Head of Dior Make-up

Norman Pohl: "Instagram eignet sich perfekt, um meine Arbeit zu zeigen"

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
23.12.2019 / 11:00 Uhr

Norman Pohl arbeitet als Chef Make up Artist für Dior Make-up und auch nach 18 Jahren schwingt er mit Liebe und Leidenschaft den Pinsel. Er arbeitet mit großen Stars zusammen, reist um die Welt und lässt seiner Kreativität freien Lauf. Was er an seinem Job am meisten liebt? Andere Menschen glücklich zu machen, wie er uns im Interview erzählt.

Wir treffen Norman zum Interview im Rahmen der Bunte Beauty Days. Mit uns spricht er über seine Anfänge als Make-up Artist, seine größten Inspirationen und die Rolle von Social Media in seinem Berufsleben.

Crew Member Franzi trifft Norman Pohl im Rahmen der Bunte Beauty Days zum Interview.   Copyright: styleranking

styleranking: Wie bist du Make-up Artist geworden?

Norman Pohl: Nach meinem Abitur in Mathematik und Englisch plante ich, eine Ausbildung zum Diplom Betriebswirt bei der Deutschen Bank anzufangen. Mir hätte auch ein duales Studium zugesagt, aber ich musste Zivildienst leisten. Das dauerte 13 Monate und danach hätte ich elf Monate auf den Beginn des Studiums warten müssen. Da habe ich mir noch mal Gedanken zu diesem Berufswunsch gemacht. Ich hatte ja bereits ein anderes Talent: Seit meinem siebten Lebensjahr tanze ich. Gemeinsam mit meiner damaligen Freundin tanzte ich lateinamerikanische Salsa. Für die Turniere habe ich meine ehemalige Freundin geschminkt und gemerkt, dass ich ein Händchen dafür habe. Also startete ich eine Ausbildung zum Make-up Artist.

styleranking: Was hat dich zu Dior geführt?

Norman Pohl: Mein Ausbilder lobte mich für meine Arbeiten und gab mir den Tipp, zur Dior Modenschau zu gehen, die gerade in Berlin stattfand. Also zog ich mich schwarz an, sammelte meine Pinsel zusammen und besuchte die Show. Dort bin ich einfach in den Backstage-Bereich gehuscht. Die anderen Make-up Artists erkannten, dass ich nicht zu ihnen gehörte und wollten mich wegschicken. Aber ich erklärte Ihnen, ich sei in meiner Ausbildung und wolle etwas von ihnen lernen. Erstmal ermahnten sie mich, ließen mich dann aber mitschminken. “So frech sein geht eigentlich gar nicht, aber nur zugucken auch nicht. Also du schminkst mit”, begründeten sie. Natürlich durfte ich nur Körper und Kleinigkeiten schminken, doch so knüpfte ich meine ersten Kontakte bei Dior.

"Ich schminke seit 18 Jahren für Dior. Ich liebe meinen Job und bin happy"

styleranking: Wie ging es nach dieser Aktion weiter?

Norman Pohl: Ich begann meine Karriere als Freelancer bei Dior und arbeitete dann im Verkauf als Make-up Artist innerhalb des KaDeWes. In diesen vier Jahren habe ich viel gelernt, weil ich unterschiedliche Hautfarben, Altersgruppen und Typen schminken durfte. Danach bekam ich 2007 die Stelle als Chef Make-up Artist. Ich schminke seit 18 Jahren für Dior. Ich liebe meinen Job und bin happy.

styleranking: Warum ist das der perfekte Job für dich?

Norman Pohl: Ich arbeite gerne mit Menschen. Christian Dior sagte, er wolle Frauen nicht nur schöner, sondern glücklicher machen. Ich formuliere es um: Ich glaube, jeder empfindet Freude dabei, einen anderen glücklich zu machen. Das größte Geschenk als Künstler ist es, wenn ein Kunde sich freut oder ein Tränchen im Auge hat. Außerdem reise ich in meinem Job viel. Ich liebe es, unterwegs zu sein und neue Dinge kennenzulernen – neue Menschen, Kulturen und Orte. Insgesamt ist mein Beruf eine Kombination aus Kreativität, Reisen, Menschen verschönern und ihnen ein gutes Selbstwertgefühl schenken.

styleranking: Wer inspiriert dich zu deiner Arbeit?

