Dawid Tomaszewski: "In Schönheit kann man sterben, dahinter steckt aber hartes Geschäft"
Gepostet am 31.07.2011
Von Katrin Völkner, Düsseldorf
Das Highlight der Düsseldorfer Modemesse CPD Signatures war dieses Mal ganz klar Dawid Tomaszewski mit seiner Kollektion. Der deutsch-polnische Designer, der uns bereits von der Berliner Fashion Week ein Begriff ist, präsentierte seine Kreationen in einer Installation und am eigenen Messestand. styleranking traf ihn am vergangenen Wochenende zum Interview.

Dawid und Katrin im Gespräch. Fotos: styleranking
styleranking: Fließende Kleider tauchen immer wieder in deinen Kollektionen auf. Würdest du sie als typisch für deinen Stil bezeichnen?
Dawid: Ja, sie sind typisch Dawid. Man kann aber eine Handschrift erkennen, was, wie ich finde, ganz wichtig bei Designern ist. Die Kollektion, die gestern hier auf der Messe gezeigt wurde, ist die dritte große Kollektion. Wir entwickeln die Kleider immer weiter und bauen die Kollektion immer wieder um. Sie ist also ganz anders als die letzte oder die vorletzte Kollektion.
styleranking: Wie wichtig ist es dir, dich von anderen Designern abzuheben?
Dawid: Ich weiß nicht, ob ich mich abhebe. Ich mache das, was ich gerne mache, anderes werde ich gar nicht erst angehen. Dawid Tomaszewski bin ich, das ist mein eigenes kleines Unternehmen, mein Baby.
styleranking: Du arbeitest diesmal mit Kontrasten. So gibt es neben fließenden, puderfarbenen Kleidern auch kurze, violette Modelle. Warum?
Dawid: Ich liebe Magenta und ich finde, Pudertöne und Grau dagegen stehen für Vergänglichkeit. Alle Elemente erinnern an Kirche und sind biblisch inspiriert. Inspiration war die niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Ich habe viele Vanitas-Symbole aufgegriffen, wobei Blumen sehr wichtig sind. Sie stehen hier für Vergänglichkeit und Abschied, weshalb ich die Kollektion auch "Vanitas Flowers" genannt habe. Trotzdem wollte ich das Thema sehr positiv umsetzen und habe helle Farben verwendet.

