Mercedes-Benz Fashion Week Fall/Winter 2018/2019

Bogner und die Suche nach der Mode

Franziska Gajek
Von Franziska Gajek
18.01.2018 / 16:04 Uhr

Der offizielle Schauenplan der Mercedes-Benz Fashion Week endet am Mittwoch Abend mit der Show des Labels Bogner. Der Begriff "Show" ist hier allerdings - mal wieder - fehl am Platz. Denn mit den Schauen verhält es sich auf der diesjährigen Modewoche in Berlin etwas unkonventionell.

Zahlreiche Designer verzichten auf das altbewährte Prinzip einer klassischen Runway-Inszenierung und stellen ihre Kollektion stattdessen in Form von Präsentationen vor. Ein Begriff, der viel Interpretationsspielraum lässt. Das dachte sich wohl auch die Kreativabteilung bei Bogner und nutzte die Laufsteg-Location des E-Werk kurzerhand für eine solch modische Darbietung. Im Zentrum: eng aneinander gedrängte Gäste und James Bond-Filmmusik. Nicht jedoch: die Mode.

Dort wo eigentlich Sitzbänke mit schwarzem Stoffbezug den Laufsteg säumen, stehen nur noch vereinzelte Sitzmöglichkeiten. Wer bei Bogner einen Sitzplatz findet, kann sich zunächst glücklich schätzen, stehen doch alle anderen Fashion Addicts auf dem Laufsteg oder zwischen den Bänken herum und überlegen, ob sie die Tasche lieber am Arm behalten oder zwischen den Füßen parken.

Mit Präsentationsbeginn erhellt sich der große Screen am Ende des Laufstegs, der, wie könnte es bei Bogner anders sein, Schneelandschaften und waghalsige Skiszenen zeigt. Es folgen weibliche und männliche Models in enganliegende Skianzüge oder wattierte Steppjacken gehüllt, die sich zwischen den Zuschauern auf der Tribüne auf schwarzen Platten positionieren und von einzelnen Spots angestrahlt werden. Das ist die Show.

Die hellen Spots sollen den Besuchern den Weg zu den Kollektionsteilen weisen.   Copyright: Victor Heekeren für styleranking

Die Linie, die Bogner präsentiert, könnte nicht plakativer eine Herbst/Winter 2018/2019 Kollektion sein. Wuchtige Moonboots in langes, fransiges Fell gehüllt, Skihelme und Brillen, dicke Rollkragenpullover und Skihandschuhe. Wo die Ursprünge dieser Marken liegen, wird nur allzu deutlich. Die Farbwelten präsentieren sich winterlich zart mit viel Weiß, Grau und Beige, aufgebrochen von starkem Pink oder Orange.

Der Key Look der Kollektion nimmt deutlich Bezug auf die Historie der Marke. Wie einem James Bond-Streifen entsprungen wirkt der eng anliegende weiße Einteiler mit langgezogenem, goldenen Reißverschluss und figurbetonten Abnähern in der Taille. Komplettiert wird der Look von einer Steppjacke mit leuchtend orangefarbenen Akzenten und wuchtigen Moonboots mit olivgrünem, orangefarbenem und weißem Fell. Eines Bond Girls würdig läuft die Titelmelodie der legendären Agentenfilme im Hintergrund und erinnert nur allzu plakativ an Bogners Arbeit für den Film.

Der Key Look aus der Bogner-Kollektion, die das Label in Berlin vorstellt, erinnert stark an die Bond-Filme.   Copyright: Victor Heekeren für styleranking.

Ebenso plakativ erscheinen die Bemühungen des Hauses Bogner, ihre Mode auf ganz besondere Weise inszenieren zu wollen. Doch Altbewährtes aufzugeben, erweist sich bei dieser Präsentation als verkehrt. Die Mode rückt nicht nur in den Hintergrund, sie geht unter. Sie verschwindet zwischen Gästen, die sich durch die Masse kämpfen und auf dem Weg zum nächsten Outfit an einem neuen Gesprächspartner hängen bleiben. Sie rückt aus dem Fokus heraus und erscheint als hübsches Beiwerk eines Events, bei dem Colaflaschen auf dem Catwalk gereicht werden.

Die Idee, Mode am lebendigen Objekt in Museumsatmosphäre auszustellen, hatten bereits andere Designer. Hin und wieder erwies sich diese Idee auch als erfolgreich. Allerdings charakterisieren sich Installationen durch drei entscheidende Merkmale: Platz, Ruhe und Zeit. So könnten die Kreationen ihre Wirkung entfalten. All das bot Bogner weder seinen Gästen, noch seiner Mode.

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