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textil+mode Innovationspreis 2010: die Verleihung
Gepostet am 21.09.2010 von Yavi
Von Yavi Bartula, Düsseldorf
Wer gut ist, wird belohnt. Das ist der essentielle Kern aller Talentwettbewerbe. Der textil+mode Innovationspreis 2010 geht noch ein Stück weiter und konzentriert sich besonders auf kreative Nachwuchskünstler, die neue und nachhaltige Ideen für die Zukunft der Branche entwickeln. Bereits im Juli haben wir auf den Innovationspreis 2010 hingewiesen und alle Hintergrund-Infos geliefert. Gestern Abend hat die Preisverleihung im K21 in Düsseldorf stattgefunden und wir waren da...
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Die Gewinner des Abends beim Abschluss-Posing. Foto: styleranking
Wir betreten das imposante Foyer des künstlerischen K21-Gebäudes und sehen als erstes einen jungen, extravaganten Mann. Er fällt auf, weil er anders ist als andere: die roten Haare sind zu einer schwungvollen Welle geformt, die Haut ist wie Porzellan, die Haltung adrett und vornehm. Er trägt ein schwarzes Sakko, zwei Fliegen, klassische Lackschuhe, gepunktete Strümpfe über einer blauschwarzen Karo-Strumpfhose, eine kurze Hose und eine kleine Vintage-Clutch. Wir müssen diese explosive Modesensation fotografieren. Gesagt, getan, jedoch nicht nach seinem Namen gefragt, dann an den runden, reich gedeckten Tisch gesetzt und das rege Treiben der rund 500 Gäste aus der Medien-, Textil- und Modeindustrie beobachtet.
Sebastian Dahlmans (1. Preis für Mode-Design) und Yavi. Foto: styleranking
Geladen hatte Rolf Königs, Vizepräsident des Gesamtverbandes textil+mode und bat weitere Größen an seine Seite. So gesellten sich auch die Juroren Claudia van Bonn (Chefredakteurin der Textilzeitung Melliand), Dr. Dorothee Achenbach (Kunsthistorikerin und Journalistin), Stefan Asbrand-Eickhoff (Geschäftsleitung Eickhoff Königsallee), Aribert Müller (Geschäftsleitung Peek & Cloppenburg), Marita Sonnenberg (Chefredakteurin TM) und Gerhard Weber (Vorstandsvorsitzender GERRY WEBER AG.) dazu und entschieden gemeinsam, welche Teilnehmer in diesem Jahr die klügsten und kreativsten Köpfe sind.
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Das Quick-Change-Duo Petrosyan. Foto: Jandali
Das Event wurde groß und höchst professionell aufgezogen. Die runden Tische waren um die Bühne und einen kleinen Laufsteg gruppiert, kontinuierlich wurde Wein ausgeschenkt, köstliche Leckereien serviert. Das Ambiente wurde durch farbige Lichtspiele und verschiedene Showacts wie das Duo "Quick Change" (unvorstellbar schnelle Klamottenwechsel, ich bin leider nicht hinter den Trick gekommen) begünstigt. Durch den Abend führte ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, die mit viel Witz und Charm die Akteure des Abends vorstellte; vor allem die nominierten jungen Talente, die nervös und völlig ahnungslos auf die erlösenden Worte der Laudatoren warteten.

