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Designer Stephan Pelger: Die Frauen der 60er, 70er und 80er Jahre waren stark und selbstbewusst.
Gepostet am 17.01.2012 von Julia
Von Cosima Scholz und Julia Bauer, Berlin
"Stephan Pelger Casting". Dick und fett steht es schon auf der Eingangstür in der Pohlstraße 65 - Berlin. Die Vorbereitungen für die Show am Samstag laufen auf Hochtouren. In dem Moment, in dem wir gerade die Tür öffnen wollen, kommt uns die Germany´s Next Topmodel Gewinnerin der 4. Staffel entgegen: Sara Nuru, die auch schon auf der vergangenen Show des rumänischen Designers gelaufen ist. Ein Mädchen nach dem nächsten verlässt das Haus, schlank, groß und mit Lookbook ausgestattet.
Jetzt kommen wir. Aufgeregt und mit vielen Fragen für das Interview betreten wir das kleine Apartment, da sich sich Stephan Pelger für die Zeit der Berlin Fashion Week gemietet hat. Gaderobenständer füllen den Raum, Stiefel und Pumps liegen quer durch das ganze Zimmer verteilt und die Anspannung des Designers können wir genau spüren. Diese verfliegt jedoch mit der freundlichen Begrüßung.
Designer Stephan Pelger lud in Berlin zum Casting für seine Fashion Show. Fotos (2): styleranking
styleranking: Nach deiner vergangenen Wiinterkollektion "Eisblume", die sehr viel schwarz enthielt, präsentierst du in diesem Winter deine neue Kollektion Iconirony. Was dürfen wir erwarten?
Stephan Pelger: Auch dieses Mal ist wieder sehr viel schwarz zu finden. Wobei es sich jetzt eher bei den Hauptfarben um Grau und Anthrazit handelt. Als Farbtupfer habe ich Blutrot und auch Beige eingesetzt, um das ganze etwas aufzuhellen.
Styleranking: Woher kam die Inspiration zur Kollektion?
Stephan Pelger: Ich habe zum Geburtstag eine Karikatur von mir selbst geschenkt bekommen - die fand ich so toll, dass ich mir dachte, die muss in die nächste Kollektion. Somit gibt es nun einige Stücke in der Kollektion, auf denen sich mein Gesicht als Karikatur wiederfindet. Was die Schnitte betrifft, orientiert sich die Kollektion stark an den 60er, 70er und 80er Jahren: Bleistiftformen, Schlaghosen in Leder und A-Linien, sowie Lammfellmäntel in schwarz und beige.
styleranking: Welcher Typ Frau trägt deine Kollektion?
Stephan Pelger: Eine selbstsichere Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und schön dastehen möchte. Ein femininer Typ mit Rundungen. Die Frauen der 60er, 70er und 80er Jahre waren eben auch starke und selbstbewusste Frauen, die genau wussten, was sie taten. Für diesen Typ Frau sind auch meine Kreationen gedacht.
styleranking: Wie wir mitbekommen haben, castest du gerade die Models für deine Show am Samstag. Was müssen die Mädchen mitbringen, um deine Kollektion präsentieren zu dürfen?
Stephan Pelger: Ich entscheide mich von Kollektion zu Kollektion neu: mal ist es eher ein harter, maskuliner Typ und manchmal eher der weiche, weibliche. Dieses Mal bevorzuge ich eben den femininem Typ wie Sara Nuru oder Franziska Knuppe, die auch gerade zum Casting hier waren. Wenn ich meine Kleider einer 14-Jährigen anziehe, wirkt das einfach nicht.
styleranking: Wie inspiriert sich ein Stephan Pelger im Allgemeinen, wenn neue Kollektionen anstehen?
Stephan Pelger: Ich gehe gern aus... besuche gerne Galerien und ganz wichtig: es werden keine Modemagazine mehr aufgeschlagen. Ab einem gewissen Zeitpunkt zählen nur noch meine eigenen Gedanken, die dann in eine neue Kollektion einfließen.
Julia und Cosima von styleranking trafen sich mit Stephan Pelger zum Interview.
styleranking: Hast du vielleicht auch Vorbilder aus der Modewelt, an denen du dich immer wieder inspirieren kannst?
Stephan Pelger: Klar, jeder hat irgendwie seine Vorbilder. Eines meiner Idole ist zum Beispiel Maison Margiela oder auch wie eigentlich von jedem Coco Chanel, die einfach Großes geschaffen hat. Aber mir ist es wichtig, dass ich dabei mir selbst treu bleibe und mein eigenes Ding mache.
styleranking: Inwieweit hat dir dein Studium in Wien weitergeholfen?
Stephan Pelger: Allgemein hilft ein Studium immer. Nicht unbedingt für das Erlernen einer Tätigkeit, sondern auch menschlich bildet es einen ungemein weiter. Ein Studium, egal in welcher Branche, empfinde ich als eine Bereicherung. Man lernt die Basics und hat etwas, worauf man aufbauen kann - ein Konzept.
styleranking: Was hat dir die Teilnahme an der Fashion & Fame bedeutet?
Stephan Pelger: Puh! Ja.. also die Fashion & Fame hat mir natürlich einen Namen verschafft - wodurch es mir leichter fiel Fuß zu fassen. Es hat Spaß gemacht zu zeigen, dass ich auch was anderes als high-end Fashion machen und dabei eine jüngere Zielgruppe ansprechen kann.
styleranking: Die Herausforderung ein anderes Segment zu bedienen als sonst, scheint dir ja Spaß gemacht zu haben. Gibt es den Wunsch mit einem anderen Designer/Label zu kooperieren?
Stephan Pelger: Ja! Auf jeden Fall mit H&M, das wäre toll! Es muss nicht immer nur high-end sein, H&M ist kommerzielle Mode, die junge Menschen anspricht, das wäre auf jeden Fall mein Traum. Aber dafür muss ich wohl noch ein bisschen länger arbeiten und mir einen bekannteren Namen verschaffen.
styleranking: Jetzt so kurz vor der Show und den letzten anstrengenden Vorbereitungen - was erwartest du von der Fashion Week?
Stephan Pelger: Mit Erwartungen und Hoffnungen ist das immer ein bisschen schwierig. Ich denke mal aller guten Dinge sind drei und das wird nun meine dritte Show, von daher hoffe ich, dass sie genauso gut ankommt wie die letzten Kollektionen. Am Ende hofft man natürlich immer, dass sie dann der Außenwelt gefällt und ich gute Resonanzen dafür erhalte.
styleranking: Ist es nicht schwierig als Designer die Kritik zu lesen - egal ob sie gut oder schlecht ist?
Stephan Pelger: Nein. Also natürlich bin ich nicht erfreut schlechte Kritik zu lesen, aber eine Feedback allgemein ist sehr wichtig. An guten Kritiken erfreue ich mich immer sehr und nehme davon auch etwas mit. In den Kollektionen der Designer steckt so viel Arbeit, die sich über Monate zieht - da ist es allgemein sehr unfair eine vernichtende Kritik lesen zu müssen. Damit wird die gesamte Arbeit zunichte gemacht. Ich bin auf jeden Fall für gute, aufbauende Kritik.
styleranking: Worauf darf Frau im kommenden Winter auf keinen Fall verzichten?
Stephan Pelger: Schlaghosen, am besten aus Leder und natürlich Lammfell!!!
styleranking: Herzlichen Dank und viel Erfolg für Samstag und das Modelcasting!
