MBFWB: Dawid Tomaszewski und die traurigen Space-Amazonen
Gepostet am 22.01.2013 von Gabriela
von Gabriela M. Keller (Text) und Svenja Jöres (Fotos)
Der Countdown läuft. 3-2-1-0. Wir verlassen jetzt die Erdumlaufbahn. Unser Pilot Dawid Tomaszewski begrüßt Sie an Bord unseres interplanetaren Luxus-Liners. Draußen liegen die Temperaturen unter null, drinnen nähern wir uns allmählich dem Siedepunkt. Auf unserem Weg werden wir einer Armee galaktischer Hohepriesterinnen begegnen. Bitte beachten Sie die Sicherheitshinweise: Wir erwarten heftige Turbulenzen.
Dawid Tomaszewski, das Ausnahmetalent aus Polen, hat die Berlin Fashion Week mit einem futuristisch angehauchten Triumphzug beendet: Er zeigte am Freitagabend eine komplett schwarze Kollektion mit dem Titel „Hanging Trees“. Zu sehen gab es vorrangig fließende Abendkleider, die in der Taille mit breiten, Bronze glänzenden Reifen gegürtet waren – allerdings nur von vorn. So ergab sich frontal eine sinnliche Sanduhr-Silhouette, hinten fiel der Stoff in weichen Kaskaden herab.
Als weiteres Leitmotiv setzte der Designer ein filigran ausgestanztes Material ein: Zu sagen, dass es Löcher hatte trifft es nicht – es war eher so, dass Tomaszewski die Models in ein Nichts hüllte, das von schwarzen Textilstreben in kleine Facetten unterteilt war. Aus diesem netzartigen Gewebe waren Ärmel von Kleidern gefertigt, ein enges Oberteil und einmal ein Bleistiftrock, der mit einem Body aus Latex kombiniert war. Heißer kann es kaum noch werden, in dieser Galaxie voller erhabener, unnahbarer Frauengestalten.

Dawid Tomaszewski beendete die Berliner Fashion Week mit einer gelungenen Kollektion ganz in Schwarz. Fotos: styleranking
Dawid Tomaszewsi setzte bei seiner Präsentation auf radikale Entschleunigung: Statt wie üblich mindestens zwei Models zugleich kam immer nur eine Frau über den Laufsteg. Sie stolzierte mit majestätischer Anmut über den Laufsteg, angestrahlt von einem gleißenden Lichtkegel, der ihr Schritt für Schritt folgte. Sonst blieb es im Showroom stockfinster. Eine mutige Entscheidung, die prächtig aufging: So ließ er seinem Publikum Zeit, die Entwürfe in aller Ruhe zu beobachten und rettungslos in seiner feierlichen Vision von melancholischer, dunkler Eleganz zu versinken.
Der in Berlin lebende Designer hat sich von einer Reise nach Portugal inspirieren lassen; von vernebelten Wäldern, den wilden Klippen an der Algarve und den Azulejos-Mosaiken, deren Struktur sich in den Löchern des ausgestanzten Stoffes wiederfindet. Hinzu kamen weitere Einflüsse aus den Skulpturen des britischen Bildhauers Kevin Francis Gray, der moderne Menschen in Alltagskleidung in dem weihevollen, ehrfürchtigen Stil der alten Meister porträtiert.
Die Verbindung aus kantigen Metallic-Details und gradlinigen, schwarzen Roben vermittelte vor allem die Atmosphäre einer kühlen Science-Fiction-Welt, in der strenge Weltraum-Amazonen an der Macht sind. Ein Entwurf imposanter als der nächste: Ein hoher Kragen aus schwarzen Federn auf einem dicken Makramee-Mantel, eine Art gekordelter Schutzschild auf der Brust eines wehenden Gewandes, dazu dezente Glitzersteine und lange Fransen – hier ist Vorsicht geboten: Wer sich einmal aufmacht, Dawid Tomaszewskis glamouröses Sonnensystem zu erkunden, findet so schnell nicht wieder zurück in seine eigene Welt.

Dawid Tomaszewki HW13















