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MBFWB: Von Bardonitz - Harry Potter in der Unterwelt
Gepostet am 19.01.2012 von Gabriela
Von Gabriela Maria Keller (Text) und Inga Kretschmer (Fotos), Berlin
Wie sie dastehen. Regungslos, die Arme eng an den Körper gefügt, mit etwas unsicheren Schultern und hoch erhobenen Köpfen. Nadine Roschers blasse Helden wirken unberührbar und verletzlich zugleich. Von Bardonitz, das Label der jungen Berlinerin, war erstmals auf der Mercedes-Benz Fashion Week dabei. Vorgelegt hat sie eine konzeptionelle Herbst/Winterkollektion, die eine ganz eigene, versponnene Ästhetik entfaltet.
Nicole Roschers blasse Helden wirken unberührbar und verletzlich zugleich. Fotos: styleranking
Nicole Roscher ist derzeit noch einer der viel versprechendsten Mode-Geheimtipps in Berlin. Der Name ihres Labels geht auf den Mädchennamen ihrer Großmutter zurück. Die junge Designerin könnte sich kaum weniger um klassische Schönheitsideale oder saisonale Trends scheren. Statt dessen verfolgt die Mode-Querdenkerin einen avantgardistischen, künstlerisch-philosophischen Ansatz, bei dem es um Identität, Individualität und Geschlechterrollen geht. "One", der Titel ihrer aktuellen Kollektion verweist auf Neubeginn, auf Einheit und zugleich auf Vereinzelung. Im Studio, dem kleinen Raum des Mercedes-Benz hat Nicole Roschner aus diesen Aspekten ein komplexes Kammerspiel inszeniert: Die Models standen still und regungslos auf weißen Podesten, während das hohe, durchdringende Sirren eines asiatischen Saiteninstruments durch den Saal schnitt.

Von Bardonititz verfolgt einen avantgardistischen, abstrakten Ansatz, bei dem es um Identität, Individualität und Geschlechterrollen geht.
Schwarz dominierte die Kollektion, ein fahles Nude setzte hellere Gegenpunkte. Wollmäntel umhüllten die Körper der Models wie eierförmige Kokons; die Schulterpartien der Blusen stülpten sich bizarr in die Breite. Bisweilen wirken die Stücke wie Rüstungen gegen einen feindseligen Alltag, Mäntel aus mit abwehrbereit hochgeklappten Krägen und Capes aus festen, schweren Wollstoffen. Andere Entwürfe, aus hautfarbenen, weichen und durchsichtigen Materialien, schienen dagegen eine vollständige Entblößung zu fokussieren. So verströmte die Kollektion einen düsteren, grotesken, aber zugleich magischen Feenglanz . Die Models trugen hohe Mützen Filz auf den Kopf und hohe Plateauschuhe an den Füßen - so könnte es aussehen, wenn sich das Figurenensemble der Harry-Potter-Romane in der Cyperpunk-Welt einer postapokalyptischen Graphic Novel verirrt.
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