Designer Interview

Atelier About: „In Berlin ist man freier als in Mailand"

04.02.2018 / 11:00 Uhr

Wir befinden uns in einem Berliner Bunker in Mitte. Dumpfer Techno wummert durch den staubigen Kellerflur, reflektiert von kalten Betonwänden und der Backsteindecke. Genau hier, direkt nach der Runway Show zur Berlin Fashion Week, trifft styleranking die beiden Designer Gianpaolo Tucci und Giulio D’Alessio des Berliner Labels Atelier About. Die aus Italien stammenden Designer lassen sich von Berlins Underground-Szene zu ihrer Mode inspirieren. Im Interview sprechen wir mit den beiden über ihre Herbst/Winter 2018/19 Kollektion Unsere Straßen, Berliner Partys und die Mailand Fashion Week.

styleranking: Welche Message möchtet ihr mit eurer Kollektion Unsere Straßen transportieren?

Gianpaolo Tucci: Wir wollen damit ausdrücken, wie wir Unsere Straßen leben. Wir zeigen, was uns täglich auf der Straße begegnet. Es geht nicht nur um das Aussehen, sondern um das Sein.

Giulio D’Alessio: Genau so ist es. Wir haben das in die Kollektion einfließen lassen, was täglich an uns vorbeizieht. Wir leben unsere Mode. Wir kommen von der Straße, gehen in die Clubs. Das, was wir kennen, setzen wir in unserer Kollektion um.

Der Name ist Programm: Für ihre Kollektion Unsere Straßen lässt sich das Designerduo von Atelier About von täglichen Eindrücken der Großstadt inspirieren.   Copyright: Victor Heekeren für styleranking

styleranking: Was ist euer Lieblingsclub in Berlin?

Giulio D’Alessio: Was für eine stilvolle Frage. Ich würde sagen: Das Zuhause von Gianpaolo. Er hat ein sehr großes Haus mit einer gigantischen Terrasse, ideal für Partys.

Gianpaolo Tucci: Ich muss gestehen, dass ich Berghain sehr mag.

styleranking: Ein Klassiker.

„Es geht um die Erlebnisse"

Gianpaolo Tucci: Es geht nicht darum, was klassisch für Berlin ist. Es geht um die Erlebnisse. Hier in Berlin kannst du unzählige, einzigartige Erfahrungen machen. Aber wie in jeder anderen Stadt auf der Welt geht es darum, den für dich perfekten Platz zu finden. Es geht nicht um Clubbing und Tanzen. Es geht um die Straße, die Menschen, die Realität, die verschiedenen Kulturen. Man geht auf eine Party, um zu leben. Das ist eine Lebenseinstellung.

Im Interview mit Redakteurin Lara philosophieren die Designer Giulio D’Alessio und Gianpaolo Tucci über die Berliner Party-Szene.   Copyright: Victor Heekeren für styleranking

styleranking: Abgesehen von der Berliner Underground-Szene, beeinflussen euch ebenfalls Elemente eurer Heimat Italien für die Kollektionen?

Giulio D’Alessio: Der italienische Einfluss zeigt sich im Finish unserer Kollektion. Zwar ist es nicht einfach, aber wir versuchen, den hohen Standard italienischer Qualitätsmode zu wahren. Man fühlt es durch die Stoffe, die Schnitte und die Verarbeitung. In Italien schreiben wir Qualität groß. Bezogen auf das Design beeinflusst Italien uns weniger.

Gianpaolo Tucci: Da ziehen wir immer an einem Strang.

Giulio D’Alessio: Wobei du manchmal ein bisschen zu verrückt wirst…

Atelier About vereint in seiner Kollektion Berliner Design mit italienischer Qualität.   Copyright: Victor Heekeren für styleranking

styleranking: Immer wieder hört man, dass die Underground-Szene Berlins selbstzerstörerisches Verhalten verherrlichen soll. Wie seht ihr das?

Gianpaolo Tucci: Ich denke, wenn du dich selbst zerstören möchtest, kannst du das an jedem Ort der Welt tun.

styleranking: Also spielt Berlin an sich dabei keine Rolle.

Gianpaolo Tucci: Nein.

