Trendwende

Burberry x Christopher Bailey: Die neue Ära des Brit Chic

Von Franziska Gajek
11.11.2017 / 11:00 Uhr

Christopher Bailey verlässt Burberry. Eine Meldung, die einem Erdbeben gleich die Modewelt erschüttert. Wenn dies auch absehbar war. Denn Christopher Bailey verändert die Handschrift des traditionsreichen britischen Labels in seinen letzten Kollektionen deutlich. Was in den 17 Jahren, die er zuvor für Burberry designte, über den Laufsteg lief, ließ sich in jüngster Vergangenheit nur noch schwer wiederfinden.

Dabei haben Bailey und die Marke Burberry den weltberühmten Brit Chic geprägt wie kaum ein anderes Label. Denken wir nur an die Trenchcoats, die Tücher mit Vintage-Check oder die Bowling-Bag in Erdtönen. Niemand, der den Brit Chic zu definieren versucht, kommt an Burberry vorbei. Warum also verändert Bailey auf dem Weg zu seinem Abschied die Marke derart? Hat sich in Wahrheit ein Brit Chic 2.0 etabliert? Eine Spurensuche:

Die Styles von Christopher Bailey zeichnen sich jahrelang durch einen elitären, rockigen Style mit klassischen Schnitten und aufregenden Materialien aus.   Copyright: Ian Gavan/Getty Images

Der alte Bailey

Seit 2001 arbeitet Bailey für das britische Traditionshaus Burberry, dessen Entwürfe bereits Platz in Kinoerfolgen wie Der rosarote Panther oder Frühstück bei Tiffany fanden. Nachdem das Image der Marke zum Ende des 20. Jahrhunderts doch recht eingestaubt war, entwickelt Bailey Burberry zu einem der angesagtesten Labels der Welt. Er gewinnt Kate Moss, Emma Watson und ihren Bruder Alex oder Oscar-Preisträger Eddie Redmayne für die Kampagnen der Marke. In den Reihen seiner Shows sitzen britsche It-Boys und -Girls wie Nick Grimshaw, Harry Styles, Tom Felton oder Paloma Faith. Bailey etabliert den modernen Brit Chic mithilfe des Burberry-Designs in der ganzen Welt.

Seine Kollektionen: Elegant, feminin aber auch mit trotzigen Anleihen aus der Welt einer Kate Moss, die ihn zur Frühjahr/Sommer-Kollektion 2004 inspiriert. Bailey verwendet in seinen Kollektionen Pelz, etwa für Trenchcoats oder Pilotenjacken, setzt den Burberry-Check prominent in Szene und bedient sich nicht nur einmal an Retro-Elementen aus den 60er Jahren, wie in seinen Shows für Frühjahr/Sommer 2006 oder Herbst/Winter 2011. Bailey etabliert Trends, rückt den Trenchcoat wieder in den Fokus und fördert die ganz Großen der Branche, wie Cara Delevingne. Wer bei ihm läuft, zählt unbestritten zu den Models der Stunde.

So kennen wir Burberry seit nunmehr zwei Jahrzehnten. Die Models Cara Delevingne und Suki Waterhouse präsentieren den klassischen Trenchcoat.   Copyright: Getty Images

Der neue Bailey

Dass Influencer und Blogger im Modezirkus mehr und mehr an Bedeutung gewinnen, entgeht auch Christopher Bailey nicht. Die neuen Gäste werden schnell Teil seiner Show und tragen seine Entwürfe als Must-haves in die ganze Welt hinaus. Galt Burberry lange als Trendsetter, wandelt sich die Brand in den letzten Saisons hin zu einer Marke, die Trends aufgreift. Der Einfluss von Street Styles auf die Kollektionen wächst. Bailey etabliert nicht nur als einer der ersten das See-now-buy-now-Prinzip, er zeigt auch Designs, die mit dem klassischen Brit Chic nicht mehr viel gemein haben. So präsentiert sich die Herbst/Winter 2017/18-Kollektion mit intensiven Farben, frechen Street Style Abwandlungen des Trenchcoats und Base Caps. Sportiv, cool und so gar nicht vorstellebar an Kate Middleton.

Der Brit Chic 2.0

Mit Blick auf Burberry hat sich der Brit Chic also einem ordentlichen Update unterzogen. Weniger steif, weniger klassisch, deutlich Street Style kompatibler. Eine Entwicklung, die zeigt, wie sehr das Mode-Diktat aktuell aufbricht. Der Brit-Chic orientiert sich nicht mehr an modischen Regeln, sondern greift unsere Zeit auf. Damit verrät Bailey nicht etwa die kreative Leistung der vergangenen 17 Jahre. Vielmehr beweist er, dass er nie aufgehört hat, am Puls der Zeit zu arbeiten. Seinem Nachfolger hat er einen eleganten Übergang beschert. Ob und wer da zugreifen wird oder ob sich der Brit Chic noch einmal einem Wandel unterzieht, bleibt abzuwarten.

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