Artikel

Sandra Smilla Dankert: "Ich möchte Leute ansprechen, die echt sind."

Gepostet am 20.11.2009 von Cosima

Sandra Smilla Dankert ist gelernte Damenschneiderin. Heute ist sie verantwortlich für das Kostümbild und Styling in Kino, TV, Musikvideos und auch für Shootings. Ein sehr vielseitiger Job, bei dem das Interesse an Menschen und Kleidung natürlich Vorraussetzung ist. Genau dieses Interesse hat sie auch dazu bewegt, ihr eigenes Blog zu schreiben. Dafür zieht sie durch Deutschlands Straßen und fotografiert Menschen, die sie durch ihren Kleidungsstil und ihr Auftreten inspirieren und stellt diese auf der eigenen Seite "Anders anziehen" vor. Eine interessante Geschichte, findet styleranking, und hat die Kölnerin für euch interviewt.

Viel Spaß mit dem Interview... 

Sandra Smilla Dankertstyleranking: Wir sind durch dein Blog auf dich aufmerksam geworden. Doch sicherlich hast du auch einen "richtigen" Beruf, erzählst du uns etwas darüber?

Smilla: Ich bin freischaffende Kostümbildnerin für Fernseh-und Kinofilme. In diesem Bereich arbeite ich seit über 17 Jahren. Lange als Assistentin, seit zehn Jahren als eigenständige Kostümbildnerin. Daher rührt auch mein enormes Interesse an Menschen und ihrer Kleidung. Mich begeistert es, wenn ich den Eindruck habe, jemand drückt sich selbst authentisch über seine Kleidung aus; ist darin "zu Hause". Wenn dann noch Humor, Konsequenz, Mut, Verantwortungsbereitschaft, Verspieltheit, Purismus oder was auch immer darin zu erkennen sind, dann wird mein Interesse definitiv geweckt. Neben den Filmen mache ich auch Kleidungsberatung für Privatkunden, Musiker, Solokünstler usw. Das ist eine schöne Ergänzung, denn es ist ein anderer Ansatz als das "Figuren erfinden".  Sozusagen aus der anderen Richtung. Außerdem bin ich seit diesem Jahr Gastdozentin an der IFS Köln im Bereich Kostümbild. Da unterrichte ich Schauspielerkontakt und Kommunikation. Das macht großen Spaß.

styleranking: Was machst du in deiner Freizeit, wenn du nicht gerade Menschen fotografierst? Oder könnte man sagen du hast dein Hobby zum Beruf gemacht?

Smilla: Also den Unterschied zwischen Freizeit und Arbeit, den mach ich gar nicht so. Das wäre auch fatal, denn wenn ich an einem Film arbeite, tu ich eigentlich nichts anderes. 14-Stunden Tage sind ganz normal, gerne auch mal länger. Man muss diesen Beruf schon wirklich lieben und mit ihm verschmelzen auf eine Art. Sonst bringt man gar nicht die Energie auf dafür. Mit allem was ich tue, identifiziere ich mich in der Regel sehr. Wenn das nicht der Fall ist, wird es für mich sehr anstrengend.

Sandra Smilla DankertSandra Smilla Dankert

Auf den Straßen laufen Smilla die verschiedensten Typen vor die Linse. Fotos (9): Sandra Smilla Dankert

styleranking: Wie kamst du auf die Idee Menschen auf der Straße zu fotografieren und zu befragen?

Smilla: Ich habe schon immer Menschen auf der Strasse fotografiert, denn dort finde ich viele Ideen und Anregungen für Film-Kostüme. Menschen zu beobachten, ohne dabei zu urteilen, sondern wirklich interessiert hinzugucken, das ist Grundlage für meinen Beruf. Die Bilder die ich vor dem Blog gemacht habe, dienen aber ausschliesslich zur Recherche, denn ich habe vorher nie um die Erlaubnis für Veröffentlichung gefragt. Die Idee einen Streetblog zu machen, hatte ich schon eine ganze Weile im Kopf, aber wie es so ist, brauchte es eine Weile bis zum inneren Startschuß. Ich sehe so oft Menschen mit ihren Eigenheiten und einem persönlichen Stil und ich denke, es ist einfach toll, das zu zeigen - vor allem mit einer gewissen Altersbandbreite. Die derzeit Jüngste in meinem Blog ist acht, die Älteste 97!

styleranking: Wie gehst du auf die Menschen zu und wie reagieren sie? Hast du schon besonders positive oder auch negative Erfahrungen gemacht?