Im Anschluss an die Runway Show von Atelier About trifft Redakteurin Lara die Designer Designer Giulio D’Alessio und Gianpaolo Tucci zum Interview.   Copyright: Victor Heekeren für styleranking

styleranking: Wechseln wir zu ein paar schnellen Fragen, bei denen ihr euch zwischen einer Antwortmöglichkeit entscheiden könnt. Fangen wir an: Kreuzberg oder Mitte?

Giulio D’Alessio: Mitte.

Gianpaolo Tucci: Ich bin grundsätzlich eine sehr faule Person. Deshalb wähle ich die Location, für die ich mich keinen Zentimeter bewegen muss - Mitte.

styleranking: Currywurst oder Döner?

Gianpaolo Tucci: Döner. Hättest du Rostbratwurst vorgeschlagen, hätte ich mich wohl dafür entschieden. Ich mag die Currysauce einfach nicht.

Die Herbst/Winter 2018/19 Kollektion von Atelier About soll den Look der Street Styles aus Berlin widerspiegeln.   Copyright: Victor Heekeren für styleranking

styleranking: Zurück zu Clubs. KitKat oder Watergate?

Giulio D’Alessio: Eher KitKat. Aber ich weiß es nicht genau, weil ich nicht in Berlin lebe.

Gianpaolo Tucci: Weder noch. Du solltest einen Club einfach in Abhängigkeit von deinen Vorlieben und der Atmosphäre wählen.

„In Berlin sieht man verschiedene, gute Trends"

styleranking: Wie würdest du den typischen Berliner Fashion Look beschreiben?

Gianpaolo Tucci: Ich möchte ihn gar nicht beschreiben. Ich finde, das ist etwas, was ich nicht tun muss. In Berlin sieht man verschiedene, gute Trends. Ich möchte kein Statement über das Klischee des typischen Berliner Fashion Week Looks machen.

Giulio D’Alessio: Ich komme aus Mailand und da ist die Fashion Week komplett anders als hier in Berlin. In Mailand wird es manchmal langweilig. Partys sind zur Fashion Week nebensächlich. Hier in Berlin wollen die Menschen ganz bewusst andere Mode, einen anderen Style. Hier ist man freier. Berlin ist den Menschen gegenüber offener.

Die ehemalige Germany's Next Topmodel-Kandidatin Melina Budde präsentiert ebenfalls für Atelier About.   Copyright: Victor Heekeren für styleranking

styleranking: Welchen Herausforderungen hinsichtlich der Schnittanfertigung und des Designs muss man sich stellen, wenn man eine Non Gender-Kollektion entwirft?

Gianpaolo Tucci: Es geht darum, einen Style zu kreieren, der an sich schon sehr diffus ist. Oft geht es nicht um den Schnitt, sondern die Art und Weise, wie man die Stücke trägt. Stell dir vor, du wirfst dich in den Hoodie deines Freundes. Bis zu einem bestimmten Maße ist auch das Non Gender-Mode. Danach geht es darum etwas zu definieren, was die Stücke aufwertet und für jeden tragbar macht. Anschließend streben wir danach, die Manufaktur der Kollektionsstücke mit dem Charakter und Lebensstil des Trägers zu vereinen.

Giulio D’Alessio: Stört es, wenn ich mir eine Zigarette anzünde? In der nächsten Kollektion sollten wir uns unbedingt mit Tabak beschäftigen.

Designer Gianpaolo Tucci strebt danach „die Manufaktur der Kollektionsstücke mit dem Charakter und Lebensstil des Trägers zu vereinen".   Copyright: Victor Heekeren für styleranking

styleranking: Ein Zitat aus Sex and The City besagt: „Geschlechter sind reine Illusion.“ Wie steht ihr dazu?

Gianpaolo Tucci: In Bezug auf Geschlechter geht es nicht um Illusionen. Es geht darum, die Person zu sein, die du wirklich bist. Der Begriff Illusion kann für mich alles und nichts bedeuten. Und die Geschlechter sind bedeutsam. Du solltest wissen, wer du bist, was du magst und dem folgen, was du fühlst. Ein starker Charakter und eine starke Lebenseinstellung sind entscheidend - und genau die wollen wir in unseren Kreationen verwirklichen.

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