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Milchmädchenblogger - wertlose Kondensmilch und der Traum von Anerkennung

Gepostet am 28.09.2010 von Lisa

von Lisa Thiele, Berlin

Süß und unschuldig schaut das Milchmädchen von der Verpackung der Kondensmilch. Süß schmeckt die klebrige Soße aus der Tube. Eher herb und bitter ist die Bilanz, die man zu den sogenannten Milchmädchenbloggern/Innen zieht. Mary Scherpe hat auf dem FashionCamp in Wien einen kritischen Beitrag geliefert und ein hervorragendes Beispiel für neue Inhalte in der Modeblogosphäre losgetreten. Ein zehnminütiger bebilderter Beitrag von Mary führt dem Zuhörer das Klischee des Milchmädchens vor Augen. Süß und unschuldig schaut die Milchmädchenbloggerin vom Bildschirm - aber es geht dieses mal nicht um zuckersüße Kondensmilch. Es geht um Alkohol, auch mal ein Kleid, um ein Glitzerhandy, um langweilige T-Shirts - um Produkte. Um genau zu sein geht es um Werbung!

Mary Scherpe über die Milchmädchenblogger

Mary Scherpe erklärt die Spezies Milchmädchenblogger (im Hintergrund) und wieso das nicht geht. (Screenshot)

Aufhänger der Diskussion ist die Aktion einer bekannten Champagnermarke. Die Marke stellte einen neuen Celebrityblog in's Internet. Sowas geschieht täglich, interessiert niemanden und bedarf daher einiger Unterstützung. Autorin des Corporate-Blogs ist Julia Knolle die ehemalige Bloggerin des bekannten deutschen Modeblogs Lesmads. Schnell ist eine Flasche Champagner an andere Bloggerinnen verschickt, mit der Bitte einen Link zum neuen Blog zu setzen. Die Flasche à 30 Euro würde normalerweise nie in den Einkaufskörben des durchschnittlichen Milchmädchenbloggers landen. Selbstverständlich freuen sich die "auserwählten" Milchmädchenblogger über das Zuteilwerden solcher Luxusgüter. Jetzt gehört man dazu! Über die Bildschirme der Blogleser flimmern in den kommenden Wochen unendliche verspielte Varianten zur Champagnerflasche. Ganz klar gibt es da Werbung zu sehen. Mary Scherpe bringt die Fakten auf den Tisch: die Milchmädchenblogger haben dafür keinen Cent gesehen!

Diese Milchmädchenrechnung bringt unterm Strich für die Firma eine Menge sehr relevanten Traffic und das umsonst. Für die Milchmädchenblogger kein Geld und genausowenig Inhalte - nur einen schweren Kopf. Die Firma hat die gängigen Regularien und Formalitäten, zielgruppenspezifische Werbung zu schalten, geschickt umgangen und billigste Werbung mit hoher Relevanz für lau.

 

Auf Dandy Diary wird vor Pariser Kulisse knallhart bebildert, wie die Blogger in den Arsch gefickt werden. (by Christoph Turk via dandydiary.de)

Einen knallharten Beitrag gab es zu eben jenem Thema vor einiger Zeit bereits bei Dandy Diary. Mit vollem Körpereinsatz demonstriert David auf den Photos wie sich die Blogger von der Werbeindustrie "in den Arsch ficken lassen". Auch Mary bringt es auf den Punkt: Die Milchmädchenblogger sind schön blöd, wenn sie sich unter Wert verkaufen!

Den Anfragen der PR-Agenturen zur Bewerbung von Labels, Produkten und Aktionen sollen die Blogger konkrete Forderungen entgegensetzen. Sonst entwickelt sich die redundante Masche von Facebook-Gewinnspielen, Verlosungen, Gutscheincodes und anderem Goodiezeug zur Heuschreckenplage in der Blogsphäre. "In anderen Blogsphären wurden diese Diskussionen schon vor langer Zeit angesprochen," sagt Mary. Es wird Zeit, dass das Alter vor Unwissenheit nicht schützt. So sehen das auch Anna und Kathrynsky in ihrem aktuellen Dialog. Es ruft nach einer Schulung der neuen Milchmädchenblogger! Die Alten müssen ihre Kenntnisse und Erfahrungen teilen. Einen Opener dazu geben die Eckpunkte, die Mary für Stil in Berlin bekannt gibt: Für ein ausgewiesenes Advertorial - also ein geplantes Shooting mit Platzierung der Marke - bekommt die bekannte Streetstylebloggerin 1500 Euro. Ganz klar versauen Milchmädchenblogger mit ihren kostenlosen Werbeplatzierungen der ganzen Branche die Preise. Vielleicht liegen daher die Gewinnspannen durch Werbung in der Modebloggerszene unterhalb denen anderer Blogszenen?

