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New York Fashion Week: Custo Barcelona zeigt fröhliche Unbekümmertheit
Gepostet am 14.02.2012 von guest
Von Katja Guttmann, New York
Mal ganz ehrlich: Eigentlich kann man Custo Barcelona nicht tragen. Was der spanische Designer Custo Dalmau präsentiert, sieht auf den ersten Blick eher aus, als ob ein Kind in die Restekiste gegriffen und mit fröhlicher Unbekümmertheit Stofffetzen zusammengenäht hätte. Aber seine Kollektion mit dem Titel „Raw Vision“ wolle auch eine Hommage an Visionäre und die Pioniere der Kreativität sein, hatte der experimentierfreudige Modemacher für die New Yorker Fashion Week angekündigt.

Custo Barcelona bleibt sich auch in der nächsten Saison seinem Stil treu und setzt auf einen wilden Material- und Mustermix. Fotos: Ugo Camera
Und so ist es reichlich surreal, aber trotzdem cool, was den Laufsteg entlang gestiefelt kommt: die Kaskaden von Farben, die langen wollenen Fransen an den Galoschen der Damen, die asymmetrisch eingenähten Lederstücke am Rücken der Herrenjackets, die allzu kurzen Röcke, die dicken Twill- und Tweetstoffe, die zu traditionellen Bleistiftröcken verarbeitet sind. Die Rollkragen sind so eng und hochgeschlossen, dass sie die Hälse der Models fast zu verlängern scheinen.
In der wilden Kombination aus traditionellen Stoffen mit technischen Textilfasern von Custo Barcelona wird jedenfalls keiner frieren. Seine Jacken und Mäntel aus wild gesponnener Wolle sind Kokons, mit denen man sich gegen die Eiseskälte des New Yorker Februars wappnen kann - oder einfach nur gegen den Unbill der Welt. Seine Entwürfe hüllen den Körper ganz formlos ein, um an anderer Stelle interessante Einblicke zu bieten: auf die Schenkel, den Rücken, oder das Dekolleté.

Die Männerkollektion gibt sich ebenfalls mutig.
Manchmal sind auch überraschend simple Entwürfe dabei, wie ein wunderschöner Kapuzenmantel aus ganz dünnem braunen Leder. Auch ein dick gestrickter Poncho, den er zu einer kupferfarbenen Hose kombiniert, funktioniert optisch perfekt. Lange Stulpenhandschuhe ergänzen die kurzen Ärmel von warmen Jacken.
Beim Defilee am Schluss wirken die Models auf dem Laufsteg so, als ob sie zu einem geheimen Stammesritual für Wollkrieger aufgebrochen seien: selbst die Frisuren der Mädchen und Jungs sind so gestylt, dass sie aussehen wie Mohair. Wer sich in den vollbesetzten Rängen entlang des Laufstegs im Lincoln Center umschaut, kann ganz sicher genug Anhänger des Custo-Stammes entdecken. Lady Gaga und Katy Perry (die allerdings nicht da waren) könnten ganz sicher aufgenommen werden.
