MBFWB Winter 2015

Bobby Kolade: Liebesbriefe an Berlin

24.01.2015 / 18:00 Uhr

Irgendwo an der Ecke hinter dem Baumarkt, zwischen Moschee und Afro-Supermarkt, beginnt die Kollektion von Bobby Kolade. Der Berliner Jungdesigner sudanesisch-ugandischer Wurzeln feiert sein Runway-Debüt mit einem Fest der kulturellen Kontraste. Inspiriert von der bunten Nachbarschaft seines Studios in Wedding, zelebriert Bobby Kolade die Reinheit der Farben, den Ursprung des Musters und vor allem den unverwechselbaren Mix seiner Heimatstadt Berlin.

Auch wenn sich die Designer-High Heels einiger Hochglanzredakteurinnen nicht recht mit der Schlammschlacht vor dem Berghain vertragen wollten - wo ließe sich ein modischer Liebesbrief an Berlin wohl besser schreiben, als in dem berühmt-berüchtigten Club im Osten der Hauptstadt? Hier treffen verschiedenste Charaktere und Kulturen in ungehemmtem Einklang aufeinander, gerade so, wie Bobby Kolade es auch in seiner Ready-to-wear Kollektion für Herbst/Winter 2015 inszeniert. Er zeigt lässige Jogginghosen zu edlen Hemdkleidern, asymmetrische Wollmäntel neben kantig geschnittenen Hosenanzügen und grobe Röcke über zarter Seide. Was Bobby Kolade durch die industrielle Halle am Berghain schickt, ist seine Reflexion eines Berliner Straßenbildes, das er täglich vor seinem Studio erlebt, ein Mix'n'Match der Kulturen. Afrikanische, arabische und orientalische Einflüsse vermischen sich mit der sharpen Schnittkunst einer europäischen Metropole zu modischen Hybriden.

Skulpturales Jackett aus Lubogo mit Kaleidoskop-Faltenrock aus 22 Bahnen und 12 verschiedenen Materialien.   Copyright: KOWA-Berlin / Silk Relations

Vielfalt generiert der junge Modedesigner vor allem durch eine schier unendliche Palette an Materialien. Traditionell südafrikanische Patchworkstoffe, handgewebte Baumwolle aus Äthiopien, gefärbte Wildseide, glitzernder Lamettastrick, volumiger Teddystoff und Lubogo - ein von ihm selbst entwickeltes Material, bei dem ugandische Baumrinde mit Kautschuk behandelt und anschließend von Hand zu skulpturalen Jacken und Paspeldetails verarbeitet wird. Bobby Kolade nutzt all diese Stoffe und scheut nicht davor, sie unkonventionell zu verbinden. Sportliche Bomberjacken werden aus transparentem Organza genäht und mit Lubogo veredelt. Knöchellange Seidenblusen, die an türkische Gewänder erinnern, werden mit derben Blaumannhosen kombiniert. Und afrikanische Folklorestoffe schneidert er zu asymmetrischen Capemänteln. Drei aufwendige Faltenröcke der Kollektion werden zum Sinnbild für Bobby Kolades modischen Schmelztiegel. Bis zu 12 verschiedene Materialien und Stoffe reiht er in 22 Bahnen nebeneinander, wie er auch Kultur für Kultur nathlos aneinander knüpft.

Asymmetrischer Hybridmantel aus südafrikanischem Patchworkstoff und bordeauxroter Schurwolle.   Copyright: KOWA-Berlin / Silk Relations

Beeindruckend ist, dass Bobby Kolade inmitten dieses multikulturellen Kaleidoskops nicht den Überblick verliert. Seine Entwürfe sind klar, strukturiert und auf den Punkt. Jedes Teil findet seinen Platz und seine Daseinsberechtigung, ohne in einer Masse an Mustern und Farben unterzugehen. Zudem stehen seine klassischen und exzellent geschnittenen Blazern und Doppelreihern als beruhigtes und qualitativ hochwertiges Aushängeschild für ein exzellentes Runway-Debüt. Denn nicht nur, dass er uns mit dem Live-Auftritt der britischen Sängerin MAMA das ungeschlagene musikalische Highlight der Modewoche lieferte, die Show in der Halle am Berghain gibt uns auch die vielleicht hoffnungsvollste Meldung der ganzen Mercedes-Benz Fashion Week mit auf den Weg: Bobby Kolade ist gekommen um zu bleiben.

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