Und natürlich geht es bei Mode immer um Produkte und Marken. Umso wichtiger ist die Auseinandersetzung und Trennung zwischen redaktionellen Inhalten und Werbeinhalten. Welche Produkte habe ich selber gewählt und bei welchen wurde ich aktiviert, sie zu wählen? Blogger sind keine Journalisten, laufen diesen in vielen Gebieten jedoch den Rang ab. Damit tragen sie eine zunehmende Verantwortung und sollten sich freiwillig mit Werten und dem Codex des Publizierens vertraut machen. Denn die Frage nach den Werten der Blogger begrenzt sich ganz sicher nicht auf zählbare Geldscheine.

Den immateriellen Gewinn, den sich vermeintlich jüngere MilchmädchenbloggerInnen vom Posten erhoffen, wird von den Gästen beim Wiener FashionCamp sehr diffus umrissen: Dazugehören, Freunde finden und Anerkennung bekommen. Aber durch eine standardisierte Werbemail einer PR-Praktikantin, die salopp den tollen Blog lobt, sollte man auf die Dauer keine Anerkennung erwarten. Ist es eine Verstrickung fehlgeleiteter Illusionen und Emotionen, die die Milchmädchenblogger motiviert?

Viel wichtiger ist die Erkenntnis einer der Bloggerinnen, die für ihre Fähigkeit über Mode zu schreiben bekannt ist: Blica. In Ihrem Beitrag zum FashionCamp stellt sie zufrieden fest, dass sie mit ihrem Blog keinen Cent, keinen Schluck Schampus und kein einziges Kleidchen eingesackt hat. Und ganz ehrlich, ist das die herrausragende Qualität ihres Blogs. Wer seine Leser mit vermeintlichen "Entdeckungen" nervt oder gar heimlich Werbung auf seinem Blog macht, der hat langfristig keine Chance.
 

Mach dich nicht zum Milchmädchen - du wirst nur gemolken (Bild via beesandballons)

Fest steht, dass innerhalb kurzer Zeit Blogs einen Boom erfahren haben und täglich unzählig viele neue Blogs hinzukommen. Das bringt neue Probleme und Fragestellungen mit sich. Wie gelangen wir zu einem Codex für Blogger? Und wie schätzen wir unseren Wert ein? Wie vermitteln wir Erfahrungen und Werte an neue Blogger? Wichtig ist ein offener Diskurs. Es sollte an allen Stellen weiter diskutiert werden hier (und hier, hier, hier). Fühlt euch angesprochen als Milchmädchenblogger. Reflektiert euer Verhalten und überlegt was ihr euch und euren Lesern zumutet.

Den Beitrag von Mary Scherpe und die anschließende Diskussion könnt ihr euch in diesem Video ansehen:

 

30 Kommentare

  • kathrynsky
    28.09.2010 um 18:18 Uhr
    doch, geht ;)
    http://katyskleinewelt.blogspot.com/2010/09/milchmadchenrechnung.html
  • Lisa
    28.09.2010 um 19:56 Uhr
    danke kathynsky, habs eingefügt :-)
  • su
    28.09.2010 um 20:16 Uhr
    ah ich sehe, ihr habt das bild von katja freigefragt ;)
  • katja
    28.09.2010 um 21:00 Uhr
    soll mich die bildunterschrift jetzt eigentlich direkt ansprechen?

    eigentlich wollte ich mich aus der diskussion raushalten. was nicht heißen soll, dass ich sie nicht für sehr wichtig erachte. ich fürchte nur sie wird zu nichts führen. dazu ist die modebloggerszene mittlerweile zu groß und ihre mitglieder zu verschieden. das haben wir doch schon bei allen diskussionen gemerkt. sei es zu werbung allgemein, zur qualität von texten und bildern, kopieren von themen usw.
    um bei den metaphern zu bleiben: letztlich kocht in der deutschen modebloggerszene fast jeder sein eigenes süppchen.

