Thomas Rath: Ich würde niemals einen Freak einstellen
Gepostet am 28.04.2012 von Kim
Von Kim Ernst, Düsseldorf
Thomas Rath sitzt derzeit nicht nur in der Jury von Germany's Next Topmodel, er gehört auch zu den angesehendsten Designern Deutschlands. Seit vielen Jahren ist Rath in der Modebranche als Designer tätig. Seine Karriere begann bei Basler, danach ging es für den Rath bergauf: Nach Chefdesigner-Posten bei Windsor, Mulberry und Riani gründete er 2010 sein eigenes Label.
Doch wie wird man als Designer erfolgreich? Ich habe den sympathischen Wahl-Düsseldorfer in seinem Headoffice getroffen und ihn zu seiner Laufbahn, Bewerbungstipps und die Modewelt befragt.

Auf seinem Schreibtisch tobt sich Thomas Rath kreativ aus. Fotos (2): styleranking
styleranking: Herr Rath, wollten sie schon immer Modedesigner werden?
Thomas Rath: Ja. Bereits als Kind habe ich dafür gelebt. Damals habe ich immer gesagt, dass ich Modeschöpfer werden möchte. Heute denkt man bei dem Begriff Modeschöpfer an Leute wie Karl Lagerfeld oder John Galliano. Ich seh mich als Kreateur. Ich bin sehr happy mit meiner Berufswahl.
styleranking: Wie haben sie sich damals beworben?
Thomas Rath: Ich bin einen sehr untypischen Weg gegangen. Ich habe mich damals bei der Firma Basler beworben und habe dort ein Volontariat absolviert, das wie eine richtige Ausbildung funktionierte. Ich konnte dort in jeder Abteilung für einige Zeit arbeiten und habe mich hochgearbeitet. Durch meine Kreativität bin ich den Leuten dort positiv aufgefallen und sie haben mich gefördert. Ich habe nie eine Modeschule besucht und auch eine Schneiderlehre habe ich nie absolviert. Modeschulen hatten damals eine Aufnahmezeit von mehr als sechs Jahren. Da hatte ich sehr viel Glück, dass ich bei Basler anfangen konnte. Als ich dort tätig war, bot sich mir die Möglichtkeit, eine Modeschule in Düsseldorf-Eller zu besuchen. Die habe ich allerdings nicht genutzt. Ich habe damals für mich entschieden, dass ich das nicht brauche.
styleranking: Welche Hürden galt es auf ihrem Karriereweg zu überwinden?
Thomas Rath: Es gibt immer Enttäuschungen, die ich meistern musste. Es gibt viele unternehmerische Fehler, die gemacht werden, zum Beispiel in Wirtschaftskrisen. Darunter leiden Designer, denn dadurch wird das Kapital eingeschränkt. Als Designer befindet man sich in einer schwierigen Position.
styleranking: Worauf achten sie besonders, wenn sie eine Bewerbungsmappe von einem Bewerber zugeschickt bekommen?
Thomas Rath: Ganz wichtig ist das Zeichnen. Sich zeichnerisch darzustellen gehört schließlich zu den Kern-Fähigkeiten. Außerdem achte ich darauf, dass die Bewerber nicht allzu abstrakte Sachen kreieren. Auch wenn Modeschulen das sehen möchten, kommen tragbare Entwürfe bei mir besser an. Der praktische Teil ist mir am wichtigsten. Neben den Mappen interessiert mich aber vor allen Dingen die Person, die dahinter steckt. Da achte ich aufs Aussehen und das Benehmen. Ich würde niemals einen Freak bei mir einstellen. Die Bewerber müssen zu meiner Mode passen.
styleranking: Gibt es No-Gos bei Bewerbungen?
Thomas Rath: Wenn jemand nicht zeichnen kann, ist er in dem Beruf fehl am Platz. Das Gleiche gilt für das Verständnis von Stil. Ist es nicht vorhanden, kann man nicht arbeiten.

Im Jahr 2010 gründete Thomas Rath sein eigenes Label, mit dem er seitdem sehr erfolgreich Mode produziert.
styleranking: Wie macht man sich einen Namen in der Modebranche?
Thomas Rath: Über Leistung, über Leistung und über Leistung... Das braucht viele Jahre.
styleranking: Welchen Weg raten sie jungen Designern: Selbstständigkeit, ja oder nein?
