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Das perfekte Model: Das Unglück kommt selten allein
Gepostet am 01.02.2012 von Yavi
Von Yavi Bartula, Düsseldorf
"Das perfekte Model" darf nicht essen, bauchfrei tragen oder muskulöse Arme haben. Könnte man meinen, wenn man die erste Folge der GNTM-Konkurrenz mit Eva Padberg und Karolina Kurkova gesehen hat. Sie wollen offensichtlich authentisch, herzlich und nett wirken, vermitteln aber eher den Eindruck intoleranter Model-Maschinen, die sich gegenseitig am liebsten die Augen auskratzen würden.
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Tadaaaa - da sind sie, die nettesten und schönsten Jurorinnen Deutschlands und wirken volksnah, wie Heidi es niemals sein wird. Foto: VOX/VP
Wenn der Punkt mit der Authentizität bei der Szene, als KK (wie sich Karolina neckisch selbst nennt) und Eva auf ihren Drahteseln um die Ecke geradelt kommen, abgehakt sein soll, dann müssen wir an der Dramaturgie der Produktionsfirma zweifeln. Wenn KK weint, weil sie generell ein emotionaler Mensch ist, dann klappt das mit der Authentizität schon eher. Und wenn KK und Eva während des Todsünden-Shootings synchron aufschreien, das Essen sei nur zum Spielen und nicht zum Verzehren da, wenn sie eine sportliche Kandidatin mit der Begründung ablehnen, ihre Arme würden nicht in Haute Couture passen und wenn sie eine andere mit herablassendem Blick mustern und sie fragen, wer ihr zu dem bauchfreien Top geraten hätte, dann sind sie authentischere Models denn je. Doch auch irgendwie grausam. Wollen wir das?
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Kurz nach diesem - zugegebenermaßen - noch ausbaufähigem Walk, machte Eva danach demonstrativ vor, wie man es richtig macht. Ehrfürchtig sah die Kandidatin ihre Fehler ein. Foto: VOX/VP
Sie machen zumindest kein Geheimnis daraus, dass Modeln ein knüppelharter Job und nicht bloß ein lustiger Wet-T-Shirt-Contest ist, den man mit reichlich Alkohol im Blut bis zum Schluss breit lächelnd und hüpfend durchstehen kann. Aber die Brust - ja, die ist wichtig. Die kann dann auch ruhig gefaked sein, wie der Fall Keri zeigt. Die Drag-Queen kommt eine Runde weiter, obwohl sie doppelt so dicke Arme wie die Muckibude-Abonnentin hat. Wie war das nochmal mit der Authentizität? Das erinnert schon vielmehr an ein klassisches Privatfernsehen-Instrument, um etwas mehr Schwung in die monotone Öde zu hauchen. Funktioniert übrigens auch, wenn viel Haut gezeigt wird. Egal, ob die schüchterne Josephine, die wegen ihres eifersüchtigen Ehemannes ihren Model-Traum niemals leben durfte, als einzige zusätzlich nur im knappen Bikini über den Runway wackeln muss und erst DANN weiter kommt, oder ob beim finalen Gruppen-Kuscheln der eine oder andere Rock hoch rutscht und den blanken Hintern des netten Mädchens von Nebenan zeigt. Entschuldigt. Aber wer das immer noch nett findet, der reserviert auch zwei Wochen lang jeden Abend für das Dschungelcamp und hält Dieter Bohlen für den lieben Onkel, der für seine Schützlinge nur das Beste will.
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Josephine, hier ohne Bikini. Das war der Jury nicht genug. Was ihr Ehemann wohl dazu sagte? Wir hoffen für sie nur das Beste. Foto: VOX/VP
Und wie steht's um den Team-Play zwischen Chef-Blondine 1 und 2? Tja. Sie koexistieren eigentlich nur. Alle näheren Interaktionen wirken gespielt, missgünstig, berechnend, zickig. Wer genau hinschaut, sieht Disharmonien und Konkurrenzspielchen. Oder wieso zischen böse Blicke hin und her, wenn es um die Gewinnung einer Kandidatin für das eigene Team geht? Und wieso weist Eva KK mit einer abwertenden Handbewegung und dem Argument, sie sei nicht die Entertainerin, in die Schranken, als diese den Beat zu "Crazy in Love" in schiefen Tönen anstimmt? Wer das auch immer noch nett findet, der klatscht bei dem explosiven Beyoncé-Tanz des Transvestiten enthusiastisch in die Hände und ruft laut: "Lang lebe die Toleranz und Nächstenliebe!" - und vergisst, dass es hier nur um Einschaltquoten, Machtkämpfe und Image-Politur geht. Nicht um politische Statements.