    zu meinem beitrag zu moet: ich hab den hauptsächlich gemacht, weil julia den moet blog macht. ich mag julia und lesmads waren auf meinem blog schon oft thema. die schampus flasche war quasi ein bonus. ich bin bei der anfrage tatsächlich nicht auf die idee gekommen moet um eine vergütung zu bitten. das spricht jetzt sicher für einige für meine eigentlich weniger vorhandene naivität, aber auch dafür, dass es mir eben auch nicht darum geht meinen blog zu melken. mein blog ist immernoch ein hobby für mich. in erster linie geht es mir ums bloggen selbst und nicht darum mit pr-firmen möglichst gut bezahlte kooperationen auszuhandeln.

    der umgang mit pr- und werbeanfragen ist für mich und sicher auch für einige weitere bloggerinnen an einen lernprozess gebunden. weswegen ich auch nicht glaube, dass das etwas mit dem viel erwähnten alter zutun hat. ich bin 24, also im vergleich zu den meisten bloggerinnen schon recht alt. aber dadurch, dass mir nach 2,5 jahren bloggen immernoch neue situationen begegnen, treffe ich auch fehlentscheidungen.
    bei facebook-contests mache ich beispielsweise nicht mehr mit. dafür nehme ich gutschein-verlosungen meistens an, wenn meine leser etwas davon haben. wenn mir gutscheine für mich in einem angemessenen rahmen angeboten werden und ich mit den produkten des unternehmens etwas anfangen kann, nehme ich sie ebenfalls an. denn auch wenn das kleid in der herstellung vielleicht nur 10 € wert ist, hätte ich es mir selbst gekauft, hätte ich eben trotzdem 80 € auf den tisch gelegt. nur mal so als beispiel.
    eine weitere tatsache, die so glaube ich noch nicht angesprochen wurde, ist, dass viele eben auch einfach das nehmen, was sie kriegen können. nicht mal unbedingt weil sie nicht wissen, was die werbung auf ihrem blog wert ist, sondern auch weil eben meistens nicht mehr geht. so hat mary ja auch gesagt, dass auf ihre vergütungsvorstellungen meist keine rückmeldung der pr-agenturen kommt. da die meisten oder vielleicht sogar alle der erwähnten milchmädchenblogger nicht vom bloggen leben und eben gar nicht erst versuchen wie erwähnt mit kleidern und schmapus ihre miete zu bezahlen, freuen sie sich wahrscheinlich einfach nur, dass ihr hobby ab und an etwas abwirft.
    dass diese einstellung natürlich problematisch ist, weil sie für pr-agenturen wie ein gefundenes fressen ist, möchte ich nicht in frage stellen und so freue ich mich, dass diese diskussion sicher bei vielen ein bewusstsein für die wertigkeit des eigenen blogs hervorruft. trotzdem glaube ich, wie am anfang bereits erwähnt, dass es einfach nicht möglich sein, wird einen allgemeingültigen blogger-codex zu vereinbaren. dazu sind wir zu viele und vor allem zu viele denen diese diskussion egal ist, oder an denen sie vorbeigehen wird.
  • jana
    28.09.2010 um 22:04 Uhr
    ich halte das wort "milchmädchenblogger" für eine bezeichnung, die sämtliche Autoren, die darüber urteilen mögen, für derart überheblich, dass ich mir jede weitere diskussion oder rechtfertigung schlichtweg zu schade bin.
    Ich habe mich im video wiedergefunden nachdem auf meinem blog ein "milchmädchen"-kommentar hinterlassen wurde. überrascht war ich, weil ich nie gefragt wurde, ob und was ich überhaupt mit so einem eintag in dem ich für ein produkt werbe, verdiene. conleys gab mir freie auswahl für ein kleid bis zu 200 euro (nein, keine 20, wie mary (so hieß sie doch?) im video behauptete), es gab die chance einen 500 euro gutschein zu verdienen und brachte mir tatsächlich guten traffic. wirklich so dumm? wenn ich eine solche unterstellung anfange, ist eine ausreichende recherche wohl das mindeste. einen blogeintrag ist mir diese diskussion nicht wert. vielleicht für 1500 euro ;)
  • etna
    28.09.2010 um 22:09 Uhr
    hallo? diese blica, die hier so positiv hervorgehoben wird, hat keine 100 leser... natürlich hat sie mit ihrem blog noch kein geld verdient. das kann man doch nicht mit z.b. katja von bees... vergleichen!!! meine meinung!
  • Teresa
    28.09.2010 um 22:54 Uhr
    @Jana: War auch schon mein Gedanke, dass Milchmädchenblogger nicht die allerbeste Bezeichnung ist...
  • Cloudy
    28.09.2010 um 23:10 Uhr
    word, Katja!
  • Mircow
    28.09.2010 um 23:49 Uhr
    Entgeltliches "Geschäft" ist das Stichwort...
  • Lisa
    29.09.2010 um 00:38 Uhr
    @katja:
    ich freue mich, dass die diskussion hier zu fruchten scheint. Denn ich halte sie für wahnsinnig wichtig. Und auch wenn es vermutlich keine Bloggerpolizei und -gesetze geben wird, wäre es falsch aus diesem Grund NICHT über diesen Sachverhalt zu reden.