Norman Pohl: 2007 habe ich Sharon Stone über mehrere Tage betreut. Sie ist der erste große Star, den ich schminken durfte und sie hat mich inspiriert und beeindruckt. Ihre einmalige Persönlichkeit, ihre Ausstrahlung und ihr Selbstbewusstsein flashen mich. Ansonsten lerne ich viel von Kollegen, aber auch von meinen Schülern. Make-up hat für mich keine Hierarchie. Bei Make-up geht es um Erfahrung, aber auch ein Neuling kann Ansätze haben, die ich aufnehme. Es existieren wenige No-gos, dafür kann ich viel probieren und testen. Make-up Artist Peter Philips inspiriert mich ebenfalls. Er gilt als streng, professionell aber auch visionär. Seine individuellen Ansätze beeindrucken mich. Mich inspirieren auch nicht-prominente Menschen, wie eine Hostess, die mir ganz viel Energie schenkt.

styleranking: Wie beeinflusst Social Media deinen Beruf?

Norman Pohl: Ich stamme aus einer Generation, in der Instagram keine Rolle gespielt hat. Meine Tochter hat gesagt “Papa, du sollst dich bei Instagram anmelden. Du bist Celebrity Make-up Artist und die Menschen in Deutschland und der Branche kennen dich." Jetzt bin ich angemeldet und finde Instagram spannend. Die Plattform eignet sich perfekt, um meine Arbeit zu zeigen. Das bedeutet aber auch Stress. Ich selbst bin kein Promi - ich arbeite mit ihnen. Das erachte ich als großen Unterschied. Ich schätze meine loyalen Fans auf Instagram und Follower, die mir Mut zusprechen und mir Lobeshymnen schreiben, die runtergehen wie Öl (lacht). Auf Social Media habe ich aber auch zum ersten Mal negative Sachen über mich gesehen. Leute beschimpfen mich und ich lerne, das nicht an mich heran zu lassen.

"Dior übt einen Zauber aus, der mich berührt"

styleranking: Was begeistert dich an der Brand Dior?

Norman Pohl: Meine Liebe zur Dior war schon zu Beginn groß, weil meine Mama immer Produkte von Dior verwendet hat. Ich bin bei Dior in eine Geschichte eingetaucht, die andere Brands so nicht vorweisen. Dior übt einen Zauber aus, der mich berührt. Zudem sehe ich mich als riesiger Fan der Produkte. Die Firma behandelt mich gut und nimmt meine Ideen, meine Wünsche und meine Kreativität auf. Ich kann mich als Mensch entwickeln und entfalten. Sind wir mal ehrlich: Wer will in seiner Visitenkarte nicht Dior stehen haben? Für mich gilt Dior als most designable Brand der Welt.

styleranking: Mit Maria Grazia Chiuri hat Dior eine starke, weibliche Stimme erhalten. Erkennst du im Zuge dessen eine Veränderung der Marke?

Norman Pohl: Maria Grazia Chirui kam als erste weibliche Chefdesignerin zu Dior - eine Revolution. Sie verkörpert Women Empowerment, Stärke und Selbstbewusstsein, was ich toll finde. Mit dem klassischen Code von Dior verbinden wir “No Make-up”, einen Trend der den Zeitgeist trifft. Es geht darum, dass Frauen sagen: “Ich fühle mich schön und möchte mich in Szene setzen, ohne dass ich drei Kilogramm Make-up verwende. Ich muss keinem Role-Model entsprechen.” Diese Message drücken wir gerade mit de Dior Backstage-Linie ausdrücken: Du bist schön, wie du bist und mit diesen Produkten unterstreichst du deine Schönheit, ohne sie abzudecken. Es entspricht der Arbeit von Maria Grazia Chiuri. Sie kreiert Mode, in der Frauen sich stark fühlen.

styleranking: Auf dem Dior Runway haben wir auch extreme Wimpern gesehen. Können sich diese extremen Look auf den Mainstream übertragen?

Norman Pohl: Die Wimpern waren inspiriert von Model Twiggy. Ich glaube, wir sollten Catwalks als Inspiration betrachten. Unsere Make-up Looks bei den Shows wirken natürlich, glowy und frisch. Wir können Make-up aber auch als Accessoire verwenden und mit einem Akzent den Look beeinflussen. Magazine interpretieren einige Looks massiv oder übertrieben, um den Leser zu inspirieren. Ich glaube, du kannst von jedem Fashion Look etwas übernehmen. Wenn du jemanden mit gelbem Lidschatten siehst, traust du dich das im Alltag nicht. Eine Option wäre aber gelber Eyeliner zu schwarzen Wimpern zu kombinieren. Das kann modern und fashionable wirken.

styleranking: Lohnt sich der Blick auf die großen Fashion Shows, um Make-up-Inspiration zu bekommen?

Norman Pohl: Wer Inspiration sucht und up-to-date bleiben möchte, lohnt es sich. Dabei geht es weniger um eine Eins-zu-Eins Kopie, als darum, die Message zu verstehen. Mache es zu deiner Eigenkreation.

styleranking: Vielen Dank für das Interview, Norman.

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