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Die Drag Queen Keri mag es nicht, wenn andere hinter dem Rücken über sie reden. Umso mehr freut es sie, dass KK sie für die beste Catwalk-Läuferin hält. Foto: VOX/VP
Da fragt man sich doch glatt, was besser ist: Heidis zuckersüße und klebrige Schleimspur, die vor lauter Photoshop, Grundschul-Texten, Glitzer und qiekenden Stimmchen wenigstens als hübsch verpackte Requisite in einer Schulaufführung den großen Auftritt erlebt, oder die arrogante und leicht schizophrene Diven-Show von den Mode-Mammuts Karolina und Eva, tückisch versteckt im misslungenen Heiligen-Kostüm von zwei Mutter Theresas, die sich liebevoll um ihre Mädels kümmern wollen. Da haut man ihnen auch mal zärtlich auf die Fingerchen, wenn sie von dem Truthahn oder den kalorienhaltigen Weintrauben kosten. "Nicht schlucken!", ruft Mama Eva ganz erschrocken und fürsorglich, als ginge es um Leben und Tod. Wer das immer noch nett findet, der übersieht auch die Geschmacklosigkeit des Gruppen-Shoots mit dem querschnittsgelähmten Mädchen im Rollstuhl, das sich im Mittelpunkt eines Zirkels voller aufgestylter "Models" mit langen gesunden Beinen den abwertenden Blicken hingeben muss.

Die Todsünde Wolllust. Immerhin haben die Mädels noch etwas an. Foto: VOX/Carsten Sander
Und was sagen die Zuschauer? Die Reaktionen bei Facebook zeigten gestern eine Tendenz zu dem vermeintlich friedlichen Doppelpack, die "Welt" findet sie "lieb" und die Sendung "unaufgeregt", die "Süddeutsche" findet dafür wenigstens das Synonym "langweilig" und der "Stern" findet's immerhin "blöd". Und was sagen die Quoten? Durchschnittlich, konstatiert der Focus.
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Das nannte Eva eine "Herausforderung". Es ist aber vor allem hart an der Grenze zur absoluten Geschmacklosigkeit. Foto: VOX/Carsten Sander
Vielleicht haben die meisten endlich verstanden, dass es eben auch nur eine Just-another-Casting-Show ist. Eine, die zur Belustigung der gelangweilten Allgemeinheit langweilige Mädels tuned und sie zur Schau stellt. Eine, die nicht nur langweilig, sondern überflüssig ist. Dabei ist dann auch eigentlich egal, welches blondierte Alphatierchen am Ende des Catwalks sitzt, den Kandidatinnen "Ja" oder "Nein" entgegen schmettert und dabei auf eine böse oder liebe Art und Weise Gott spielt. Wenn es darum geht, sind sie alle gleich. Sowohl die Jurorinnen, als auch die Kandidatinnen.
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3 Kommentare
Esther
01.02.2012 um 18:07 Uhrich hab die erste folge verpasst, werde mir die zweite ansehen und mir ein eigenes bild machen. aber ich bin jetzt schon überzeugt, dass ich mit euch einer meinung sein werde. danke für diesen ehrlichen und direkten artikel.
01.02.2012 um 18:18 UhrIhr habt nicht verstanden, dass "Keri" nur außer Konkurenz eine Runde "weiterkam"? Also nicht tatsächlich - das war von Anfang an klar. Und die "bösen Blicke" zwischen "KK" und Eva, die Ihr ihnen erstaunlicherweise abgenommen habt, waren eben Beweis dafür, wie schlecht die beiden schauspielern. Denn in Wirklichkeit ist da keine Konkurrenz, keine Freundschaft, nur Gleichgültigkeit.
Alexander
02.02.2012 um 09:29 UhrBesser hätte man das nicht zusammenfassen können!