Smilla: Ich spreche sie einfach an, ganz spontan. Wenn mir jemand auffällt, entscheide ich in der Regel ganz schnell "ob" oder "ob nicht". Dabei spielt auch Sympathie eine Rolle, und es ist mir ganz wichtig das Gefühl zu haben, jemanden anzusprechen der "echt" ist, und nicht einfach nur modern oder schrill. Mir ist schon wichtig, dass die Menschen irgendwie bei sich sind. In der Regel sind die Reaktionen positiv. Menschen die unwirsch sofort ablehnen, meinen vermutlich auch weniger mich, als dass sie einfach überhaupt nicht von Fremden angesprochen werden möchten. Diejenigen, die ihr Foto nicht öffentlich gezeigt wissen wollen, hören meist erst mal zu und sagen dann Nein. Das respektiere ich, ich versuche nie jemanden zu überzeugen.

Sandra Smilla Dankert

Mit Kamera bewaffnet begibt sich Smilla in den Kölner Straßen auf die Suche.

styleranking: Gibt es ein Lieblingsoutfit, das du auf der Straße gesehen hast?

Smilla: Nein, ich bin überhaupt nicht festgelegt. Ich merke aber, dass mein Blick immer ein anderer ist. An manchen Tagen fallen mir mehr chice, junge, alte, wilde Menschen oder nur Männer oder Frauen auf. Da hab ich wohl sowas wie eine Tagesform.

styleranking: Hast du Lieblingsplätze oder Lieblingsstädte, in denen du tolle Leute triffst?

Smilla: Interessante Menschen kann man überall sehen, Lieblingsplätze hab ich keine. Sicher ist es immer leichter dort, wo viele Menschen sind. Und sicher gibt es "reizarme" Orte, wie zum Beispiel kürzlich Aschaffenburg, wo ich beruflich war und mir einfach fast niemand durch einen ganz eigenen Ausdruck wirklich aufgefallen ist.

Sandra Smilla Dankert

styleranking: Holst du dir selbst auch Inspiration auf der Straße? Wie würdest du deinen eigenen Style beschreiben?

Smilla: Als Kostümbildnerin hole ich mir extrem viel Inspiration auf der Strasse. So manches Kostüm ist entstanden, weil ich irgendein Detail bei jemandem gesehen hab, um das herum ich mir dann den Rest ausdenke. Das spannende am Kostüme machen ist ja, dass eine erfundene Person im Film zum Leben erweckt werden soll. Und das geht natürlich auch ganz stark über's Kostüm. In jeder Kleidung, jedem Schuh fühlt und bewegt man sich anders. Das hilft den Schauspielern auch enorm, in eine Rolle hineinzufinden und sie zu verkörpern. Deswegen ist es so interessant, reale Menschen auf der Strasse zu beobachten und eben einen Blick zu haben für die ganze Vielfalt, die da zu finden ist. Reine Mode allein weckt nicht meine Leidenschaft in dem Ausmaß wie es der Mensch in seiner Kleidung auf der Strasse tut. Deshalb frage ich die Leute auch ein bisschen was, und schreibe kurze Texte. Viele fremde Menschen sieht jeder jeden Tag. Ich mach den Schritt weiter, und damit die Oberfläche etwas greifbarer, verstehbarer.

styleranking: Was sind deine persönlichen Trends für den kommenden Winter und für das Jahr 2010? Gibt es bei dir etwas wie Must-Haves oder Lieblingsstücke oder würdest du sagen, dass das eher zweitrangig ist?

