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SOS: Sale Our Souls!
Gepostet am 17.12.2011 von guest
Von Leni Garibov, Wien
Wenn die Tage kürzer werden und die Nächte länger und die festlichen Licherketten die Straßen erleuchten, dann beginnt sie, -nein, nicht die Weihnachts- sondern die Sale-Zeit! Unübersehbar prangt das Wort auf roten Plakaten, die ganze Schaufenster ausfüllen, schließlich muss die einkaufsbewusste Frau von heute bei jedem Schritt daran erinnert werden, dass es JETZT und SOFORT und NUR HIER die heißesten Fetzen zu kaufen gibt und das nur zum Bruchteil des Preises, den sie sonst für das spitzenbesetzte, mit Rüschen verzierte und mit Perlen bestickte, ach-so niedliche-must-have-Piece ausgegeben hätte. Ich schreibe übrigens ganz bewusst "Frau", denn auf die Herren der Schöpfung scheint das große Locken keine richtige Wirkung zu haben: wohin man auch sieht, die Einkaufsstraßen regiert zurzeit das X-Chomosom.

Und ja, der erste möge den Stein werfen, oder wie auch immer die Geschichte weitergeht, ja auch ich kann mich nicht damit rühmen, jedes Jahr nicht auf die roten Schilder reinzufallen. Irgendwie ziehen mich die mit 70 % beschriebenen und einem fetten Minus geschmückten Schildchen magisch an. Ein Pullover für 10 Euro? Meiner. Der witzige Ring, mir einer Eule drauf...oder was auch immer das für ein Vogel ist? Wandert in den Einkaufskorb. Die Stiefeletten um die Hälfte reduziert? Stehen schon im Schuhregal.
Würde es keine Sales geben, wäre mein Schrank bestimmt nur halb so prall gefüllt, und wer in Mathe gut aufgepasst hat weiß, dass je mehr Faktoren (also heiße Heels, flache Ballerinas, süße Mützen, hübsche Schals, lange Kleider, kurze Kleider, Hosen, Jeans..) zur Verfügung stehen, desto mehr Kombinationsmöglichkeiten ergeben sich am Ende. Also langes Kleid zu flachen Ballerinas, Jeans zu heißen Heels...aber ich glaube, ihr wisst, was ich meine...

Das klitzekleine Problem bei dem riesigen Schrank ist, dass er gar nicht so viele Kombinationen hergibt. Nennt mich Einstein, aber ich bin der Wahrscheinlichkeitsrechnung auf die Schliche gekommen: es stimmt nämlich gar nicht, dass sich alle Teile gleich gut kombinieren lassen. In der Schule wird einem schließlich nicht beigebracht, dass das Top auch in der passenden Größe vorhanden sein müsste (es waren nur 5 Euro!) und die Jeans sicherlich in der richtigen Länge praktischer wäre ( um die Hälfte reduziert!), geschweige denn die Traumschuhe, in denen ich leider nur sitzen kann, um nicht bei jedem Schritt aufzuschreien, weil 36 doch etwas zu klein ist (letztes Paar im Sonderangebot!)

Der Trend zu amokartigen Hamsterkäufen von rot beschilderten Kleidungsstücken ist so erschreckend, dass er mich zu einem Umdenken veranlasst hat: Sobald die Salesaison beginnt, nutze ich die shoppingfreie Zeit, um etwas Sinnvolles zu machen. Meinen Schrank ausmisten, zum Beispiel. So habe ich mehr übersicht über meine "Faktoren" und spare Unmengen von Kohle, um mir davon einige, ganz wenige Designerteile zuzulegen. Sehr vernünftig, denke ich mir, und schlendere ganz unbeeindruckt an den roten Schaufenstern vorbei. Nur ein einziges Kleid habe ich heute mitgenommen, als Beginn meiner wohlüberlegten Einkaufsstrategie. Es war ein wenig herabgesetzt, um 70 Prozent, aber ich brauche es WIRKLICH und es sitzt perfekt!
Ach und übrigens, die Männer habe ich auch gefunden: Sie alle stehen in den Einkaufshäusern ganz oben, bei den Fernsehern und Spielkonsolen. Um die Weihnachtszeit soll es da ganz gute Angebote geben.
Leni Garibov lebt in Wien und manchmal auch in Berlin. Nämlich immer dann, wenn sie Uni-frei hat und keine Lesesäle mehr sehen kann. Ein offenes Auge für Trends hat sie aber immer und überall. Und weil nur darüber schreiben nicht genügt, probiert sie diese gleich direkt aus. Über Fashion, DIY und viele andere Themen schreibt die Publizistik-Studentin und Online-Redakteurin auf ihrem Blog style-kitchen.com, immer mit einem Augenzwinkern garniert und einer Prise Humor gewürzt.
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3 Kommentare

17.12.2011 um 13:09 UhrWo sind deine schönen Fotos von dir beim Anprobiern??
17.12.2011 um 13:11 UhrIch finde man sollte immer nur im sale schauen, weil man dann eine Chance hat, zu vernünftigen Preisen einzukaufen. Man sieht ja wie viel zu teuer die Teile oft sind, weil die Läden im Sale ja immer noch was dran verdienen.
geppebba
18.12.2011 um 23:04 Uhrwunderbar geschrieben !