Macht und Mode - Helmut Newton Retrospektive im Pariser Grand Palais
Gepostet am 27.03.2012 von Tanja Kuchenbecker
Von Tanja Kuchenbecker, Paris
Kaum jemand wusste Frauen so als Macht zu fotografieren wie Helmut Newton. Noch bis heute gilt der aus Berlin ausgewanderte Newton (1920-2004) als einer der einflussreichsten Modefotografen der Welt. Mode, Luxus, Geld und Macht waren seine bevorzugten Themen. Wenn man durch die große Retrospektive (bis 17.Juni) mit über 200 Werken im Pariser Museumspalast Grand Palais wandert, fällt einem vor allem eins auf: Besonders mächtig wirken die nackten Frauen ohne Luxuskleidung.

Newton fotographierte echte Powerfrauen. Fotos: Newton
In den 60er Jahren und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts begann Newton in Paris Furore zu machen. Er passte in die Zeit der Frauenbewegung, auch wenn seine Fotografie ein wenig zu erotisch dafür war. Doch starke Frauen waren sein Lieblingsthema. Frauen als Verführerin, dominante Frauen, eiskalte Frauen, beeindruckend oder gar einschüchternd wirken sie. Besonders in den 80er Jahren, als auch die Mode die Amazone entdeckte und knallharte Geschäftsfrauen plötzlich Furore machten, war Newton in seinem Element. Er ließ sich durch Alfred Hitchcock, aber auch durch klassische Malerei beeinflussen, Tabus gab es für ihn nicht.

Spielerisch, aber dennoch dominant in Szene gesetzt.
Egal ob angezogen oder nackt, seine erotischen Frauen tragen High Heels. Wie Skulpturen wirken viele von ihnen, fast ein wenig weltfremd, manches davon würde man heute vielleicht auch als „Porno Chic“ bezeichnen. Häufig findet sich die Mischung aus Provokation und Humor. Newton selbst erklärte mal, er fühle sich angezogen vom schlechten Geschmack. Ausgesucht hat die Werke seine Frau Jude Newton, mit der er fast 60 Jahre verheiratet war und die auch als Fotografin unter dem Namen Alice Springs bekannt wurde.

Modefotographie auf hohem Niveau.
Wer sich die Bilder anschaut, erkennt sofort den Unterschied zur heutigen Modefotografie, die viel mehr auf die Kleidung fixiert ist, als auf die Person der Trägerin, die völlig hinter der Luxusrobe verschwindet. „Helmut hatte sein Objekt im Blick. Er suchte die Persönlichkeit der Frauen“, sagte Modefotograf Peter Lindbergh deshalb. Auch wenn vieles auf den Fotos für den heutigen Geschmack vulgär oder gar brutal wirken mag, vielleicht sollte man mal wieder einen Blick auf Newtons Leitspruch werfen: “Ein gute Modefotografie darf an alles erinnern, nur nicht an ein Modefoto. Ein Porträt, ein Souvenirfoto oder ein Paparazzi-Foto.“ Dann würden Modefotos vielleicht auch wieder mehr Geschichten erzählen und nicht nur Kleidung verkaufen.

Eine Ausstellung starker Frauen mit viel Persönlichkeit. Foto: Affiche Réunion des musées nationaux - Grand Palais
Ausstellung bis 17. Juni, jeden Tag von 10-22 Uhr außer Dienstag.
Tanja Kuchenbecker berichtet aus Paris über Politik bis Prêt-à- porter, unter anderem für das Handelsblatt, den Axel Springer Verlag und N24 und ist Buchautorin von Le Fettnapf: Wie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen

