Smilla: Also Must-Haves und solcherlei Dinge habe ich nicht, da kann ich nicht mit dienen. Ich bin auch definitiv kein Fashion Victim, und ich würde sogar sagen, ich ziehe mich selbst fast nebenbei an. Es muss mir gefallen und ich muss mich wohlfühlen. Im Moment trag ich gern Kleider. Ich kann auch ohne die neuesten Stiefel von XY nachts ganz gut schlafen. Wenn ich die Kleidung für eine Rolle zusammenstelle, bin ich viel akribischer und lasse nichts unversucht, bis es ist wie ich es mir ausgedacht habe. Wenn ich private Kleidungsberatungen durchführe, dann beziehe ich natürlich die aktuelle Mode mit ein. Wichtiger ist mir aber auch dabei, den Kunden/innen zur eigenen Kleidungsidentität zu verhelfen und sie zu bestärken, sich selbst so zu zeigen wie sie sind. Und nicht wie irgendwer meint, dass sie sein sollten. Deswegen vermeide ich auch ganz bewußt das Wort Typberatung.

Sandra Smilla DankertSandra Smilla Dankert

Die jüngste im Blog ist gerade mal acht (links).

styleranking: Da du Kostümbildnerin für Film und Fernsehen bist, interessiert uns natürlich auch bei welchen Filmen du so mitgemischt hast?

Smilla: Zuletzt "Vulkan" auf RTL, dann "Kammerflimmern" mit Jessica Schwarz und Matthias Schweighöfer und "Nichts bereuen" mit Daniel Brühl und Jessica Schwarz. Das sind so die Filme, in denen sehr viel Herzblut steckt, aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Sandra Smilla DankertSandra Smilla Dankert

styleranking: Und zuletzt: Verrätst du uns deine Vorsätze, Wünsche oder Hoffnungen für das neue Jahr?

Smilla: Beruflich wünsche mir einen tollen Film mit einer schönen Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden. Schöne Streetfotos möchte ich machen,  Reisen und auch dabei fotografieren. Mir ist Bewegung sehr wichtig, im Innen und im Außen, und so wünsch ich mir immer Entwicklung und niemals Stillstand. Für mein Blog wünsche ich mir, dass die Bilder nicht bloß konsumiert werden und dass viel Dialog mit anderen Lesern und Bloggern stattfindet. Ich finde es toll, zu sehen, wenn Kleidung nicht automatisch mit Fashion verklebt ist. Da gibt es auch tolle Beispiele in Blogs wie "On the corner" aus Buenos Aires oder "Mister Mort" aus New York.

styleranking: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

 

Neuer Kommentar

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Werde Braun Silk-epil SkinSpa Tester!
Wie organisiert bist du? Mach den Sigel-Test!
Anzeige
Two for Fashion
Gewinne Tickets für die Star Wars Celebration Premiere in Deutschland

Style-Voting

Welcher Look gefällt dir besser?



Fashion Videos

Anzeige

Aktuelle Gewinnspiele

Kreiere dein aussume Summer-Shirt & gewinne eine Australien-ReiseGewinne 1x 2 Karten für das Finale von "Germany's next Topmodel"Gewinne Tickets für die Star Wars Celebration Premiere in Deutschland

Styleranking auf Facebook

Matching Game

Matching Game

Forenbeiträge

Bikini-Figur trotz Schilddrüsenunterfunktion?
HalloMe am 15.05.2013: Hallo zusammen! Wisst Ihr wie man trotz Schilddrüsenunterfunktion abnehmen ... lesen
Wie kauft ihr Dessous?
DramaBaby am 15.05.2013: Heey, hab endlich raus, wie man hier Links posten kann. :) Also auch hier noc ... lesen
Sommerfrisur :)
DramaBaby am 15.05.2013: Sonst kannst Dich ja auch mal hier umschauen: Glamour (wenn das mit dem Li ... lesen
Zu den Foren