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Es weihnachtet sehr?
Gepostet am 02.12.2010 von guest
von Lynne, USA
Mir ist eine Sache passiert, von der ich nicht glaubte, dass sie eintreten würde. Ich vermisse die deutsche Vorweihnachtszeit. Bis Thanksgiving Ende November hält sich die Weihnachtsdekoration in den USA zurück. Ist das wichtigste Familienfest im Jahr vorüber, kommt erst die Weihnachtszeit. Und wo es gewiss auf dem Land und in der Vorstadt weihnachtlicher und gemütlicher zugehen wird, bemüht man sich unregelmäßig in der Stadt um Weihnachtsstimmung. Dennoch sieht man (noch) relativ wenig von der klassischen amerikanischen Weihnacht, wie wir sie aus Filmen kennen. Wenig Christmas Trees, wenig Santas und wenig Zuckerstangen.

Weihnachtsstimmung will sich bei mir trotz zarter Deko und Mariah Careys „All I Want For Christmas“ in den Malls kein bisschen einstellen. Bei Facebook und Co. liest man von den ersten Schaukelgängen über den Weihnachtsmarkt von Freunden und Bekannten und das „deutsche Internet“ berichtet über Schneechaos in heimischen Gefilden. Und irgendwo mitten drin war der erste Advent. Von diesen Dingen bekomme ich hier wenig bis gar nichts mit – und tatsächlich erst so weit weg zu sein, macht einem bewusst, dass man eben wirklich „weit weg“ ist. Wenngleich man vielleicht etwas schwermütig oder melancholisch für ein paar Momente wird, ist mir dabei vor allem eines bewusst geworden – dass man Zuhause, egal wie schön, bereichend und aufregend eine Reise auch ist, eben doch vermisst und gewisse Aspekte an der „Heimat“ durchaus zu schätzen weiß.

Und auch dafür sind Reisen gut – um neue Länder, Menschen und Sitten kennenzulernen, aber gleichzeitig auch ein Band aus der Ferne nach daheim zu knüpfen. Bei den einen setzt dies vielleicht früher, bei anderen später ein, und dass es ausgerechnet zu Weihnachten passiert, mag kitschig klingen, aber ich denke, man sollte nie vergessen, wo man herkommt, egal wofür man sich entscheidet und wohin der Weg einen führen mag. Denn zu einer Reise gehört eben nicht nur die Vorbereitung, das offene Erleben von Neuem, Abenteuerlust und Unternehmungsfreunde, sondern auch das nach Hause kommen. Denn man muss sich doch mal überlegen - nur, wenn man heim an seinen Ausgangspunkt kommt, wo auch immer der für jeden liegen mag, kann man auch wieder erneut verreisen. ;-)

Ich habe die Frage von einer Followerin auf YouTube gestellt bekommen, wie ich hier „in der Ferne“ in Weihnachtsstimmung komme – die Antwort: indem ich an Daheim denke! Und im Moment freue ich mich besonders über jeden Tag, an dem ich etwas Neues entdecke oder einfach vor mich hin trödel, wenn ich etwas davon bei Leuten, die ich mag, erzählen kann. Man kann die Freude ein wenig teilen und freut sich über Berichte aus der Heimat, die man im Gegenzug erhält.
Vielleicht war ich auch einfach noch nicht oft genug an Weihnachten woanders, denn mit fehlt die Eiseskälte, der Schnee, Adventskalender, Kerzen, die rutschigen Straßen, „Last Christmas“ und Glühwein. Alles Sachen, die hier bei ca. 4-10 Grad, teils eisigen, scharfen Winden und Wüsten- oder Küsten-Landschaft überhaupt nicht anzutreffen sind. Und doch kennen die Locals wiederum nur diese Atmosphäre hier und werden im Kreis ihrer Lieben bestimmt genauso vorweihnachtlich wie wir in Deutschland.
Aber für mich weiß ich dieses Jahr mehr denn je: ich mag mein deutsches Weihnachten. Habt ihr die Adventszeit schon einmal längere Zeit im Ausland verbracht? Wie hat es euch gefallen und welchen Schluss habt ihr daraus für euch gezogen?
Eure Lynne
PS. Meine Zahnschmerzen sind übrigens weg. ;-) (Toi, toi, toi!)
Lynne ist im echten Leben Journalistin und TV-Redakteurin, bloggt aber bereits seit vielen Jahren mit Schwerpunkt auf Beauty & Lifestyle. Darüber hinaus hat sie einen eigenen Kanal auf YouTube, liebt das Internet und atmet Musik.