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Open Roads and Dead Ends

Gepostet am 04.11.2010 von guest

von Lynne, USA

Einsteigen ins Auto, Motor an, den Gedanken ihren Lauf lassen und den passenden Soundtrack dazu im Radio. Wohin der Weg führt? Ich bin nicht sicher.

Ortausgangsschild Las Vegas

Schon einige Stunden habe ich genau so verbracht – auf der offenen Straße, die Gegend mit wachen Augen erkundend, immer mit der Möglichkeit der Überraschung und des Spontanen an der nächsten Ecke. Nur fünf Minuten nachdem ich aus meiner Einfahrt gefahren bin, lasse ich schon das berühmte „Welcome to Las Vegas“-Schild hinter mir, das mich mit „Drive Carefully – Come back soon“ verabschiedet. Ich komme bald zurück, das steht fest, aber in dem Moment entkomme ich der Wüstenoase und tauche schon wenige Meilen weiter ein in eine faszinierende Landschaft.

Rau reißen die Berge vor dem Wagen auf, die das Vegas Valley förmlich schützend umarmen. Die Interstate, die direkt durch Vegas führt, meide ich so gut ich kann, denn der Kontrast von Stadt gegen Natur kommt auf den Avenues und Roads wesentlich beeindruckender zur Geltung – bis man die Häuser vollends hinter sich lässt und nur noch riesige Strommasten an die Touristenmetropole erinnern.

Landschaft bei Las Vegas

Wenn man sagt, Las Vegas liegt im Nirgendwo, so stimmt es. Wie sehr im Nirgendwo wird einem aber erst bewusst, wenn man die Stadt einmal in das Umland verlässt. Schier unendliche, einsam, aber eindrücklich in die Wüste gesetzte Straßen führen Richtung Los Angeles. Verwinkelte, staubige Routes führen einen immer wieder ab und an in die Gegend. Durchquert man zu Beginn noch Kleinstädte und Provinzdörfer, werden die Distanzen schnell länger. So lang, dass man bald hofft, dass bloß nicht der Motor schlapp macht oder ein Stein den Reifen frisst. Auch das Handynetz wird löchrig. Je weiter man sich von dem gefestigten Asphalt fortbewegt, umso mehr Naturschönheiten offenbaren sich.

Der Lake Mead, zum Beispiel, den drei Wüstengebiete umschließen. Offiziell als Erholungs- und Naturschutzgebiet ausgeschrieben und gepflegt, muss man dort keine Angst haben, vollkommen von der Zivilisation abzudriften. Der größte Stausee der USA, südöstlich von Las Vegas mit Grenze an den Bundesstaat Arizona gelegen, wurde von Menschen künstlich angelegt, um die Wasserversorgung für Süd- Kalifornien und Nevada zu sichern. Inmitten der Mojave-Wüste, Großes Becken und der Sonora-Wüste habe ich die wunderbarsten, ruhigen Orte entdeckt, die an eine Mondlandschaft erinnern, und von offenem Himmel verhangen sind, der (egal wie kitschig es klingen mag) durchaus vermag, einen näher zu sich selber rücken zu lassen, wenn man sich plötzlich ganz klein fühlt.

Einsame Berglandschaften im Umlang von Las Vegas

Einer meiner Lieblingsorte ist das Valley of Fire. Es grenzt an die Lake Mead National Recreation Area und verdankt seinen Namen den roten Sandsteinformationen, die sich vor 150 Millionen Jahren aus großen Wanderdünen formten. Es liegt rund 50 Meilen nordöstlich von Las Vegas entfernt und bietet sich für Ausflüge wunderbar an. Hier lassen sich teilweise noch Spuren der prähistorischen Bewohner des Valleys finden, wie den Anasazi-Indianern. Felsenzeichnungen, die einfach zugänglich sind, erzählen leise ihre Geschichten, wie auch die vielen Gesteinsschichten, die sich nach und nach abgetragen. Bei Sonnenuntergang erstrahlen die Felsen, die vorrangig von Büschen, Kakteen und kargen Sträuchern gesäumt werden, in tiefem Rot und man fühlt sich wie auf einem anderen Planeten. Und wer einmal einen Coyoten heulen hören oder einen Kuckuck entdecken möchte, der wird das im Valley of Fire garantiert erleben können.

Nevada besitzt neben Südafrika und Australien die reichsten Goldvorkommen der Welt. Die Goldsucher wanderten daher im Wilden Westen nach Nevada in der Hoffnung auf den großen Fund. Was wir aus überromantisierten Hollywood-Märchen kennen, ist tatsächlich durch zahlreiche Geisterstädte belegt. Die verlassenen, zerfallenen, faszinierenden, manchmal etwas gruseligen Siedlungen sind teilweise als Touristenattraktion gehbar gemacht und werden vor weiterem Zerfall geschützt, manchmal findet man fernab der Straße, wenn man denkt, dass es dort schon nicht mehr weitergeht, mit einem Mal ein verlassenes Dorf.

Wilder Westen der USA

Neben der Wüste, gibt es aber auch noch ein anderes Nevada im Nordenwesten der Staates, der von Vieh- und Holzwirtschaft geprägt wird und Norden mit Weidewirtschaft und riesigen Goldminen. Ein ursprüngliches Amerika, wenn man dem Mammutland eine ureigene Kultur nachsagen mag. Wer weiß, vielleicht führt mich der nächste Ausflug einmal weiter nach Norden – where all the cowboys have gone.

 

3 Kommentare

  • mila
    04.11.2010 um 12:13 Uhr
    tolle Fotos und toller Bericht - als wär ich dabei gewesen!
  • Lynne
    04.11.2010 um 12:20 Uhr
    Bist du doch so quasi!? :) Wie schön, dass so ein "Road"-Bericht auch gefällt!
  • A.D.
    05.11.2010 um 16:12 Uhr
    ich lese deine Berichte sehr sehr sehr gerne und beneide dich um deine Zeit dort.

    Viel Spaß noch.

    A.D.

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