MBFWB Winter 2015

Capara: Banditen aus Porzellan und Seide

25.01.2015 / 10:00 Uhr

It doesn't matter what you create, if you don't have fun. Schwarze Songtexte auf weißem Teppichboden. Weibliche Banditen in ledernen Cut-Out-Boots, die darüber hinweg wandeln. Schwere Mäntel und feine Porzellanprints, die Geschichten erzählen - von langen Party-Nächten und zwielichtigen Begegnungen, gehüllt in Seide. Und weil gerade das auf den ersten Blick nicht recht zusammen passen will, liefern die Zwillingsschwestern Vera und Olivera mit ihrem Antwerpener Label Capara die beste Show der ganzen Berliner Fashion Week.

Across the room, across the street - I'm in the moment. Die Worte der kanadischen Sängerin Chinawoman schallen aus den Lautsprecher, im Stile der Düsseldorfer Spraying-Künstlerin Katharina Grosse bedecken sie in Großbuchstaben den Boden des Palazzo Italia. In the Moment - der Titel der Capara Herbst/Winter 2015 Kollektion ist dem Song "Party Girl" entliehen. Und in ganz besonderen Momenten spielen auch die Looks, die beim deutschen Debüt des Capara-Duos zu sehen sind. In dicken Seidenmänteln mit hochgeschlagenem Revers schreiten die Models martialischen Schrittes voran, ihre Haare zu kämpferischen Irokesen gesteckt. Gesteppte Bomberjacken mit breit überschnittenen Schultern und steife Admirals-Mäntel mit militärischen Ärmel- und Rückenriegeln erzeugen eine maskuline, fast einschüchternde Silhouette. Hohe Krägen und übergroße Seidenfoulards verstecken das Gesicht.

Nudefarbene Kurzjacke über Mantel in steifem Glanzstoff mit grafischem Muster und runder Ärmelform. Die Jackentaschen sind abgerundet, dazu wird ein bordeauxrotes Seidenfoulard getragen.   Copyright: Capara

Es sind Momente der Dunkelheit und des Zwielichts, die Capara zeigt. Augenblicke nach der Nacht im Club oder hinter der Szenebar, wo Weiblichkeit fehl am Platz scheint. Doch die Capara-Zwillinge statten ihre Runway-Banditen mit glänzenden Oberstoffen und femininen Farben von Bordeaux bis Nude aus und brechen so das Bild. Skinny- und High-Waist Hosen zu Cropped-Hemden machen die Schnitte der Kollektion schmaler, weiblicher. Die Designerinnen überziehen Mäntel, Hemdkleider und Halstücher mit stilisierten Blumen- und Vogelprints in kräftigem Blau, Magenta und Rostbraun. Auf den blassen Uniformen der hartgesottenen Draufgängerinnen wirken die grafischen Drucke wie zartes Porzellan. Dass die Zwillingsschwestern ihr Handwerk an der berühmten Antwerpener Royal Academy of Fine Arts erlernten und anschließend ihr Spiel mit Farben und Mustern bei Alumni Dries van Noten perfektionierten ist augenscheinlich.

Schwarze, abgesteppte Bomberjacke über grauem Seidentop zu einer Two-Tone-Hose in schmalem Schnitt mit abgerundeten Kontrasttaschen.   Copyright: Capara

Immer wieder finden in der Kollektion harte und weiche, maskuline und feminine Formen zueinander. Aufgesetzte Taschen und Reverskanten verlieren ihre Schärfe durch weiche Abrundungen, während schmale Midi-Röcke an der Rückseite mit derben Lederbändern geschnürt werden. Es ist das Spiel aus Martialischem und Malerischem, das uns auf der ersten Berliner Capara-Show ganz unerwartet trifft und mit seiner Leichtigkeit überrascht. Die Capara-Schwestern scheinen eine Formel für diesen Spagat gefunden zu haben. Ein Geheimnis, das Hartes weich werden und Banditen Seide tragen lässt. Vielleicht ist es aber auch einfach Naturtalent. Can't you see? I'm a natural.

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