Artikel

Von Frauen-Fassaden und denen, die sie bemalen

Gepostet am 17.02.2012 von Yavi

Von Yavi Bartula, Düsseldorf

Ich habe heute Morgen mit einem Freund über Emanzen gesprochen. Für ihn der zeitgenössische, erfolgsorientierte und emotional distanzierte Frauentypus, der maßgeblich am Scheitern der meisten Beziehungen verantwortlich ist. Das hat mich kurz nachdenklich gemacht. Sind die modernen Frauen heutzutage alle gleich - und wenn nicht, wie dann?

blogobserve: frauen im netz

Und so schaute ich bei meiner heutigen Blogrundschau vor allem auf die äußeren Erscheinungen und Auftritte von Frauen im Netz. Natürlich ist das Internet ihre Bühne und sie zeigen sich in einem schützenden, bewusst inszenierten Gewand - aber ist das nicht genau das, was mein Freund meint? Eine künstliche Fassade, schön und makellos gestrichen, die keinerlei Zugang zur empfindlichen Seele dahinter erlaubt? Dann bleibt aber immer noch die moralische Frage, ob das überhaupt falsch ist und nicht einfach ein instinktiver, menschlicher Versuch, sich gegen die kritische und oft zerstörende Gesellschaft zu wehren?

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Die Erörterung dessen würde ins Unendliche gehen und hätte Doktorarbeit-Potenzial.  Was aber sehr interessant für mich wurde, waren die verschiedensten Darstellungen des vermeintlich schwächeren Geschlechts, was aber stärker ist, als sich so mancher Mann wünscht. Und manchmal nicht schön genug, um von einem (schwulen) Mann ikonisiert zu werden (dazu ein sehr interessanter, inspirierender Beitrag von Rene Schaller).

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Die Rollen der heutigen WWW-Weiber sind so verschieden, wie Lady Gagas Kostüme bei einem einzigen Gig oder die Abendkleider von irgendwelchen Menschen beim Wiener Opernball. Da gibt es bewundernswert authentische Frauen wie Adele (wunderschön auf dem aktuellen Vogue-Cover) oder Angela Merkel, die im krassen Kontrast zu den Bachelor-Finalistinnen, selbsternannten It-Girls oder einfach Barbie stehen. Apropos Barbie - da gibts ja auch noch die, die wirklich so aussehen, es bewusst betonen und damit Geld machen (Stichwort Daniela Katzenberger, Paris Hilton). Die werden für gewöhnlich von denen gehasst, die früher Jungs verprügelt, statt mit Puppen gespielt haben. Avril Lavigne oder Hella von Sinnen. Und dann die, die gar nicht gespielt haben, sondern alleine apathisch auf der Wiese saßen und Kühe, Beerdigungen oder vorbeifahrende Züge beobachteten. Vermutlich Lana del Rey und Liliana Matthäus. Und von denen grenzen sich natürlich die Frohnaturen ab, die mit breitem Grinsen und geschlossenen Augen über die Wiese springen und vor Glück weinen, wenn zwei Häschen genüsslich rammeln. Frauen wie Uschi Obermaier oder Brigitte Nielsen vielleicht? Und die kriegen dann von denen auf die Fresse, die kleine Kinder quälen und im Laden stehlen. Denkt da nur an Britney und Winona. Und letztlich gibt es natürlich die Frauen, die vermutlich selbst nicht wissen, wer sie sind, was sie selbst und was die anderen von ihnen wollen, die mal lachen und mal weinen, gut oder schlecht aussehen, über Wiesen oder Bildschirme in der ganzen Welt springen, die dann an diesem Wirrwarr zerbrechen. Mögen sie in Frieden ruhen.

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Nun gut, zurück zu uns und meinen lebendigen Entdeckungen, deren Visagen im Netz für immer einfrieren. Die meiner Meinung nach tollste Plattform für Frauenbilder ist das Portal les femmes, das eine Vielzahl an unterschiedlichsten Bildern mit unterschiedlichsten Motiven archiviert. Hier sind sie alle - die provokanten, die minimalistischen und die unbeschreiblich Schönen. Die Schönen machen ihr Körpermaterial meistens zu Geld, werden entweder schneller befördert oder gleich ein Model. Zunehmend wird von denen auch markante Persönlichkeit erwartet - und die dann erfreut wahrgenommen gelobt. Wie von weareuneak, die Model Beegee Margenyte einen ganzen Blogpost gewidmet haben. Und wenn Schönheit zu langweilig wird, wird ohne BH im Park gejoggt, ein komisches Outfit übergestülpt oder das Haare bunt gefärbt. Oder zumindest von hell auf dunkel, wie die Bloggerin von Bonjour Mademoiselle.

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Neben Frauen mit rein optischen Auftritten fand ich auch solche, die sogar gut aussehen, wenn sie Sinnvolles leisten und sich engagieren. Wie Maxi von Mini Maximum mit ihren Mädels bei der Stop Acta Demo. Dann die Arbeit von kreativen Frauen, die die weibliche individuelle Optik vergleichend neben Lebensmittel stellen und damit mit neuen Perspektiven über die oberflächlichen Outfits hinaus schauen. Und dann schaffen es manche, ohne Worte, ohne Vergleiche und ohne Aufwand, nämlich dann scheinbar doch nur mit einem Outfit, sehr viel Tiefe zu erzeugen. Wie die Kleine Diva in Paris oder Ivania von Love Aesthetics. Junge und frische Mädels, die ihre Stile suchen oder schon gefunden haben und mit ihnen ihren Charakter zur Schau tragen. Doch sind Stil und Mode wirklich eine Frage des Alters, oder sind genau diese zwei Faktoren nicht erst dann authentisch und ernst zu nehmen, wenn der Erfahrungsschatz größer ist, als das der begehbare Kleiderschrank, der High Heel oder der Wunsch nach Anerkennung, Erfolg und Macht? Also bei älteren Damen, die nichts mehr zu verlieren haben, loslassen, Lebensfreude durch Kleidung zum Ausdruck bringen und deswegen oft kritisch gemustert werden? Frauen wie die vorgestern verstorbene Zelda Kaplan?

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Ich gebe meinem Freund Recht. Die meisten Frauen, die ich kenne (oder meine zu kennen), sind lebende Litfasssäulen, mal mit interessanter, mal mit langweiliger und mal ganz ohne Werbung, deren Inhalt aber komplett tapeziert und für die meisten meistens verborgen ist. Das ist die neue Frauengeneration, die sich in der Ellenbogengesellschaft behaupten muss, um beachtet zu werden. Keine Beachtung, kein Selbstwertgefühl, kein Selbstvertrauen, kein Selbstbewusstsein. Leere, die nur mithilfe externer Einwirkung aufgefüllt wird. Chronische Abhängigkeit von dem Umfeld, das einen wahrnimmt oder nicht. Davon können die Litfasssäulen bestimmt ein Liedchen singen. Was am Ende aber bleibt und für uns relevant ist, ist eine spannende Vielfalt an mutigen Frauen, die ihre Rollen mit Leidenschaft spielen. Frauen, die nämlich nicht alle gleich sind. Frauen, deren Inhalt wir vielleicht auch gar nicht sehen wollen. Hoch lebe das Internet.     

 

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