Fashion-Trend

Athleisure: Warum wollen alle Leggings und Sneaker statt Kleid und High-Heels?

27.11.2017 / 11:00 Uhr

Winter im Central Park: Die New Yorker joggen ihre Runden, gehen spazieren oder kommen zum Schlittschuhlaufen. Alle tragen Sportswear. Wenige Kilometer weiter am Times Square: Touristen und Locals drängen sich durch die Straßen, gehen shoppen, essen und ins Kino. Auch sie tragen sportliche, funktionale Kleidung. Ein Blick über den Ozean in ein Berliner Office: Hoodies und Nikes sind auch hier präsent.

Ob New York, Berlin, Barcelona oder Tokio – überall begegnet uns das gleiche Bild: Menschen, die auf sportliche Kleidung statt auf elegante Businesslooks setzten - sowohl in ihrer Freizeit, als auch im Arbeitsalltag. Der Mix aus Sport- und Alltagskleidung heißt Athleisure Wear. Doch warum ist Athleisure so erfolgreich? Wer profitiert davon? Und was bedeutet die Strömung für Luxuslabels und andere Marken?

Fit aussehen im Handumdrehen

Sportswear-Brands wie Adidas, Nike, Puma und Ellesse bewegen sich schon lange Richtung Fashion (man denke an die ersten Stücke aus der Adidas by Stella McCartney-Kollektion). Und präsentieren sich mit dieser Strategie gerade als große Gewinner. Denn ihre Mode ist nicht nur bei Profi-oder Hobbysportlern gefragt, sondern erreicht sämtliche Zielgruppen.

Wie stylisch Athleisure aussehen kann, machen uns nicht nur Street Style Fans, sondern auch die Stars vor. Kylie Jenner hat den Athleisure-Trend bereits vor Jahren für sich entdeckt. Sie trug Leggings und weiße Sneakers als andere noch in schicken Kleidern und High-Heels unterwegs waren. Ganz Socialite beweist sie immer wieder, wie vielseitig und sexy Athleisurewear aussehen kann. Sie setzt die funktionale Kleidung figurbetont ein, unterstreicht ihre kurvige, durchtrainierte Silhouette und zeigt auch mal Haut. Sweatpants, ein bauchfreies Top und schon entsteht nicht nur ein stylischer Look, es sieht auch noch aus, als wäre Kylie gerade auf dem Sprung zum Workout.

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Während sich Sportswear-Brands Richtung Fashion bewegen und Sneaker nicht mehr nur im Fitness-Studio geschnürt werden, treibt es Fashion-Brands Richtung Sportswear. Sie sind dem Druck der Verbraucher ausgesetzt, die seit einigen Saisons sportive Looks vorziehen und hierfür mehr Geld ausgeben. Das zeigt auch die Aufnahme des Athleisure-Trends in zahlreiche Designerkollektionen. Den schwarzen Zahlen zuliebe entwickeln aktuell viele Labels einen sportlicheren Gesamtlook oder bringen eigene Athleisure Wear- oder Activewear-Linien auf den Markt. Hugo Boss titelt die Mischung aus formellen und legeren Elementen in der neuen Kollektion als „die neue Eleganz“. Selbst Karl Lagerfeld, der 2012 Markus Lanz gegenüber noch äußerte „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“ schickte bereits zwei Jahre später für Chanel Jogginghosen und Sneakers über den Catwalk.

Athleisure Wear bei Chanel, Hugo Boss und Hunkemöller

Ein Paradebeispiel für Sportmode, die es in den Alltag geschafft hat, ist die Smokinghose mit Galonstreifen. War sie vor fünf Jahren nur vereinzelt an modemutigen Fashionistas zu sehen, erobert sie jetzt laut der Fachzeitschrift Textilwirtschaft „auch den breiten Markt: Der Galonstreifen, vielfältig interpretiert, gefällt den Frauen allerorts.“ Und nicht nur Frauen tragen die Hose, auch die Menswear-Kollektionen für 2018 verhelfen der Smokinghose zu neuem Ruhm. Von Calvin Klein bis Gucci – alle haben sie in ihren Kollektionen.

