Herbst/Winter-Kolletion

Burberry Men H/W 2015: Die ruhige Rebellion

12.01.2015 / 18:00 Uhr

Wenn man es genau nimmt, ist Burberry Prorsum im punkig-funkigen Modemekka London der größte Rebell. Denn wo andere Labels mit Sportswear und Androgynität das Neuste des Neuen wagen, setzt Christopher Bailey beim alteingesessenen Modehaus auf Tradition. Im vergangenen Sommer etablierte der Chefdesigner bereits einen poetisch-naturalistischen Look mit Schlapphüten, lässigen Mänteln und einer unbestreitbaren Hippie-Hommage. Mit der neuen Herrenkollektion für Herbst/Winter 2015 vollendet er nun diesen Stil. Dabei kommt die Kollektion einer Liebeserklärung gleich: An Bohème, britische Handwerkskunst und vor allem an das Detail.

Es sind Poeten und Schriftsteller, Maler und Musiker, die in Kensington Gardens über den Laufsteg ziehen. Mit einer künstlerischen Attitüde wie aus einem anderen Jahrhundert, aber mit äußerst moderner Garderobe. Denn die Burberry-Bohème besteht vor allem darin, Altes mit Neuem zu mischen. Jacken und Mäntel in geraden, unaufgeregten Schnitten, knöchellange Stoffhosen und klassische Oxford-Schnürer – die Silhouette bleibt schlicht. Die reichen Materialien, Farben und Drucke sind es, die die Kollektion mit Leben füllen.

Klassischer Chesterfield-Mantel mit Lammfellkragen über einer floral bedruckten Baumwolljacke mit Ziernähten, dazu Accessoires im Animalprint.   Copyright: Ian Gavan / Getty Images

Folkloristische Blumen- und Paisleymuster werden auf kastige Baumwolljacken übertragen, inspiriert von englischen Durham-Decken. Darüber drapiert Bailey schwere, dekonstruierte Wollmäntel in traditionellen Caban- und Chesterfield-Schnitten. Hosen werden mit düsterem Camouflage überzogen, dazu großzügig Leopardenprints kombiniert. Olivgrün, Rostrot und Violett bestimmen das Defilée – Farben, die gut in das Bild eines naturverbundenen Weltenbummlers passen. Starke Akzente in Türkis, Gelb, und Fuchsia hellen das Gesamtbild auf und geben dem Mustermix Tiefe.

Zu herben Akustikklängen wie „Cosmic Dancer“ zeigt sich die Kleidung zunehmend wilder und schillernder. Gefärbtes und bedrucktes Lammfell wird in Mänteln, Westen und Pullovern verarbeitet. Das weiche Material gibt vielen Looks ein samtiges Finish, unter dem immer wieder die bunt gemusterten Hemden und Kurzjacken hervorblitzen. Zum Schluss werden ganze Anzüge und Mäntel mit einem feinen Muster aus Spiegelplättchen bedeckt, von denen jedes handvernäht ist.

Samtig-glänzender Lammfell mit Pattentaschen zur gerade geschnittenen Stoffhose. Dazu der "Carryall"-Shopper in Folklore-Muster und mit Spiegelplättchen verzierter Schal.   Copyright: Ian Gavan / Getty Images

Besonders gut gelingt es Christopher Bailey aber wie immer, seine Detailliebe auf die Accessoires der Kollektion zu übertragen. Große Fransenponchos aus Wolle schwingen über den Laufsteg und fransige Schals im Schottenkaro werden lässig um den Hals geknotet. Dazu tragen die wandelnden Bohemier Shopper und Dokumentenmappen aus Veloursleder unter dem Arm, filigran bemalt oder mit Silberapplikationen besetzt. Diese Taschen, jede ein handwerkliches Meisterstück, widersetzen sich jeder Schnelllebigkeit. In ihnen zelebriert Christopher Bailey seinen besonderen Blick für das Detail. Er kreiert einen Look, der lässig, naturalistisch und zeitlos ist. Ganz ohne Schockmoment und Showeffekt. Ist das heutzutage nicht schon wahre Rebellion?

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