Jubiläum

70 Jahre Dior: Ein Epos der Mode

Von Franziska Gajek
31.12.2017 / 10:00 Uhr

„Le secret de l'élégance est la simplicité.” Zu Deutsch: „Das Geheimnis der Eleganz liegt in der Schlichtheit.“ Ein Zitat, das auch 70 Jahre später nicht an Bedeutung verloren hat. Gesprochen hat diese Worte einer der ganz großen Meister internationaler Couture, Christian Dior. 1946 eröffnet der Franzose sein Atelier in Paris. Im Februar 1947 beginnt mit der Präsentation der ersten Kollektion ein epochales Stück Modegeschichte. Blicken wir durch die Fashion-Brille auf das Jahr 2017, zählt der 70. Geburtstag der Maison Dior definitiv zu den Highlights. Wir schauen auf das Jubiläumsjahr zurück und feiern die Mode á la Francaise gestern und heute.

Dior zwischen den Zeilen

Auch wenn 1947 die ersten Designs über den Laufsteg flanierten, fällt die Gründung des Hauses Dior eigentlich in das Jahr 1946. Von zahlreichen Anproben mit feinen Damen und der Bedeutung von Frauen für sein Glück, erzählt Christian Dior in seiner berühmten Biographie Dior und ich. Der Verlag Schirmer/Mosel, bekannt für seine bildgewaltigen Coffeetablebooks, hat den Klassiker neu aufgelegt. Anlässlich des 70-jährigen Jubiläums erscheint das Buch über Mannequins, Luxus und Kunst nicht nur mit Worten und Buchstaben, sondern auch gefüllt mit Illustrationen von Christian Dior und René Gruau. Gruau ging als Modeillustrator des 20. Jahrhunderts in die Geschichtsbücher ein. Er zeichnete unter anderem für Balenciaga, Chanel oder Schiaparelli - und natürlich für Dior. Die enge Zusammenarbeit der beiden Männer erfüllt die Seiten von Dior und ich ebenso, wie die detaillierten Berichte aus der Modelwelt der 1950er Jahre. Ein Muss für alle Fashionistas oder Freunde guter Literatur.

Designer und Revolutionär der Mode Christian Dior inmitten seiner Entwürfe.   Copyright: Fred Ramage/Getty Images

Dior im Rampenlicht

Licht aus. Bass an. It’s Runwaytime. Besonders im Jubiläumsjahr lohnt sich ein Blick auf die Catwalk-Kollektionen des Hauses Dior. Chefdesigner Maria Grazia Chiuri lässt sich für die Fall/Winter Haute Couture-Kollektion von den Reisen Christian Diors inspirieren und zeigt unter dem Hashtag #emptyspaces eine farblich-reduzierte, dafür schnitttechnisch brillante Kollektion in Paris. Vor der Kulisse lebensgroßer Savannenbewohner schreiten die Models in zahlreiche Grauschattierungen gekleidet über den Laufsteg. Die Szenerie ist eingebettet in eine monumentale Kulisse, die an weite afrikanische Landschaften erinnert. Ein Gesamtkunstwerk, das nicht nur an den Gründer des Hauses erinnert, sondern vor allem in der Schnittführung das Erbe des Hauses Dior bewahrt. Betonte Taillen, der berühmte New Look im Stil des „Bar“-Kostüms von 1947, Capes und schwingende Röcke aus Pliseé oder schwerer Wolle schaffen die perfekte Verbindung zwischen dem Gestern und Heute.

Dior im Haus der Kunst

Bei den Entwürfen der Maison Dior, da sind sich viele Kritiker einig, handelt es sich nicht nur um Mode. Es handelt sich um Zeitgeschichte, ja, sogar um Kunst. Welcher Ort könnte also passender sein, als ein Museum, um das Jubiläum gebührend zu begehen. Noch bis zum 7. Januar zeigt das Musée des Arts décoratifs in Paris die Ausstellung Christian Dior, Designer of Dreams. Sie gilt als die größte Dior-Ausstellung der Welt und zeigt neben 300 Entwürfen des Designers auch Fotografien, Illustrationen und Kampagnenbilder. Neben dem Werk des Meisters selbst, würdigt die Ausstellung außerdem jene Designer, die nach dem Tod von Dior im Jahr 1957 sein Erbe antraten. Darunter finden sich Namen wie Yves Saint Laurent, John Galliano und Raf Simons. Mitten in Paris öffent Dior mit dieser Ausstellung die Tür zum Herzen der Haute Couture. Bewegender, eindrucksvoller und intensiver kann Mode kaum präsentiert werden. Kein Wunder also, dass zur Eröffnung der rund 300 qm großen Ausstellung Model Bella Hadid sowie die Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence - natürlich ganz in Dior gehüllt - erschienen.

Die Ausstellung Dior, Designer of Dreams begeistert mit Couture zum Träumen und zahlreichen stoffgewordenen Zeitzeugen der Modegeschichte.   Copyright: Dior

Dior neu interpretiert

Eine Tasche, ein Kleid oder ein paar Schuhe werden dann zum Kultobjekt, wenn mindestes eine berühmte Persönlichkeit sie getragen hat und sie nach vielen erfolgreichen Jahren neu interpretiert wird. Im Falle der Lady Bag von Dior ist genau das in diesem Jahr passiert. 1995 entstand das zeitlose Modell im Atelier Dior, das spätenstens durch Lady Diana zum internationalen Must-have wurde. Bereits im vergangenen Jahr lud die Maison Dior einige Künstler ein, die Tasche mit ihrer Handschrift zu versehen. Nun haben sich erneut zehn Künstler zusammengefunden, um der Lady Bag ein neues Antlitz zu verpassen. Darunter finden sich Lee Bull aus Seoul, Spencer Sweeney aus New York oder der in Deutschland geborene Friedrich Kunath. Von elegant bis ultra modern und plaktaiv reichen die Designs und transportieren die Lady Bag damit im Handumdrehen in die Zukunft.

Das Design des US-amerikanischen Künstlers Spencer Sweeney schafft die perfekte Verbindung zwischen Kunst und Mode.   Copyright: Mark Peckmezian/ Dior.com

Dior beweist 2017, dass sich das Haus nicht nur auf große Mode, sondern auch auf die Würdigung selbiger versteht. Gründer und Namensgeber Christian Dior wird auch 60 Jahre nach seinem frühen Tod in Ehren gehalten und bleibt genau wie seine revolutionären Entwürfe lebendig.

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