BERLIN FASHION WEEK SOMMER 2017

Auf puristischer Bootstour mit Hien Le

29.06.2016 / 10:29 Uhr

Ein Segeltörn mit Freunden, wie schön still alles ist. Kühle, klare Luft liegt über dem Meer, die Wellen rollen sachte und ruhig, den glimmenden Sandstränden entgegen. Ein leichter Wind geht, wir treiben hinaus; Licht spielt auf dem Wasser. Das Getöse der Fashion Week, der Wirbel um die neuesten Trends, das Geschrei der Fotografen, all das bleibt zurück.

Wer bei der Präsentation der aktuellen Kollektion des Berliner Modedesigners Hien Le auf der Fashion Week Berlin zuschaut, fühlt sich wie auf einen leichtmütigen, mondänen Boots-Cruise versetzt: Der Designer mit den laotischen Wurzeln hat seinen gewohnten minimalistisch-funktionalen Stil diesmal mit einer maritimen, sportlichen und sozusagen urlaubsmäßig entspannten Grundstimmung unterlegt.

Hien Le, der Leisetreter unter den Berliner Modemachern, hat mit seiner blitzsauberen, puristischen Ästhetik schon viel von sich reden gemacht. Diesmal zeigt er seine Entwürfe im Garten des Kronprinzenpalais, die Models spazieren in weißen Trekkingsandalen über den Rasen, dazu perlen elegante Elektroklänge aus den Lautsprechern, im Hintergrund blühen prachtvolle Rosen – eine Kulisse wie gemacht für diese knackig frische, federleichte Frühjahr-/Sommerkollektion, die in zarten Tönen wie Mauve, Sand und Weiß gehalten ist, satte Blautöne setzen da und dort dunklere Kontrapunkte.

Schiff Ahoi! Die weißen maritimen Designs von Hien Le treffen auf Edgyness.   Copyright: Stefan Kraul

Hien Le kombiniert schmale Stoffhosen mit luftigen Kurzarm-Shirts, Bermuda-Shorts zu geradlinigen Hemden, er durchbricht glänzende Stoffe mosaikartig mit transparenten Bahnen, setzt strenge Akzente mit Bundfalten oder spitzen Hemdkrägen und lockert die formale Ernsthaftigkeit seiner Entwürfe mit leichten, durchschimmernden Stoffen auf. Ein Kernelement sind weiß-dunkelblaue Streifen; einmal ließ der Modemacher sogar eine längs gestreifte Hose auf ein quergestreiftes Oberteil treffen – wie leicht hätte das schiefgehen können. Doch im Zusammenhang mit Hien Les konzentrierten, klar durchdachten Schnitten aber funktioniert die ungewöhnliche Muster-Mischung.

Hien Le hat sich bei seiner aktuellen Kollektion von bildhauerischen Schaffensprozessen inspirieren lassen; das Ergebnis sind ungewohnt skupturale Entwürfe, ein Oberteil aus zwei Lagen, am Bauch liegt es schmal und transparent an, darüber legt sich eine zweite, griffige Schicht Stoff wie ein Cape. Oder ein zarter beigefarbener Plisseerock, über den der Designer eine Art knöchellangen hochgeschlitzten Lendenschurz drapiert. Hien Les subtile Farb- und Lichtspiele gewinnen durch diese experimentellen Details Tiefenschärfe. Alles in allem eine gelungene, disziplinierte Kollektion ohne schiefe Töne und unstimmige Details – wenn Hien Le zu einem Ausflug im Segelboot einlädt, sind wir gerne dabei.

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