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MBFWB: 8000 Kilometer weit gen Osten mit Guido Maria Kretschmer
Gepostet am 21.01.2012 von Gabriela
Von Gabriela Maria Keller (Text) und Inga Kretschmer (Fotos), Berlin
Achtung, Achtung! Auf Gleis 1 des Showrooms hält Einfahrt die Kollektion von Guido Maria Kretschmer! Bitte treten Sie vom Laufsteg zurück. Vorsicht bei der Einfahrt der Kollektion!
Der Designer aus Münster hat sein Publikum auf der Mercedes-Benz Fashion Week mitgenommen auf eine Gedankenreise mit der Transsibirischen Eisenbahn. Den Zauber Vorderasiens, russische und fernöstliche Motive, die klirrende Kälte der mongolischen Hochebenen, all das hat der Modemacher virtuos in Seide, Kaschmir, Strass, Pailletten und Wollgarn übersetzt. "Damoi", so lautet der Titel seiner Herbst/Winterkollektion, nach dem russischen Begriff für "nach Hause". Doch bis dahin hat Guido Maria Kretschmer noch einen weiten Weg vor sich: Die Gesamtstrecke der Transsibirischen Eisenbahn führt knapp 8000 Kilometer weit von Moskau über Nowosibirsk vorbei am Baikalsee durch die Mongolei bis nach Peking.
Eine silbern geschminkte Geisha eröffnete die Show. Doch auch Zauberwesen haben mitunter mit der Schwerkraft zu kämpfen. Fotos: styleranking
Guido Maria Kretschmer wäre nicht als Großmeister der effektvollen Darstellung bekannt, wenn er einfach hübsch frisierte Models über den Runway schicken würde. Statt dessen hat er seine Kollektion als aufwendiges Drama in Szene gesetzt. Große rote Lampions hingen von der Decke des Showrooms, exotische Gesänge flossen aus den Lautsprechern, als eine silbern geschminkte Geisha auf den Laufsteg trat. Ein weiter, mit verschlungenen Linien bedruckter Kimono wehte um ihren Körper. Es ist selbst für so ein Zauberwesen schwer, die Würde zu bewahren, wenn man sich mit den Heels in den weiten Stoffbahnen verheddert, doch sei es drum. Angesichts der berückenden Schönheit der Entwürfe war der kleine Patzer schnell vergessen.

Bisweilen wirkten die Entwürfe nicht mehr wie normale Kleider, sondern wie zauberhafte Kostüme für einen Ball im Feenreich.
Es war, als würde man zuschauen, wie auf dem Laufsteg ein funkelndes, östliches Feenreich Gestalt annimmt. Die Dichte der Prominenten war übrigens so hoch war wie bisher auf keiner anderen Show der Berliner Fashion Week. Ute und Chiara Ohoven, Udo Walz, Karolina Kurkova und Désirée Nick klatischten begeistert, Jenny Elvers-Elbertshagen konnte sich kaum noch auf ihrem Stuhl halten. Bisweilen wirkten die Entwürfe nicht wie normale Kleidung, sondern wie Kostüme - kein Wunder, denn Guido Maria Kretschmer hat bereits zahlreiche Film- und Theaterproduktionen ausgestattet. So flanierten Kosaken-Kriegerinnen in bestickten Mänteln, mit Ziegenfellborten um den Hals und opulenten Pelzmützen vorbei, dicht gefolgt von mongolischen Reiterprinzessinnen, die sich in weit schwingende Wollcapes hüllten. Die Stoffalten an Hosenanzügen und Kleidern waren so aufgeworfen wie Schneeverwehungen in der winterlichen Taiga; opulent bestickte Roben erinnerten an traditionell chinesische Kleider.

Zu sehen waren Kosaken-Kriegerinnen, mongolische Reiterprinzessinnen und andere östlich inspirierte Schönheiten.
Eindruck hinterließen auch fließende Kleider in metallischen Grau- und Bronzetönen, die an die Anmut von Kraniche erinnerten. Insgesamt war die Kollektion von einer solchen Schönheit geprägt, dass es schwer fiel, den Blick abzuwenden. Mit der Transsibirischen Eisenbahn dauert die Fahrt 14 Tage, Guido Maria Kretschmer legte die Strecke in rund 20 Minuten zurück. Als das Licht wieder an ging, rieb man sich leicht benommen die Augen. Die Reise ist vorbei, wie schade. Wenn es unterwegs so aussieht, dann hätte es ruhig noch ein wenig länger dauern können bis nach Hause.
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2 Kommentare

21.01.2012 um 09:37 Uhrechte moderne Modeaus der Mongolei kommt da deutlich besser und warum hat er keine mongolische Models geenommen, denen hätte er nicht solche Geistermasken aufmalen müssen
21.01.2012 um 12:20 Uhr@khublai: es geht hier letztlich um eine mitteleuropäische interpretation u nicht um 1zu1 kopien! ich fand es genauso toll. highlight!
