Karl Lagerfeld und die Homo-Ehe bei Chanel
Gepostet am 22.01.2013 von Tanja Kuchenbecker
Von Tanja Kuchenbecker, Paris
Seine politischen Botschaften versteckt Karl Lagerfeld gern hinter seinen Kreationen. Doch diesmal war das Statement ganz offensichtlich. Zu Ende seiner Haute Couture Schau von Chanel schickte Lagerfeld zwei Frauen im Hochzeitskleid mit einem Kind auf den Laufsteg. Der 79jährige Designer plädiert für die „Homo-Ehe“ oder wie es seit Wochen in Frankreich heißt die „Ehe für alle“.
Die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Beziehungen, die die sozialistische Regierung in Paris einführen will, sorgt seit Wochen für Aufruhr, Kritik und große Demonstrationen von Gegnern in Paris. Sie sehen die Tradition in Gefahr. Doch Lagerfeld erzählte nach seiner Schau: „War das nicht schön?“ Das sei doch alles sehr melancholisch, romantisch und dramatisch gewesen. Er wolle die gleichgeschlechtliche Ehe unterstützen und warum sollen nicht alle heiraten können? Was das Baby auf Bestellung angeht, da war sich der deutsche Modezar allerdings weniger sicher.
Das Brautpaar war ganz klar das stärkste Bild. Doch auch sonst steckte Chanel wieder voller Ideen, angefangen mit der Dekoration im „Grand Palais“, die eine von Bäumen umgebene Theaterbühne am Strand darstellte.
Passend dazu war die dramatische und teilweise auch dekadente Mode im Gothiklook mit viel Spitzen, Blumen und Federn. Einige Models sahen mit ihren schwarz geschminkten Augen, zotteligen Haaren und weißen Federroben wie gefallene Engel aus.
Tanja Kuchenbecker berichtet aus Paris über Politik bis Prêt-à-porter, unter anderem für das Handelsblatt, den Axel Springer Verlag und N24 und ist Buchautorin von Le Fettnapf: Wie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen.
Chanel Haute Couture

















