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Punchi Dreams - ein (Alp-)Traum von Werbung?
Gepostet am 14.12.2011 von Yavi
Von Yavi Bartula, Düsseldorf
Es gibt Werbung, die ist sehr schlecht. So schlecht, dass du dich fragst, wer dieses Müsli überhaupt kaufen wird und was den Machern Schlimmes widerfahren sein muss. Dann gibt es natürlich gute Werbung. Ihr Erfolg misst sich zum Beispiel daran, dass du noch nachts zur Tankstelle rennst und dir diesen neuen Schokoriegel besorgst. Und dann gibt es Werbung, bei der du dir noch nicht mal sicher bist, ob es wirklich Werbung ist oder ob du gerade ungewollt die Hauptrolle in Truman Show II spielst und gerade voll veräppelt wirst. Wir fragen uns: Gute oder schlechte Werbung?
Das haben wir uns bei einem jüngst erschienen Exemplar auch gefragt. Als wir den Clip Punchi Dreams 1/6 sahen, sahen wir zunächst nur ein dickes Fragezeichen anstatt des Sinns. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge haben wir ihn verzweifelt gesucht und gefragt, was er uns zeigen möchte. Den Ausschnitt aus einem kitschigen Bollywood-Streifen? Die Wirksamkeit eines neues Deos? Die Vorteile von dichten Brusthaaren oder eher von modischen Sonnenbrillen beim Joggen? Oder sagt uns das nur: Hast du ein glitzerndes Mini-Kleidchen, geh damit auch im Herbst in den Park und warte, bis dir ein vollgeschwitzter Schal eines unattraktiven Vollblut-Gigolos in die Arme fällt und dich vor einer eventuellen Erkältung rettet. Und hätten wir nicht ein wenig recherchiert, hätten wir wohl nie herausgefunden, dass es wirklich um diesen unscheinbaren Schal geht.

In der zweiten Hauptrolle: Abbas Saberi, der auch die Geschichte zu dem Film geschrieben hat. Foto: the coup - public relations for product & fashion design
Sein Name ist Punchi und spielt die subtile Hauptrolle in dem ersten von sechs Werbeclips. Du bist also aus dem Schneider. Punchi ist eigentlich ein Handtuch, das als Schal getarnt ist. Ein Handtuch-Schal quasi. Von einem DJ und Designer entwickelt. Vermutlich nachdem sie feststellten, dass Schweiß in Clubs gleich nach plusminus 4,7 Promille Liebeskiller Nummer Eins ist. Das Interessante: "fresh and hand-rolled in Kreuzberg, Berlin", wie die PR-Agentur über ihren Kunden schreibt. Wenn man also die Geschichte hinter diesem Video kennt, und wirklich nur dann, ist dieser Clip ein wahres Meisterstück. Selbstironisch, surreal, kitschig und lustig zugleich. Was auf den ersten Blick wie ein Erstsemester-Projekt mit einem Budget von 35 Euro wirkt, entpuppt sich als Pol Ponsarnau-Produktion und nach genauem Hinschauen als wirklich gute Werbung. Woran wir das fest machen? Dass wir (Sportskanonen) diesen Schal haben wollen.