Horn, Hayali und Königs sprechen über die Idee hinter dem Wettbewerb. Foto: Jandali
Unterschieden wurde in drei Kategorien: Textil-Design, Mode-Design und technische Textilien. Die neun Nominierten wussten bis zur offiziellen Verkündung gestern Abend nicht, wer gewonnen hat. Umso authentischer war die Freude, die bei der Nennung der Namen sichtbar wurde. Die ersten Preisträger sind Almut Warttinger aus Berlin für Textildesign, Sebastian Dahlmans aus Berlin für Modedesign und Raphael Geiger/Florian Fritz aus Denkendorf für Technische Textilien. Das habe ich ja gestern sofort getwittert. Was die Glückspilze mir jedoch nach der Preisübergabe erzählten, passte nicht in die zwei Zeilen. Raphael Geiger und Florian Fritz nämlich waren noch ganz aufgewühlt, als wir ihnen zu dem Sieg gratulierten. "Wir haben wirklich niemals damit gerechnet, erst recht nicht, nachdem wir vorhin die Konkurrenz-Arbeiten sahen". Mit der 10.000 Euro-Siegerprämie werden sie sich erstmal ein Segel kaufen, damit das Boot mit bionischem Hydrofoil (fragt mich bitte nicht nach Details) bald in Echtgröße gebaut werden kann. Funktionalität oder auch ein wenig Mode? "Mit Mode haben wir nun wirklich nichts am Hut, das Boot soll lediglich fahren" erzählten sie lachend.
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Platz 1 in der Kategorie Technische Textilien: Raphael Geiger und Florian Fritz. Foto: Jandali
Mit Mode haben wir hingegen sehr viel am Hut und deswegen waren wir ganz besonders auf die letzte Preiskategorie gespannt: Mode-Design. Dazu liefen einige Models eine Fashionshow und präsentierten die Kreationen der drei nominierten Nachwuchsdesigner. Eine Fashionshow, die jedem alteingesessenen Designer locker die Show stehlen kann. Ins Auge stach vor allem die Herbst/Winter-Kollektion 2011 von Sebastian Dahlmans, 23-Jähriger Absolvent der ESMOD Modeschule in Berlin. Sein Label San Sebastien steht für Dekadenz, Extravaganz, Adel. Die Kollektion "Last Curtain Fall" verkörpert die Familie Romanow und knüpft damit an die russische Zarenzeit an. Auf diese Weise gelang ihm eine sehr feminine, körperbetonte Mode für die Frau mit Mut zu Ecken und Kanten. Diese dominieren nämlich die Silhouetten der Mäntel, Kleider, Corsagen, Blusen. Sie wirken kriegerisch, progressiv, avantgardistisch, stilvoll. Sie sind klassisch und modern zugleich. Sie sind gleichzeitig untragbar und unabdingbar. Keine Überraschung, dass Sebastian bei der Realisierung der Entwürfe nur zu den besten Materialien griff: Duchess-Seide, Kaschmir oder Kalbsleder.
Von Kopf bis Fuß auf Mode eingestellt: Sebastian Dahlmans. Fotos: styleranking
Wer gut aufgepasst hat, der wird wissen, wen wir am Anfang der Veranstaltung als erstes trafen und fotografierten. Und als wir unseren Lieblings-Gast auf der Bühne beim Entgegennehmen des 1. Innovationspreises für Mode-Design sahen, waren wir ganz aus dem Häuschen. Und bevor er ebenfalls aus dem Häuschen verschwand, schnappten wir uns den Jungsdesigner und sprachen mit ihm über seine Gefühle. "Es ist eine ganz große Sache für mich und ich muss das erst einmal sacken lassen." Der Berliner ist nicht unbedingt Wunsch-Berliner, doch das Studium verschlug ihn in die Stadt, die für seinen Geschmack "zu viel Streetstyle" hat. Er gehöre nach Paris, er orientiert sich an Vorbildern wie Viktor und Rolf, Galliano. Er ist eigentlich die männliche Personifikation seiner Modeschöpfungen, würde nichts entwerfen, was er nicht selbst tragen würde. Und deswegen wirkt er auch so echt und standfest, obwohl er im Grunde noch sehr verhalten ist. Vielleicht wird sich das ändern, wenn er zunehmend die hart umkämpften Laufsteg-Bretter betritt, die die Mode-Welt bedeuten. Ein wichtiger Schritt ins Spotlight ist ihm gestern gelungen. Gratulation: Der letzte Vorhang ist noch nicht gefallen.
Ein Schal aus Papier (von Anne Trautwein) und in Textil integrierte LED-Leuchten (von Stephanie Hornig): 2 weitere Innovationen. Fotos: styleranking