Selbst vor Dessous-Marken wie Hunkemöller macht Athleisure nicht Halt, wie deren Kooperation mit Caroline Einhoff zeigt. Die Influencerin, die wir euch bereits in einem Interview vorgestellt haben, hat eine Sportkollektion für das niederländische Unternehmen designt. Darunter finden sich Sport-BHs, aber auch ein Parka, ein Rucksack, Sporthosen und Tops.

Influencerin Caroline Einhoff in ihrer eigenen Kollektion, die sie in Kooperation mit Hunkemöller entwarf. „Das ist das beste Beispiel dafür, dass jeder noch so weit entfernte Traum eines Tages wahr werden kann, wenn man sein Ziel niemals aus den Augen verliert und daran arbeitet“, schreibt sie über die Zusammenarbeit auf ihrem Blog.   Copyright: Hunkemoller.de

Yoga-Fashion statt Businessmode

Bei Influencern wie Caroline Einhoff verschwimmen die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben. Genauso verhält es sich bei jenen, die im Home Office arbeiten oder Reisen und Arbeiten miteinander kombinieren. Dieser Wandel der Arbeitswelt weicht Dresscodes mehr und mehr auf und zeigt eine Entwicklung frei von den Zwängen des Establishment auf. In der Mittagspause aufs Laufband? Kein Problem. Nachmittags auf einen Smoothie mit der besten Freundin treffen und dafür abends länger arbeiten? Na klar. Genau diesen Typ Working Women sieht Anita Tillmann, CEO der Messe Premium in Berlin, wenn sie sagt: „Seit langem sieht man in New York oder L.A. die Girls in ihren Yoga-Leggings, die Matte unter den Arm geklemmt, dazu eine coole Jacke und Handtasche. Die Tatsache, dass der Trend jetzt auch in Europa angekommen ist, reflektieren wir auf der Premium in der Halle 2.“ Die Premium widmet sich übrigens bereits seit 2015 dem Thema Athleisurewear.

Athleisure ist überall und vor allem erschwinglich geworden. Nach Filialketten wie H&M, Primark und New Look zieht Asos nun auch mit einer eigenen Athleisure-Linie nach. 4505 Activewear nennt der Online-Riese seine Kollektion, die Anfang 2018 auf den Markt kommen soll und mit großer Spannung erwartet wird.

Auch das Online-Fashion-Portal Zalando bietet Activwear in Hülle und Fülle.

Sowohl Sportswear- als auch reine Mode-Brands haben bei der Vermarktung die Chance, ihre Athleisure-Kollektionen mit Hilfe von Influencern aus den Bereichen Fashion und Fitness an die Masse zu bringen. Social-Media-Stars wie Caro E. oder Pamela Reif, die am 1. September 2017 ihre Pamela x Puma Kollektion für Zalando launchte (siehe Instagram-Shot), werden bald keine Ausnahmen mehr sein.

Wollen die Marken nun aus allen Menschen Sportler machen? Nicht ganz. Der Trend liegt irgendwo zwischen Sport und Fashion. Natürlich stehen die hautengen Kleidungsstücke schlanken und durchtrainierten Mädels und Jungs besser, doch sportlich sein ist kein Muss für diesen Trend. Die neuen Athleisure-Kollektionen sind nicht für Outdoor-Sportler gemacht, die es bei Wind und Wetter in die Natur zieht. Vielmehr kleiden sie Fashionistas, die in Metropolen wie London, Stockholm oder eben New York leben.

Auch du hast Lust auf ein Athleisure-Update bekommen? Dann kombiniere für den Anfang sportliche Teile mit den Basics aus deinem Schrank. Sobald du dich zu einem Athleisure Wear-Profi entwickelt hast, wirst du merken: Athleisure benennt nicht nur einen Kleidungsstil, sondern verkörpert eine ganze Lebenseinstellung, einschließlich Health und Wellbeing. Die funktionale Kleidung sitzt wie eine zweite Haut und wappnet dich für jede Lebenslage - ob im Büro, beim Treffen mit Freunden oder im Fitness-Studio. Athleisure Wear nämlich passt sich deinem aktiven Leben an, ohne dass du den Style-Faktor außer Acht lassen musst. In diesen Sinne: Rein in die Sneaker und rauf auf die Straße.

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