    Ja, du kennst Julia. Genau das war, denke ich, für viele Blogger ein Opener, eine Identifikation mit diesem neuen Blog. Das wurde von der Firma Moet sicherlichauch nicht zufällig genutzt. Julia hätte auch genauspgut als Ghostwriterin für diesen Blog Beiträge liefern können. Ihr Name war für das Aufstellen des Blogs ebenfalls sehr wichtig, denn sie stellt den Draht zu den Bloggern her, personifiziert das Modell der erfolgreichen und profesionellen Bloggerin. Diese Entscheidung über Moet und den neuen Blog zu berichten, hast du nicht als Einzige gefällt und dadurch wird der Wert dieser Information für deinen Blog gesenkt - ich möchte fast sagen, er hat negative Auwirkungen auf deinen Blog. Denn Blogs funktionieren noch immer über die persönliche Identifikation mit der Person (warum reine Corporateblogs es schwerer haben) und wenn diese Person sich ersetzbar macht, indem sie das tut, was alle andern tun, vermiest sie sich ganz klar ihren Vorteil.

    Ich erinnere mich noch an alte Zeiten, als es noch keine PR-Agenturanfragen gab und die überschaubare Bloggergemeinde in Deutschland wirkliche Inspirationen zeigte: es gab manchmal Bilder aus Editorials, die auf allen Blogs zu sehen waren. Schon dort zeigte sich häufiger Unmut dieser Flut auf allen Blog gegenüber. Wenn Themen "durchgereicht" werden, ist das für die Gesamtheit eben nicht zuträglich.

    In der Diskussion geht es nicht um einzelne Blogs partout, sondern um die Gemeinschaft. Klar wird die durch die einzelnen BlogbetreiberInnen geformt und daher schwer lenkbar. Die Vielfalt in den einzelnen Suppentöpfchen macht eine gemeine Qualität der Blogs aus. Deswegen solltest du dich nicht mit der Bildunterschrift als Person identifizieren - viel eher als Teil eines Phänomens.
  • Lisa
    29.09.2010 um 00:48 Uhr
    @ Jana:

    ich verstehe nicht, dass dieser Diskussion so unreflektiert abwertend gegenüber gestanden wird. Niemand verlangt eine Rechtfertigung, sondern eine Rechtfertigung von dir selber. Sicherlich ist diese Wortneushöpfung eine Kritik und vielleicht auch als Provokation zu verstehen - die vorgeschlagenen Inhalte und Anregungen von Mary stellen für alle Blogger einen Gewinn dar. Niemand maßt über irgendwen und stellt sich überheblich über irgendwas. Nur beginnt jemand die aktuellen Entwickungen zusammenzufassen und sie mit Humor und Scharfsinn den Ausführenden vorzuhalten.