Ein Kleid aus seiner neuen Kollektion.
styleranking: Warum hast du mit Masken gearbeitet, die die Gesichter der Models verfremden oder ganz verdecken?
Dawid: Die Masken stehen für Abschied, aber auch für Anonymität. Ich habe da aus meinem eigenen Leben Inspirationen für gezogen. Wir sind immer alleine, auch wenn Menschen um uns herum sind. Auch unter Freunden kann man alleine sein, je nachdem welche Lebensphase man gerade durchmacht. Meine Kollektionen haben insgesamt sehr viel mit meiner Person zu tun und jede Kollektion bin in dem Moment auch ich selbst.
styleranking: Warum hast du dich für eine Installation statt für eine klassische Catwalk-Show entschieden?
Dawid: Ich habe zweimal eine große Show in Berlin gehabt. Es ist zwar schön, aber man kennt das inzwischen. Ich fand es ganz spannend, die Thematik Vergänglichkeit anders umzusetzen. Außerdem kann ich dem Publikum so besser zeigen, was ich mir bei der Kollektion gedacht habe. Im Zusammenspiel mit Musik liegt sehr viel Spannung darin. Ich bin mir nicht sicher, ob ich nächste Saison eine Show machen werde, es wird bestimmt eher wieder eine Installation sein.
styleranking: Bei einer Show sieht man ja, wie die Kleider fließen und bei Bewegung aussehen, bei einer Installation nicht. Wie hast du dieses Problem gelöst?
Dawid: Wir haben Wind eingebaut, so dass sich die Stoffe bewegen. Außerdem gibt es einen weiteren Vorteil, da man nah an die Kleider herangehen kann: So kann man ganz dezente Blumenprints, die vom Weiten kaum sichtbar sind, aus der Nähe ansehen.
styleranking: Wie habt ihr die Blumenprints eingebaut, hast du zum Beispiel selbst gezeichnet?
Dawid: Wir haben alte Gemälde als Vorlage verwendet, Stücke herauskopiert und neue Prints erstellt. Es sind aber auch Drucke von Röcken meiner Mutter aus den 70er-Jahren mit eingeflossen. Wir haben die Muster ausgemalt, in Schwarz-Weiß umgewandelt, grafischer und insgesamt moderner gestaltet. Wenn man bei einem Kleid etwa den Grundstoff betrachtet, sieht man erst einmal einen grünen Print. Der besteht aber aus hineingepressten Blumen, die Farbe und Struktur ergeben – eine ganz neue Technik. Ich möchte, dass man, wenn man über Dawid Tomaszewski spricht, sagt: Da hat er sich etwas bei gedacht. Und das tun ich und mein ganzes Team auch.
styleranking: In Deutschland bist du inzwischen sehr erfolgreich. Bist du auch im Ausland präsent?
Dawid: Immer stärker. Wir gehen ab der nächsten Saison ins Ausland. Ich möchte mich in ganz Europa weitermachen weiter entfalten. Und man soll nicht nur über Mailand, Paris oder New York sprechen. Bei uns in Deutschland gibt es auch coole Menschen, die etwas können.
styleranking: Was hat dich dazu bewegt, nach Düsseldorf zur CPD zu kommen?
Dawid: In Schönheit kann man sterben, dahinter steckt aber hartes Geschäft. Ich entwerfe nicht nur zum Spaß, es ist vielmehr meine Lebensaufgabe. Ich wurde zur CPD eingeladen und bin hier sehr erfolgreich. Ich will meine Sachen einfach in guten Läden verkaufen und die Kundinnen damit glücklich machen. Bei der Inszenierung gestern hatte ich andere Möglichkeiten als in Berlin, es war zum Beispiel ein größerer Raum und wir konnten mehr Stücke aus der Kollektion präsentieren.

Die Schuhe der Kollektion wurden zusammen mit Peter Kaiser produziert.
styleranking: Welches sind die typischen Geschäfte, die deine Linie führen?
Dawid: Sie kommen alle aus dem Highend-Bereich. Wir überlegen noch, mit wem wir arbeiten, zum Beispiel werden einige große Concept Stores dabei sein. Außerdem eröffnen wir demnächst einen eigenen kleinen Store in Berlin auf der Potsdamer Straße. Es wird ein Private Store, wo man sich anmelden und zu uns kommen kann. Die zweite Linie, Studio Dawid Tomaszewski, die mehr Tageswear umfasst, wird dort ebenfalls erhältlich sein.
styleranking: Wie würdest du deine typische Kundin beschreiben?
Dawid: Meine typische Kundin ist jede Frau! Ich mag Swarovski-Kristalle sehr gerne. Aber die Kollektion wird auch ohne Kristalle produziert, wodurch die Linie wieder zurückhaltender wird. Wir haben sehr viele Daywear-Sachen hier, zum Beispiel handgestrickte Sachen aus Cashmere. Im Shop kostet so eine Jacke 450 Euro. Handgestricktes Cashmere made in Europa bekommt man selten.

styleranking: Du zeigst auf der CPD eine ganze Reihe an Taschen und Schuhen. Hast du vor, in Zukunft mehr in Richtung Accessoires zu machen?
Dawid: Ich arbeite zusammen mit Franziska Fischer, die Schmuck unter dem Label Glowybox produziert. Mit ihr zusammen werde ich demnächst kooperieren. Wir haben als erstes Projekt versilberte Armbänder zusammen entwickelt. Auch die Schuhkollektion, die in Zusammenarbeit mit Peter Kaiser entsteht, wurde ausgebaut. Wir haben nächsten Sommer zusätzlich zu den High Heels flache Schuhe, die ich großartig finde und die sich super tragen lassen. Bei den Taschen weiß ich noch nicht, wie sie verkaufen. Wir konkurrieren hier mit großen, etablierten Marken. Ich mache einfach gerne Accessoires, und wenn die schön sind, umso besser.
1 Kommentar
Maria
31.07.2011 um 10:35 UhrHabe den Artikel mit großem Interesse gelesen!













