MBFWB Winter 2015

Aleks Kurkowski: Fürstin der Finsternis

Gabriela Keller
Von Gabriela Keller
20.01.2015 / 14:17 Uhr

Achtung, jetzt wird es kalt, dunkel und ziemlich ungemütlich: Die aktuelle Herbst/Winterkollektion von Aleks Kurkowski ist – wie immer – ganz in Schwarz gehalten; die androgynen, scharfkantigen Entwürfe der deutsch-polnischen Nachwuchsdesignerin sind von einer minimalistischen Formenstrenge geprägt, die verunsichert und frösteln macht. „Romanticism & Reality“ ist der Titel der Kollektion, die Kurkowski im Stage-Raum des Zelts am Brandenburger Tor präsentiert hat.

Wer Aleks Kurkowksi folgt, begibt sich auf eine melancholische Gedankenreise in dunkle, abseitige Gefilde; die Modedesignerin nutzt ihre komplexe Ästhetik, um Unwohlsein und Beklemmungen zu verdichten. Ihre aktuelle Kollektion ist romantisch im ursprünglichen Sinne, indem sie die Beziehung zwischen Ich und Umwelt neu auslotet und Auflösung sowie Individualismus thematisiert.

Bei dieser Kollektion hat Alex Kurkowski viel mit transparenten und blickdichten Stoffen experimentiert: Hauchzarte Materialien wehen wie Schatten unter griffigen, festen Stoffen hervor, harte, glatte Flächen brechen sich an weichen Geweben, raue Wolle, schwere Baumwolle gibt kaum-da-zartem Chiffon einen festen Rahmen. Bei Kurkowski sind die Grenzen zwischen Mann und Frau weitgehend unkenntlich geworden; weibliche und männliche Models tragen Unisex-Teile, schmale Hosen, Bermudas, Hemden und dazu Wollmäntel, die vorne komplex gefaltet sind und an den Schultern etwas zu groß sind, so dass sie ihre Träger zart und verwundbar erscheinen.

Aleks Kurkowski legt in der neuen Kollektion großen Wert auf Details.   Copyright: Cosima Scholz für styleranking

Da ist es gut, dass ihre Kleidung sie vor den Widrigkeiten einer unberechenbaren Welt schützt: Mit hochgeklappten Krägen, spitzen Revers und kantig-rigiden Schnitten wirken die Entwürfe fast wie Kokons, die den Menschen in all seiner Bedrängnis einhüllt und isoliert. Bemerkenswert auch die vielen kleinen Details, mit denen Aleks Kurkowski die puristische Schwärze ihrer famosen Arbeiten durchbricht: Lederbänder, die an den Handgelenken um die Ärmel gewunden sind, kleine Stofffalten am Bund, zarte Raffungen an der Hüfte. Eine intellektuelle, scharfsinnige Kollektion, die im Gedächtnis bleibt.

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