    Deine Schilderung ist recht kurzfristig gedacht, denn wenn du von Conleys für eine ihrer Anzeigen einfach 200 Euro fordern würdest, dann könntest du dir Kleider oder Schuhe kaufen wo du willst. Diese Entscheidung wo du dein Geld ausgibst ist für die Firma total wichtig, denn soe wandert auch noch ein Gewinn in ihre Kasse. Überleg dir das doch mal: Du machst Werbung für die und gibst denen selber auch noch das damit "verdiente" geld zurück!

    Wenn du dich mit den Kosten für zum Beispiel eine kleine Wortanzeige auf Facebook erkundigen würdest, würden dir die Augen aus dem Kopf fallen. Auf deinem Blog stellst du deinen Namen, deine Zeit, deine Texte und auch noch dein Gesicht für eine Marke zur Verfügung - alles für lau! Würdest du bei einer Anfrage als Model zur Verfügung zu stehen, das auch umsonst machen? Bei einer Anfrage für einen anderen Blog Autorin zu sein? Bei einer Anfrage ein Photo von einem Kleid zu schießen? Bei einer Anfrage mal eben 200 Flyer in der Fußgängerzone für irgdendein Label auszuteilen? Und all das, wenn dir nicht jemand vorweg ein Lob für deinen Blog zusendet?

    Und was nützt dir der ganze Traffic, wenn du davon eh nichts hast? Anerkennung lässt sich auch in Besucerzahlen nicht messen...
  • Lisa
    29.09.2010 um 00:51 Uhr
    @etna: will man etwas ÜBER mode lesen - und ich meine nicht über produkte und werbung - sondern über tendenzen, aufmerksam beobachtete details, sehr gut verfasste texte, unabhängige kritiken, assoziationen zu aktuellen oder alten entwürfen, besondere accesoires, etc etc etc, dann sollte man sich meiner meinung nach diesen und diesen einen blog unbedingt zu gemüte führen: blica! und ich spreche hier ganz betont von qualität, dann die anzahl der leser sagt noch garnichts über die qualität eines blogs aus. und dafür gibt es quantitativbetrachtet in der bloggerszene wiederum genug beispiele. :-)
    bon nuit!
  • Roland
    29.09.2010 um 06:56 Uhr
    Also ich finde Kathrynsky und Anna Frost haben das schon ganz gut auf den Punkt gebracht: Werbliche Einträge müssen eben als solche gekennzeichnet werden und da kann/sollte jeder, der publiziert eben an sich arbeiten - da nehmen wir uns nicht aus. Im Bereich Streetstyleblogs ist es natürlich einfacher, denn da werden Outfits von der Straße veröffentlicht und die Werbung in der Spalte wird als "Ad" gekennzeichnet. That's it. Und dann hat man auch leichter reden über Modeblogs, bei denen die Diskussion über Produkte im Vordergrund steht.

    Wer über Produkte schreibt hat es da naturgemäß viel schwerer. Aber wichtig ist doch, dass der Leser Meinung von Werbung unterscheiden kann. PR-Agenturen hier zu verteufeln, finde ich im Übrigen falsch. Sie sind auch Partner, stellen sie doch Einladungen und Bildmaterial bereit. Was ist also nicht legitim daran, wenn man nun Blogs Angebote zur Kooperation macht? Einsteigen muss darauf ja niemand, wenn er nicht möchte oder findet, das Angebot passe nicht zu seinem Blog.

    Zwei Punkte noch:

    Wie viel Wert man mit dem eigenen Blog erzielt, und hier gibt es einen schönen Einwurf von Rene Schaller, das muss jede(r) selbst für sich herausfinden, indem sie/er bei Kooperationsangeboten einen Preis aufruft.

    Ich glaube nicht, dass dies eine Thematik ist, die ausschließlich die Blogosphäre betrifft. Wer durch die einschlägigen Magazine blättert, der findet Anzeige und redaktionelle Produktbeschreibung schon häufig von den Seiten her sehr nah beieinander.

    Und wenn dies nunmal ein Thema ist, das sich nicht ausschließlich auf Blogs erstreckt, sondern auch auf TV-Shows - in denen die Produkte platziert werden oder gedruckte Magazine, dann gibt es nunmal Medien, die ihren Kunden Zugeständnisse machen und Medien, die dies nicht tun.

    Das Problem: Für den reflektierten Zuschauer ist dies leicht zu entlarven, für viele hingegen nicht. Es gibt Fernsehproduktionen, die bieten ihren Kunden an, ganz eigene Rollen und Charaktere in ihren Soaps einzuführen, wenn dies gewünscht ist.

