Artikel
Auf melancholischen Schwingen mit Ümit Ünals "nameless birds" Kollektion
Gepostet am 18.02.2012 von Doro
von Dorothee Bienefeld
Ein dunkler Laufsteg. Nur die Signatur des Künstlers im Hintergrund kündet von der bevorstehenden Präsentation. Musik erklingt. Zart und lose komponiert, ohne die gewohnt taktgebenden Bässe, zu denen die typisch perfekt gestylten Models die High-Heels klackern lassen. Disharmonisch blendet die Instrumental-Komposition immer wieder in die androgyne Stimme des britischen Chansonniers Antony Hegarty über. Der Catwalk wird zur Theaterbühne, ganz ohne pathetische Gesten.
.jpg)
Ümit Ünal spielt mit der "Nicht-Perfektion" seiner Models
Ümit Ünal inszeniert seine Mode gerne fernab der üblichen Fashionshow-Manier. Die Models schlendern auf Socken oder barfuß den Laufsteg entlang und halten - eher zufällig - am Ende des Weges für die Fotografen. Wären da nicht die dunkel geschminkten Augen, könnte man ihren Look getrost als "Out of Bed" bezeichnen.
.jpg)
Die Bandagen stehen für die Verletzlichkeit des Weltmenschen
Die Kollektion ist durchzogen von Schnitten, die vor allem Weite schaffen oder diese abwechselnd gekonnt zum menschlichen Körper kontrastieren. Eine der wichtigsten Produktgruppen sind die Hosen - häufig Unisex-Varianten - mit weitem Hüftbereich. Was die Nacktheit seiner Models bedeute? Es habe nichts mit Erotik zu tun. Der freizügig gezeigte Körper stehe vielmehr für Verletzlichkeit und eine bewusst gewählte Distanz. Darum auch die bandagierten Models.
.jpg)
Ein typisches Unisex Hosenmodell der nameless birds Kollektion
Der natürliche Look seiner Kollektion spiegele den menschlichen Wunsch nach einem Rückzugsort wider, der zwischen den Extremen Großstadt und Dorf liege. So wie er als Material per Hand gefärbte und verwaschene Seide verwende, wähle er die melancholische, manchmal misstönende Musik. Er möchte seine Models nicht perfekt und unnahbar zeigen. Die Zuschauer sollen sich mit seiner Mode verbunden fühlen.
Ümit Ünal im Interview auf der Düsseldorfer CPD
Ümit Ünal ist einer der wenigen international bekannten türkischen Modeschöpfer, die bis heute in der Türkei leben und arbeiten. Seine Kollektionen schmücken Laufstege von Paris über New York bis Tokyo. Wir trafen ihn im Rahmen der Düsseldorfer Modemesse CPD, wo er als Top Act seine nameless birds Kollektion vorstellte.
