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Escada-Insolvenz: Das Ende einer Ära
Gepostet am 18.08.2009 von Roland
Von Katrin Völkner
Üppige Roben aus Spitze und Satin, figurbetonte Röcke und schwere Lederjacken; sündiges Rot, knalliges Pink und rassiges Leo-Muster – die Kollektion für 2010 sprüht vor Farben, ist modern und weiblich zugleich, eben typisch Escada. Sie ist voller Kreationen mit Haben-wollen-Faktor. Von Händlern und Kritikern gibt es tosenden Applaus, die Show im Juli 2009 ist ein voller Erfolg. Auf der Fashion Week feiern Escada-Chef Bruno Sälzer und sein Team noch unter dem Motto „Escada celebrates Pink“, von den Plakaten strahlt uns Topmodel Eva Herzigova (36) im pinken Kleid entgegen. Escada – ein Konzern, der scheinbar im Luxus schwelgt.

Escada-Store auf der Düsseldorfer Königsallee. Noch öffnen sich die Pforten für betuchte Kundinnen und neugierige Fashionistas. Fotos: styleranking
Zwei Monate später: Am 13. August meldet der Konzern Insolvenz an, die international erfolgreiche Luxusmarke steht vor dem Aus. Der Umtausch einer Anleihe bei den Gläubigern schlug fehl, weitere Kredite gibt es nicht mehr. Die ehemals größte Damenmodemarke der Welt ist pleite. Jahrelange Misswirtschaft, gefloppte Kollektionen, ständige Wechsel in der Chefetage zählen zu den Ursachen. Seit der Gründung 1976 hatte Wolfgang Ley Escada zur Lifestyle-Marke ausgebaut. Zumindest ein Escada-Parfüm oder -Täschchen konnten sich die Normalsterblichen leisten. Und jetzt soll alles vorbei sein? Zeit für einen kleinen Rückblick...

Die Herbst/Winter-Kollektion hängt bereits im Laden.

Firmengründer Wolfgang Ley baute Escada zu einem Lifestyle-Unternehmen aus. Taschen und Schuhe gehören fest ins Sortiment.

Klar, puristisch und prägnant: Der Escada-Schriftzug.
Zusammen mit seiner Frau, dem schwedischen Topmodel Margaretha, gründete Wolfgang Ley das Modehaus im Jahr 1976. Während Margaretha den kreativen Part übernahm, kümmerte sich Wolfgang Ley um das liebe Geld, heißt Verkauf, Marketing und Produktion. Die beiden schafften es, eine Linie zu etablieren, die Farbe und Eleganz, Passform und Modernität miteinander vereinte. Was die wenigsten wissen: Ley benannte die Marke nach seinem Rennpferd, einem irischen Vollblüter. Ein Name, der in jedem Land auf der Welt funktioniert, wie sich schon bald herausstellte. Denn schon bald war Escada auf dem ganzen Globus bekannt. Die Marke aus dem bayerischen Aschheim spielte ganz vorne in der internationalen Modeliga mit, hatte das Zeug zum deutschen Versace. Auch nach Margarethas Tod 1992 führte Ley das Unternehmen weiter. Es gab einige Turbulenzen, aber schon bald begab sich Ley mit Escada auf echten Erfolgskurs. Im Jahr 1994 kam die Linie Escada Sport hinzu, vier Jahre später Escada Eyewear. Als wäre das nicht schon genug, folgten ab 2000 auch eine Accessoires- sowie eine Schmuckkollektion. Gemessen am Umsatz war Escada zeitweise sogar die größte DOB-Marke der Welt.

Doctor bag und Pumps im angesagten Beige-Ton. Escada machte nicht nur jeden Trend mit, sondern setzte auch immer wieder selbst welche.
Wer an Escada denkt, hat gleich ein Bild voller Opulenz, mit satten Farben und traumhaften Stoffen vor Augen. Trotz Protesten durch Tierrechtler wie PETA setzte das Label durchgehend auf Felle und Pelze von echten Tieren. Genauso hochwertig waren auch die Roben, in denen sich internationale Stars nur allzu gerne während der Oscar-Verleihung auf dem roten Teppich präsentierten. Kostbarste Spitze, edle Stickereien und bestes Leder wurden für sämtliche Produkte verwendet. In den Neunzigern, als Jil Sander und Calvin Klein auf Minimalismus setzten, verkaufte Escada Linien von Sportswear bis Couture.

Noch lächelt sie uns von den Plakaten entgegen: Eva Herzigova.
Die Marke zeigte sich weiblich, blieb aber immer auch bodenständig. So sind die meisten Stücke der Kollektionen der aktuellen Herbst/Winter-Kollektion durchaus tragbar. Neben Kleidern mit Ausschnitten bis zum Bauchnabel gibt es Biker-Jacken und Janker, züchtige knielange Röcke und einfache Jeans. Für jede Frau ist das Richtige dabei.
Ob wir nun bei Escada einkaufen oder uns beim Schaufenster-Bummel Inspirationen holen – fehlen werden die Shows und Kollektionen des einst so erfolgreichen Labels in jedem Fall.

Pink, wohin man schaut: Escada zeigt sich gerne weiblich – die Marke hätte das Zeug zum deutschen Versace gehabt.
Vielleicht gibt es ja einen Käufer, der das Unternehmen weiter betreibt oder in seine Produktlinien integriert. Wir sind gespannt, wünschen uns, dass die Marke weiterbesteht und werden euch auf dem Laufenden halten...
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4 Kommentare
Ursula
18.08.2009 um 09:17 UhrAuch wenn Escada jetzt Insolvenz anmeldet, heißt das ja noch lange nicht, dass die Geschäfte nicht mehr weiterlaufen. Laut einigen Berichten ist man auf jeden Fall guter Hoffnung, dass das doch noch was wird. Wie das ganze allerdings aussehen mag, darüber konnte man bisher nichts erfahren.