    Milchmädchenfernsehsender :-)
  • geige
    29.09.2010 um 08:08 Uhr
    Ich möchte der Jana zustimmen. Wer selbst auf einem so hohen Roß sitzt, dass er andere als Milchmädchen bezeichnet, der sollte sich auch selbst einmal in seiner Rolle hinterfragen. Auf eine solche Provokation muss man nicht eingehen. Das ist polemisch. Mary monetisiert den Erfolg ihrer Blogs mit ihren Vorträgen und die wären natürlich langweilig, wenn sie Platitüden in den Raum stellen würde, also stellt sie provokative Thesen auf. Lustig nur, dass sie gleichzeitig auch für die Premium Seminare gibt, "wie man mit Bloggern umgeht" und Unternehmen dann dafür viel Geld zahlen. Dies ist alles nicht überzubewerten, denn jeder schaut, wo er bleibt, die Milchmädchen ebenso wie die, "die es geschafft haben und es sich erlauben können".
  • Uwe
    29.09.2010 um 08:30 Uhr
    Kathrynsky hat die Diskussionslinks in einem Nachtrag noch einmal zusammengefasst: Bei Cool Outfit gibt es einen Komplettbeitragnachtrag zum Camp und dem Milchmädchenvortrag / der Diskussion., bei the urban maiden, blica und lion 4 queen gibt es noch mehr Gedanken - zudem bei harrcore
  • Tina
    29.09.2010 um 09:20 Uhr
    Sommers MARY AUF DER PR VERANSTALTUNG VON LANDS END !!! Okay, sie kennzeichnet es als solche - aber, das hat auch kein anderer verheimlicht!
  • Lisa
    29.09.2010 um 10:16 Uhr
    es wird niemandem vorgeworfen, wenn er werbung macht und kooperationen mit werbeagenturen eingeht. die frage ist nur für welchen preis man sich, seine arbeit, seine fähigkeiten und bei solchen werbebeildern auch sein gesicht zur verfügung stellt! vorallem denke ich nicht, dass sich mary auf ein hohes ross setzt - wieso wird sie angegriffen?
    sie hat einen missstand beobachtet und will einfach nur darauf aufmerksam machen. es geht in dieser ganzen diskussion darum, die augen zu öffnen für das potential, dass für blogger in solchen kooperationen bestehent. und ja pr-agenturen sind wichtig und können gute partner sein - aber nicht, wenn sie ihre kunden auf die auch sie angewiesen sind ganz frech übers ohr hauen. und das können sie nur, weil milchmädchenblogger eben nich wissen, was sie eigentlich machen könnten!
    wenn man einer saloppen anfrage von einem x-beliebigen label eine klare forderung entgegen stellt, dann macht man sich interessanter und seinen blog nicht zum ausverkauf. dann kommen auch kooperationen zu stande, die sinnvoll sind, denn die agentur wird sich genauer mit dem angefragten blog befassen und die inhalte abgleichen, bevor sie ressourcen in einen erkauften blogbeitrag stecken.
    ich denke viele blogger erhalten anfragen, wo sie sich denken "wtf? habt ihr euch meinen blog überhaupt man angesehen? was ihr mir vorschlagt passt vorne und hinten nicht."
    ich denke, dass dann auch ein qualitativer effekt der selektion eintreten würde - und das würde passendere themen und anfragen für die blogger bedeuten. und qualität von blogs würde wieder qualität für die leser sein. dann klappt's auch mit der anerkkenung.