Thomas Rath: Definitiv nein! Ich habe mich selbst erst spät selbstständig gemacht und bin auch froh darüber. Es gehören viele Dinge dazu, wenn man ein Unternehmen starten möchte. Dazu zählt wahnsinnig viel Kapital. Außerdem muss die Produktion richtig laufen. Sie spielt den wichtigsten Part und ist sogar noch wichtiger, als das eigentliche Design. Wer zum richtigen Zeitpunkt ausliefert, verkauft besser.
styleranking: Warum haben sie sich vor zwei Jahren dazu entschlossen, einen eigenständigen Weg zu gehen?
Thomas Rath: Ich wollte schon immer ein eigenes Label gründen. Aber man muss auf den Moment warten, in dem alle Zahnräder ineinander passen. Als der Zeitpunkt bei mir kam, war das der Startschuss für meine eigene Firma.
styleranking: Wie wird man auch außerhalb Deutschlands erfolgreich?
Thomas Rath: Das schafft man natürlich nur, wenn man Einzelhänder kennt, die die Sachen kaufen und erfolgreich weiterverkaufen. Dann kommen sie immer und immer wieder. Und dann bist du als Designer der, der gefragt ist. Man muss dafür immer solide und korrekt arbeiten.
styleranking: Welche Kontakte sind als Designer besonders wichtig?
Thomas Rath: Die Kontakte sind nicht die Models, die Kontakte sind auch nicht die Celebrities. Die bringen dir kein Geld. Die Kontakte, die zählen, sind die Kunden. Denn die bringen dir Geld. Und wenn ich keine Kunden kenne oder sie mir nicht vertrauen, kann ich die schönste Kollektion kreieren aber keiner kauft sie.
styleranking: Wie findet man als Designer seinen eigenen Stil?
Thomas Rath: Den sollte man bereits gefunden haben. Aber das ist auch ein Grund, warum ich jungen Leuten von einer eigenen Firma abrate. Da muss man sich seiner Sache sicher und Idealist sein. Es gibt zahlreiche Designer, die kleine Ateliers haben. Und sie kommen gerade eben über die Runden. Da muss schon sehr viel Glück im Spiel sein, damit sie vielleicht irgendwann an die richtigen Leute geraten und erfolgreich werden.
styleranking: In diesem Jahr sind sie Headliner beim TW Young Professionals' Day. Freuen Sie sich auf die jungen Leute?
Thomas Rath: Klar, ich war sogar vor einigen Jahren schon mal auf dem Young Professionals' Day. Damals war ich Chef-Designer für Wolfgang Ley, das ist der Gründer von Escada. Aber diesmal bin ich in einem ganz anderen Rahmen hier, da ich über meine Person als Modeunternehmer spreche.
styleranking: Michael Werner, Chefredakteur der Textilwirtschaft, ist für seine bohrenden Fragen bekannt. Wie viel können Sie denn verraten?
Thomas Rath: Es geht im Grunde genommen um die Wahrheit des Modebusiness. In der Mode zählen nicht nur um Glitzer und Glamour, obwohl die meisten Menschen das denken. Das haben wir ja bei Germany's Next Topmodels auch. Wenn man die Mädchen fragt, warum sie Model werden möchten, lautet die Antwort meistens: "Es ist so schön und man reist viel". Dabei geht es im Modebusiness um nacktes Geld verdienen und darum, intelligente Mode zu kreieren. Mit dieser Realität müssen Designer und Mode-Newcomer zurechtkommen. Modenschulen vermitteln den Studenten ein falsches Bild. Sie können dort die abstraktesten und extravagantesten Kleidungsstücke entwerfen. Doch in Wahrheit verkaufen sich einfache Stücke am besten.
styleranking: Was können die Teilnehmer auf dem Young Professionals' Day lernen?
Thomas Rath: Ich glaube, dass es sehr viele Menschen gibt, die man von der Modewelt begeistern kann. Sie müssen verstehen, dass Jobs in der Modebranche hart sind. Als Designer sollte man sich darüber bewusst sein, dass man schnell den Job verliert, wenn man sich Fehler leistet. Ich erhoffe mir, dass wir ihnen die Realität nahebringen können.
styleranking: Vielen Dank für das Interview...
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