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MBFWB: Reality Studio - die widersprüchliche Lust am Kulturmix
Gepostet am 23.01.2012 von Lisa
Berlin, Lisa Thiele (Text), Fotos Fammivedere via Arne Eberle Press+Sales
Dass mich persönlich die Offsite-Events und Präsentationen abseits des großen Zeltes am meisten reizen, liegt ganz sicherlich auch immer an den unerwarteten und unkonventionellen Berliner Designern. Seit 2005 zählt Svenja Spechts Label Reality Studio zu diesen. Für Aufsehen sorgt das Label auch immerwieder mit seinen ungewöhnlichen und bisweilen guerilla-artigen Präsentationen.
Ein großes Spektakel erwarteten auch die unzähligen Besucher der diesjährigen Preview für die Herbst/Winterkollektion im Voo Store in Kreuzberg. Am Mittwoch fand der öffentliche Apetizer in den Räumlichkeiten des Shops statt. Die Kollektion ist inspiriert vom 50jährigen Jubiläum des deutsch-türkischen Gastarbeiterschaftabkommens. Dieses Thema wurde in diesem Jahr auch bei der Modeperformance des B:34 - Kultürk-Festivals von Designern wie Issever Bahri und Ayzit Bostan präsentiert. Die Mustermixe und die musikalische Begleitung verraten es sofort: es geht um Einflüsse der türkisch/arabischen Kultur, das überschreiten von Grenzen und die Konflikte die beim Aufeinandertreffen der Kulturen neben der Freiheit und der Gleichheit auftreten können. "ALI - a turkish delight" kommt wie die traditionellen Süßigkeiten voll beladen und reich daher. Ganz direkt übeschneiden sich bei Reality Studio die gewohnt voluminösen und silhouetten-fernen Formen mit den großflächigen und breiten traditionellen Mustern.

Beduinen gleich sendete Reality Studio einen Vorgeschmack auf Herbst/Winterkollektion
Die Entwürfe bestehen aus mehreren Lagen voluminöser Einzelteile, jedes mit einem eigenen Muster. Die Köpfe der Models werden von gewickelten Tüchern, Turbanen und Strickmützen eingemummelt. Gesteppte breite Säume verschleiern die Silhouette und weite Ärmel plustern sich auf. Neben einem dunklen bodenlangen Kleid mit asymetrischen Ärmeln verraten die breitgestreiften Jacken und goldene Kordeln den Clash der Kulturen. Svenja Specht, die bei den Schnitten ganz klar von asiatischer Mode beeinflusst ist und nun hier in Berlin die Reibungen zwischen Freiheit, Toleranz, Ignoranz und Tradition miterlebt, überschreitet die Grenzen der kulturellen Kleidung und schöpft eine neue Spezies des Kostüms. Die feurigen Rottöne und das klassische Blau gewinnen im Kontrast zu erdigem Braun und rostrot eine noch eindringlichere Wirkung.

Dichtgedrängt standen die Besucher der Kollektionspreview im VOO Store in Kreuzberg
Ganz sicher wird "ALI - a turkish delight" nicht den Geschmack der Masse treffen. Es ist Svenja Specht jedoch anzuerkennen, dass sie sich von der arabischen Kleidungskultur und ihren brodelnden Mustern hat einnehmen lassen, in der Ausführung dennoch die typische Formsprache von Reality Studio beibehalten hat.
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