in meinem neuen Zuhause in Seoul eingelebt, dass ich München mal ganz mit den Augen eines Touristen betrachten konnte. Oder zumindest eines ehemaligen Austauschstudenten, der mal wieder auf einen Besuch in die alte Gastgeberstadt kommt. Welche Lehren ich aus diesen Erfahrungen gezogen habe? Hiier eine kleine Liste mit lustigen Details und Unterschieden des Großstadtlebens zwischen Deutschland und Korea.
1.) Die Deutschen sind unglaublich nett!
Ein Lächeln hier, ein Lächeln dort und die Verkäuferinnen an den Theken reden ganz freundlich mit dir, als wäre man sich gegenseitig bekannt. Und ganz unglaublich: Als ich mit einer anderen Person aus Versehen zusammenrempelte, sagt sie mir mit einem entschuldigenden Lächeln doch tatsächlich... “Entschuldigung”! Da war ich erst einmal baff. Das “Entschuldigung” Sagen beim Zusammenrempeln mit anderen Leuten nämlich habe ich in Seoul wohl offensichtlich komplett verlernt. Bei der Masse von Menschen in der koreanischen Hauptstadt kann man eigentlich getrost davon ausgehen, mehrmals am Tag mit irgendwem anders zusammenzustoßen, ein “Entschuldigung” erübrigt sich da schon als überambitioniert. Da habe ich also auf meine alten Tage doch noch was gelernt. Nämlich, dass die Deutschen ein unglaublich nettes Volk sind - zumindest wohl im Vergleich zu den Süd-Koreanern. Und da dachte ich immer, die Münchner sind doch alte Grantler!
2.) Das Shopping in Deutschland ist nach wie vor fad
Da bin ich wohl allzu sehr verwöhnt worden in Seoul. Als ich wieder in München Einzug halte, mutet mir die Münchner Shoppingszene so fad wie nie zuvor an. In Berlin, wo ich für einen kurzen Trip einige Tage verbracht habe, ist es schon etwas besser. Da findet man schöne Qualitätsware von deutschen als auch internationalen Jungdesignern in chic ausgestatteten Boutiquen. Ein weiterer Anzugspunkt der deutschen Shoppingszene außerdem: Europäische Kleidungs- und Kosmetikmarken sind in Deutschland immer noch wesentlich günstiger. H&M und Zara sind in Süd-Korea um einen Ticken teurer und Läden wie COS, Weekday oder Urban Outfitters gibt es erst gar nicht.
3.) Trendartikel: Koreanische Schreibwaren
Da weht der neuste Trendwind aus Korea aus einer eher unerwarteten Richtung. Als ich in Berlin durch Geschenkeläden irre - es war kurz vor Weihnachten - stolpere ich doch tatsächlich über Schnickschnack und süße Schreibwaren aus Süd-Korea, die auch stolz als solche angepriesen werden. Meine Freundin erklärt, dass diese Art von Krimskrams in Berlin zurzeit äußerst beliebt ist. Ich kann’s Berlin nicht verübeln, denn aus Erfahrung weiß ich ja, dass koreanische Blöcke, Notizbücher und Schreibutensilien wirklich originell und sehr schön gestaltet sind. Doch dass auch die Deutschen das wissen, das wusste ich nicht.

Meine Schreibwarenvorlieben: Minimalistisch aber farbenfroh
4.) Sesam, öffne dich!
Die Oma hinter mir schaut mich schon etwas schräg an. Der Herr neben mir will schon selber zugreifen, doch er zögert. Denn ich warte. Warte, bis die S-Bahn-Türen sich von alleine öffnen. Erst in der letzten Sekunde realisiere ich, dass ich ja wieder in Deutschland bin und in Deutschland öffnen sich die Türen nicht von selbst. In Deutschland muss man dafür einen Knopf drücken. Eine unglaublich banale Kleinigkeit und doch muss ich heute noch darüber lachen. So einfach vergisst man alltägliche Details und was einst als selbstverständlich galt, muss man erst wieder erlernen.
5.) Verschiedenerlei Schabernack
In Deutschland habe ich vor allem das Taxifahren vermisst. Das ist in Seoul so günstig, dass ich manchmal einfach aus Faulheit eins heranwinke. Auch ist das Essengehen, vor allen Dingen in München, um einiges teurer als in Seoul. In Seoul braucht es auch kein Trinkgeld, was weiterhin Geld spart, und auch Wasser oder Tee erhält man ganz umsonst. Dafür vermisse ich in Seoul gute internationale Küche, denn die schmeckt in Süd-Korea immer irgendwie ein bisschen koreanisch oder aber ist schweineteuer. Außerdem danke ich den deutschen öffentlichen Toiletten für die Handtücher oder zumindest Handtrockner zum Hände abtrocknen! Die gibt es in den allermeisten öffentlichen Toiletten in Korea nämlich, zu meinem Ärger, nicht. Was ich in Seoul zudem auch sehr vermisse, ist ein Backofen. Solche findet man, eigentlich klar, in Asien eher selten. So ein selbstgemachter Gratin oder Kuchen wäre halt mal was feines gegen’s Heimweh.
Victoria Nguyen, ursprünglich aus München, packte das Fernweh und damit auch ihren Koffer. Vicky bloggt unter pickedpics und verlagerte ihren Lebensmittelpunkt nach Seoul in Süd-Korea. Für styleranking schreibt Vicky die Kolumne "Seoul-Blog" in der es um ihre Erlebnisse in der Ferne und um die koreanische Modewelt geht.
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