    vielleicht geht es mary nur darum, einigen bloggern erstmal mitzuteilen, dass sie unter besseren bedingungen arbeiten könnten? und das ist für uns alle ein großer gewinn. aber ich fürchte, da steht die angst des einzelnen milchmädchens, etwas zu verpassen oder eben nicht dabei zu sein, einer solchen klaren selbstpositionierung im wege...
  • The Urban Maiden
    29.09.2010 um 13:04 Uhr
    Interessanter Artikel, den ich auch fairer formuliert finde als Marys Vortrag.
    Ich habe Marketing im Studium und mich auch im Abi mit Medienwissenschaften beschäftigt, weshalb ich schon nachvollziehen kann, weshalb diese Firma-Blog-Kooperationen, ohne bezahlte Leistungen, Ausbeute sind und obendrein die journalistische Transparenz gefährden.
    Allerdings kann ich jeden verstehen, der sich an solchen Aktionen beteiligt, weil er Spaß daran hat oder die dadurch entstehende Aufmerksamkeit genießt. Müsste man sich nicht auch eigentlich eine Steuernummer holen, Rechnungen schreiben und solche Späße? Wenn man etwas hobbymäßig betreibt, hat man bestimmt nicht unbedingt die Muße sich mit so etwas auseinanderzusetzen.

    Ich habe mich zu der Thematik auch geäußert: http://bit.ly/9Y3Q9j
  • Nadine
    29.09.2010 um 14:50 Uhr
    Der letzte Absatz dieses Artikels, war wirklich das Beste an diesem ganzem gelabbere hier.
  • julia lang
    29.09.2010 um 16:08 Uhr
    echt interessanter artikel!! und ich stimme auch teilweise enorm zu....
    auch ich, blogge erst seit einigen monaten und es ist schön sowas bereits am anfang zu lesen.... HILFREICH!!!
    vielen dank, weiter so :-))

    xxxx julia

    http://geeksndfashion.blogspot.com/

    http://geeksndfashion.blogspot.com/
  • Rene Schaller
    29.09.2010 um 19:36 Uhr
    ganz allgemein ist zu sagen, dass sich viele bloggerInnen in den irrglauben befinden dass statistiken etwas über einen blog aussagen. es ist vollkommen unwichtig ob 50, 100 oder 1.000 leute den blog lesen, solange es die richtigen leute sind. mich interessiert immer eher die wie lange die leser durchschnittlich bleiben, denn daran kann man besser erkennen ob man interessante inhalte liefert.

    problematisch finde ich, dass das thema ein resultat vergangenen fehlverhaltens ist. hätten die leitfiguren unter den bloggern, les mads und co., nicht ähnliches vorgelebt, gäbe es nun nicht dieses 'problem'. ausserdem sollte einfach niemand einen blog machen um etwas rausschlagen zu wollen, sondern weil bloggen spass macht.
  • Horst
    30.09.2010 um 00:03 Uhr
    @rene schön das endlich mal einer lesmads ins spiel bringt. danke! was wohl gefühlte 10 tage nonstop castro gekostet haben?
  • Miss Viki
    30.09.2010 um 18:16 Uhr
    Ich habe den Beitrag von Mary Sherpe sehr interessant gefunden und war über die emotionale Reaktion eigentlich fast überrascht, da ich ihre Kritik grundsätzlich für richtig halte. Über die Form und das Anprangern einzelner Bloggerinnen kann man natürlich diskutieren. Trotzdem, es gibt kaum ein Blog-Posting auf Fashion Blogs (egal ob mit oder ohne Aktivierung), wo nicht Labels, Marken, Produkte oder kommerzielle Websites in irgendeiner Form beworben werden. Ich glaube, dass sollte man sich bewusst sein, und den eigenen Wert des Blogs auch kennen. Und ich finde es ok und legitim, mit einem Blog Geld und/oder Geschenke zu verdienen, da viel Arbeit dahinter steckt. Bezahlte Werbung sollten natürlich als solche gekennzeichnet sein, aber die Grenze ist oft fließend, da in den meisten Fällen ein persönliches Interesse dahintersteckt. Ich glaube schon, dass die Blogospähre lernfähig ist, und solche Vorträge/Postings durchaus etwas bewirken.
  • julia lang
    05.10.2010 um 00:53 Uhr
    hallii hallooo...
    hahha mal was anderes... ich lebe bis mitte januar in new york - vll auch länger.. brauch hier blogger unterstüzung..
    kennt hier jmd blogger aus nyc oder kommt jmd von euch nach nyc??!!!
    lasst es mich wissen :-)))

    LOVEE julia

    http://geeksndfashion.blogspot.com/
  • Petralein
    22.03.2012 um 17:59 Uhr
    Der Codex für Blogger heißt Freiheit und Kreativität, ob man über Milchprodukte oder Champagner kaufen schreibt. Eure Petra

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